Hohe Schulden: Wie Zulieferer ZF Friedrichshafen sich retten will

Hohe Schulden: Wie Zulieferer ZF Friedrichshafen sich retten will
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

108 Jahre alt ist der Zulieferer ZF Friedrichshafen inzwischen, doch das Unternehmen ist hochverschuldet und kämpfe aktuell ums Überleben. Obwohl in fast jedem Pkw auf deutschen Straßen mindestens ein Teil von ZF steckt, muss sich der Zulieferer neu erfinden. Vorstandschef Holger Klein soll die Transformation erfolgreich steuern, und das Manager Magazin (MM) hat nun dargestellt, wie die Lage ist und wie das gelingen kann.

Mit 44 Milliarden Euro Jahresumsatz und 165.000 Beschäftigten an fast 170 Standorten ist ZF Friedrichshafen aktuell drittgrößter Zulieferer weltweit. Doch wie es im Bericht heißt, werden in den kommenden Jahren wohl viele Tausend Stellen gestrichen. Und dabei geht es offenbar nicht nur um nicht mehr nachbesetzte Stellen, sondern auch um Entlassungen wie bei der Schließung des kleinen Werks für Nutzfahrzeuglenkungen in Gelsenkirchen.

Der Betriebsrat wittert darin einen Fingerzeig, wo die Reise hingeht – und wetzt laut MM-Bericht bereits die Messer. Am 17. Januar gab es eine große Demo an der Zentrale am Bodensee mit der Forderung zur „Rückkehr zur ZF-Kultur“.

Mehr als 10.000 Stellen in Gefahr?

Mehr als 10.000 Stellen könnten allein in Deutschland in den kommenden Jahren gefährdet sein, heißt es demnach aus Branchenkreisen. „Das lässt auch die großen Werke in Saarbrücken, Schweinfurt oder Brandenburg zittern“, schreibt das MM. Eine Ursache für die schwierigen Fahrwasser, in die ZF Friedrichshafen geraten ist, sei die bislang nicht vollends glückende Transformation hin zur Elektromobilität.

Zwar habe ZF die Zeichen der Zeit erkannt und viel in neue Geschäftszweige unabhängig vom Verbrennungsmotor investiert, dies rechne sich bislang jedoch nicht. Das Manager Magazin berichtet von zweistellig negativen Margen und schreibt: „Der anfangs angenommene Break-even-Zeitpunkt für neue Technologien wie etwa elektrisch angetriebene Achsen gilt längst nicht mehr.“

Vorstandschef Klein wird dazu zitiert: „Die Transformation zur E-Mobilität ist brutal hart. Aber wir werden die Kostenkurve enorm senken. Wir werden mit unserer Technologie und größeren Stückzahlen in diesem Markt erfolgreich sein.“ Für weiteres Wachstum wären weitere Investitionen nötig, doch dafür fehlt es an den Mitteln. Deshalb werde alles bei ZF in den kommenden Jahren auf den Prüfstand gestellt, was nicht zum Kerngeschäft gehört. „Man muss aber auch mal sagen: Hier machen wir einen Schlussstrich“, sagte Klein demnach. An der Senkung von Kosten wird das Unternehmen nicht vorbeikommen.

McKinsey analysiert die Lage

Ende des Monats legen Berater von McKinsey offenbar eine Analyse vor, die bei der Entscheidungsfindung zukünftiger Schritte helfen soll. Während sich die Geschäftsführung von ZF Friedrichshafen – mehrere Führungskräfte wie auch Klein selbst haben mal für McKinsey gearbeitet – viel davon versprechen dürfte, wird man im Betriebsrat sorgenvoll auf die Entwicklungen schauen. „Spätestens Ende Januar dürfte der Streit in die nächste Runde gehen“, stellt das Manager Magazin dazu fest.

Quelle: Manager Magazin – „Sparen und spalten – wie ZF den Weg aus der Elektrofalle sucht“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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