#ACT NOW: Was junge Menschen für die Verkehrswende fordern

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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120 Forderungen junger Menschen hat der ökologische Verkehrsclub VCD im Rahmen eines Projektes gesammelt. Ziel ist es, die Meinungen und Wünsche der jüngeren Generation zur Verkehrspolitik sichtbar zu machen. Präsentiert wird das Ergebnis mit einer Fotoaktion in Berlin im Rahmen des Klimastreiks und Park(ing) Days.

In der politischen Debatte werden die Stimmen junger Menschen oft überhört. Dabei sind es gerade sie, die am stärksten von den Folgen heutiger Entscheidungen betroffen sein werden. Deshalb hat das VCD-Projekt „DIY: Verkehrswende selber machen“ über Monate die wichtigsten Ideen und Forderungen von Menschen im Alter von 17 bis 34 Jahren zusammengetragen. Gemeinsam mit dem Verein Jungagiert hat der VCD die Ergebnisse auf 75 große Platten gedruckt. Diese wird er in Form des Schriftzugs #ACT NOW am heutigen Freitag auf der Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg auslegen (zwischen Adalbertstraße und Rio-Reiser-Platz). Den finalen Schriftzug werde ein Drohnenpilot filmen.

Alina Gollia, die Projektleiterin von „DIY: Verkehrswende selber machen“, betont: „Junge Menschen spüren die Auswirkungen der verfehlten Verkehrspolitik der letzten Jahre und Jahrzehnte hautnah – sei es durch mangelnde Mobilitätsangebote oder die Belastung unserer Umwelt. Es ist höchste Zeit, dass ihre Stimmen gehört werden. Ihre Forderungen sind nicht nur Wünsche, sondern ein eindringlicher Appell an die Politik, endlich Verantwortung zu übernehmen und etwas für eine lebenswerte Zukunft zu tun. Die Verkehrswende ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – wir fordern mit Nachdruck: Handelt jetzt!

120 Forderungen an die Verkehrspolitik hat der VCD auf der Seite von Jungagiert gesammelt. Sie zeigen, wie vielfältig die Anliegen sind. Die wenigsten haben dabei eine Förderung des motorisierten Individualverkehrs im Blick, vielmehr fordern die meisten eine Abschaffung jedweder Subventionen für den Automobilverkehr, egal ob E-Auto oder Verbrenner. An oberster Stelle stehen Verbesserungen für Fußgänger, Fahrradfahrer, den ÖPNV sowie den Bahnverkehr. Die 18-jährige Rahel aus Berlin fordert zum Beispiel: „Buslinien für die Außenbezirke Berlins ausbauen, damit die Menschen nicht mehr auf das Auto angewiesen sind.“ Vincent aus Niedersachsen, 29, bringt es kurz und knapp auf den Punkt: „Radwege ausbauen bis zum Umfallen!

Viele fordern schärfere Tempolimits

Ein paar Dutzend der Forderungen beinhalten die Einführung eines Tempolimits vor allem auf Autobahnen für besseren Klimaschutz und mehr Sicherheit. Aber auch in Städten wird vielen zu schnell gefahren. Die 17-jährige Sinja aus Bayern etwa wünscht sich „bundesweit Tempo 30 innerorts. Es wäre nicht mehr so laut. Unfälle wären weniger schlimm oder sie würden gar nicht erst passieren. Und außerdem wäre es mir lieber, wenn Autos mit 30 km/h statt 50 km/h an mir als Fahrradfahrerin vorbeirasen, denn an den Mindestabstand hält sich eh kaum einer.“

Julika aus Bayern wünscht sich einen konsequenteren Umbau der Energienetze, um das Potenzial von bidirektionalem Laden von Elektroautos erschließen zu können: Man sollte „Elektromobilität da fördern, wo ÖPNV nicht ausreicht, und intelligent nutzen: Autos als mobile Solarstromspeicher während des Parkens laden oder auch kontrolliert entladen“. Auch ans Mitarbeiterladen von E-Autos sollte dabei gedacht werden, indem man „Firmen für die Errichtung von Solaranlagen und E-Ladestationen auf den Mitarbeiterparkplätzen“ gewinnt.

Die Aktion wird unterstützt von: VCD Nordost, Jugendgerecht.de – Arbeitsstelle Eigenständige Jugendpolitik, Deutscher Bundesjugendring (DBJR) und BundJugend. Parallel findet der Park(ing) Day vom VCD Nordost statt. Der Park(ing) Day ist ein eintägiges globales Experiment. Immer am dritten Freitag im September. Dabei verwandeln Künstler:innen, Designer:innen, Aktive oder ganz normale Bürger:innen einen Parkplatz in einen kleinen, temporären, öffentlichen Park.

Quelle: VCD – Pressemitteilung vom 20.09.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Läubli:

Ja genau… ich sagte ja auf dieser Seite schon mehrmals, dass man nur auf Menschen mit entsprechender Erfahrung hören soll, nicht auf Teenies die von tuten und blasen in der Stadt geschweige denn auf dem Land eine Ahnung haben. Die sollen zuerst alles erleben und können dann von mir aus am 20 Jahren die eigenen Erfahrungen einbringen.

Im realen Leben weist auch kein Lehrling dem CEO an was er zu tun hat, weil er das schlichtweg nicht kann, ihm fehlt die Erfahrung dazu und wird daher zu Recht nicht ernst genommen! Hinhören kann man schon, aber da muss alles sauber überarbeitet werden, eben mit gesundem Menschenverstand von erfahrenen Leuten, aber ja nicht die Teenies alleine handeln lassen, das führt unweigerlich in den Abgrund. Es wäre dasselbe, wenn wir die Silversurver fragen würden, ob Sie mehr Rente wollen… was würden die wohl sagen!?

Johannes:

Ja ich nutze so ziemlich jedes Verkehrsmittel regelmäßig. Daher kann ich auch sagen es gibt eine freie Wahl, aber bei gewissen Routen setzt man sich einem erheblichen Risiko aus wenn man das Fahrrad wählt. Das liegt eben daran, dass Autostraßen und Parkplätze meistens Priorität über sichere (!) Radwege haben. Und genau das wird u.a. bemängelt

Läubli:

Hmm… ich bleibe bei meiner anscheinenden „Arroganz“, weil ich der Meinung bin, dass fast jeder in Wirklichkeit die Wahl hat, zumindest wenn er arbeitet und Geld verdient. Jeder kann sich ein Handy kaufen, demzuvolge kann sich auch jeder ein Velo kaufen und sogar fast jeder (der Arbeitet) kann sich, wenn er will, ein Auto leasen oder ein altes kaufen, selbst wenn man im Existenzminimum lebt. Selbst jeder „Migrant“ hat in unseren Ländern Zugang zu einem Velo, Handy, Fernseher, ÖV… nur vielleicht zum Auto nicht. Also sind wir alle doch frei in der Entscheidung, nur und da gebe ich dir recht, kann man nicht für jeden Arbeits- oder Einkaufsweg jedes Verkehrsmittel verwenden, ich denke aber, das fürfte klar sein.
Bei uns in der Schweiz zum Beispiel ist es heutzutage relativ sinnlos, von Bern nach Zürich das Auto zu nehmen… da fährt man am schnellsten und ganz ohne Stress mit dem Zug.

Marcel Gleißner:

Einige Forderungen wie z.B. Tempolimit auf Autobahnen sind richtig und soweit gehe ich auch mit. Ein generelles Lkw Überholverbot ist totaler Quatsch, das gibt dann nur Kilometerlange LKW Kolonnen und noch mehr Staus auf den Autobahnen. 30 vor Schulen und Pflegeheime etc. sind sinnvoll.
Allerdings habe ich ein Problem mit den Forderungen, denn diese kommen hauptsächlich von Leuten aus der Stadt, die keine Ahnung vom ländlichen Verkehr Haben. Ganz ehrlich, ich lebe auf dem Land, ringsum nur Dörfer. Was interessiert mich da der Verkehr in Berlin, Hamburg oder München.
Wenn Ihr den Verkehr Umweltfreundlich Haben wollt dann schaut mal aufs Land raus, da sind die meisten Probleme z.B. der Katastrophale ÖPNV, hier auf dem Land gibt es auch sehr viele Mieter ohne Lademöglichkeit, E-Autos sind hier eher unpraktisch. Lässt den Menschen doch die freie Wahl bei der Mobilität, ohne Staatlichen Zwang und Bevormundung. Macht erstmal den ÖPNV attraktiver, ohne eine echte Alternative gibt es auch keine Verkehrswende.

Jeff:

Puh, also der letzte Satz, sorry, aber das ist schon wieder ziemlich arrogant, um hier einen meiner Vorredner zu zitieren. Es kann sich eben NICHT jeder aussuchen, ob er mit Fahrrad, zu Fuß oder einem Auto unterwegs sein will. Genau so kann man es sich als Fahrradfahrer nicht immer aussuchen, ob man einen Fahrradweg nimmt oder sich die Straße mit Autofahrern teilen MUSS…. Ich nutze auch alle Verkehrsmittel in unterschiedlichsten Situationen, und selten fühle ich mich unsicherer, als in den Tempo 30 Zonen meiner Millionenstadt…

Läubli:

Genau so meine ich das… ich habe den Luxus, dass ich als S-Pedelec (Stromer), E-MTB (Moustache) und BEV (Tesla & Microlino) sowie gelegentlich als Diesel-Fahrer (Lieferwagen) beurteilen kann, wie grosszügig oder knapp der 1,5m Abstand eingehalten wird. Ich weiss auch, wie es ist, im Microlino hinter einem Benzin-Oldtimer oder einem Roller herzufahren… dann erstickt man fast und muss zum Frischluft-schnappen gelegentlich anhalten, bis der Stinker vor einem sich entfernt hat. Genauso geht es mir jeweils, wenn ich mit dem S-Pedelec hinter einem Moped her fahre, bis ich dieses Stinkding endlich überholen kann. Ich gehe davon aus, Johannes, dass du ebenfalls jene Perspektiven real beurteilen kannst, sonst hättest du den Text ja sicherlich nicht so gewählt.

Jedoch ist es jedem Menschen freigestellt, ob er als Velofahrer, Autofahrer oder gar als Fussgänger unterwegs ist. Wenn er sich dabei nicht sicher fühlt, kann er das Verkehrsmittel frei wechseln, das ist kein Problem.

Läubli:

Das behauptet auch niemand. Das stimmt, kein Auto ist besser als ein Elektroauto, jedoch ist leider selbst in der Schweiz der ÖV nicht überall so gut ausgelegt, dass man darauf verzichten kann. In unseren Kantonen Wallis, Graubünden, Jura, Tessin, Appenzell usw. wäre der Mensch ohne Auto ziemlich verlohren, oder man müsste wieder die Kutschen einführen.

Läubli:

Ja… das wäre schon mal ein Anfang.

Robert:

das gilt aber auch für die Vielen E-Auto Hater die noch nie ein E-Auto gefahren sind und glauben sie könnten darüber ein Urteil abgeben

Niko8888:

Hier in Frankfurt muss man kein 50+ alter Boomer sein um zu verstehen, dass zu viel Lebensqualität dem Auto geopfert wird.

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