Deshalb ist der Wertverlust bei E-Autos so hoch

Deshalb ist der Wertverlust bei E-Autos so hoch
Copyright:

Shutterstock / 2515539551

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 2 min

Fährt man einen Neuwagen vom Hof des Händlers, sind schnell mal mehrere Tausend Euro an Fahrzeugwert verloren – diese Erkenntnis ist bei Weitem nicht neu. Doch bei Elektroautos ist der Wertverlust oft besonders hoch. Dies liegt nicht daran, dass Elektroautos besonders schnell altern würden, denn insbesondere die modernen Fahrzeugbatterien sind inzwischen für mehrere Hunderttausend Kilometer ausgelegt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) macht in einer nachvollziehbaren Analyse einen anderen Grund dafür aus – und zieht Parallelen zum Wertverlust von Smartphones.

Denn entscheidend ist weniger die tatsächliche Abnutzung als vielmehr der rasante technologische Fortschritt. Neue Modelle kommen in immer kürzeren Abständen auf den Markt, bieten höhere Reichweiten, schnellere Ladeleistungen und modernere Software. Ältere Fahrzeuge wirken dadurch innerhalb weniger Jahre technisch überholt – ähnlich wie Smartphones, die trotz funktionierender Hardware schnell an Attraktivität verlieren, weil beim Nachfolger beispielsweise die Kamera deutlich besser ist. Verbrenner hingegen sind technisch weitestgehend ausentwickelt, da „droht“ nicht mehr allzu viel an bahnbrechenden Neuerungen.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem des Marktes: Angebot und Nachfrage entwickeln sich auseinander. Viele Elektroautos kommen nach kurzer Zeit – etwa aus Leasingrückläufen – auf den Gebrauchtwagenmarkt, treffen dort aber auf eine vergleichsweise geringe Nachfrage. Die Folge sind sinkende Preise, um überhaupt Käufer zu finden. Wer sich auf gebrauchte E-Autos einlässt, der kann jedoch dadurch bereits heute sehr gute Schnäppchen machen.

Rabattschlachten sorgen für Restwert-Absturz

Die Zurückhaltung hat mehrere Ursachen. Potenzielle Käufer sorgen sich weiterhin um „Klassiker“-Themen wie Batteriezustand, Reichweite im Alltag oder die Ladeinfrastruktur. Auch wenn die allermeisten dieser Bedenken inzwischen längst entkräftet sind, wirken sie sich dennoch auf die Zahlungsbereitschaft aus. Verstärkt wird dieser Effekt durch externe Faktoren: Sinkende Neuwagenpreise – etwa durch Rabatte oder Förderungen – drücken zusätzlich auf die Restwerte gebrauchter Fahrzeuge. Wenn ein neues Elektroauto plötzlich deutlich günstiger zu haben ist, verliert das gebrauchte Modell automatisch an Attraktivität und somit an Restwert. So wurden Teslas in Flotten von Mietwagenfirmen äußerst unattraktiv, nachdem der US-amerikanische Automobilhersteller massiv seine Preise gesenkt hatte.

Der hohe Wertverlust von Elektroautos ist also weniger ein technisches als vielmehr ein marktgetriebenes Phänomen. Schnelle Innovationszyklen, Unsicherheiten auf Käuferseite und ein noch unausgeglichener Gebrauchtwagenmarkt sorgen dafür, dass Stromer aktuell besonders stark an Wert verlieren. Wir sollten aber damit aufhören, dies als Gegenargument zu betrachten und stattdessen die sich daraus ergebenden Chancen nutzen, denn selten war der Einstieg in die Elektromobilität über den Gebrauchtwagenmarkt so günstig wie heute.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung – Warum verlieren gebrauchte Elektroautos so stark an Wert?

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

VDA warnt vor Ladelücken, doch die Betrachtung hat Schwächen

VDA warnt vor Ladelücken, doch die Betrachtung hat Schwächen

Daniel Krenzer  —  

Der VDA warnt vor Lücken im deutschen Ladenetz. Doch öffentliche Ladepunkte sind nur zu 12 Prozent belegt. Was das Ladenetzranking 2026 wirklich zeigt.

PwC: Einführungsphase des Elektroautos ist abgeschlossen

PwC: Einführungsphase des Elektroautos ist abgeschlossen

Sebastian Henßler  —  

PwC sieht die Einführungsphase des Elektroautos als abgeschlossen an und hält es für möglich, dass in zwei Jahren jeder zweite Neuwagen elektrisch fährt.

Beim Autokauf wird die Marke zunehmend zur Nebensache

Beim Autokauf wird die Marke zunehmend zur Nebensache

Daniel Krenzer  —  

Beim Autokauf zählen Preis und Technik zunehmend mehr als die Marke. Eine Bain-Studie zeigt, warum davon auch chinesische Hersteller profitieren könnten.

Welche Automobilhersteller werden 2035 den Weltmarkt anführen?

Welche Automobilhersteller werden 2035 den Weltmarkt anführen?

Daniel Krenzer  —  

Chinesische Automobilhersteller könnten bis 2035 den Weltmarkt dominieren. Eine KPMG-Studie zeigt, wie sich die globale Rangordnung verändern dürfte.

ICCT: Lockerungen durch EU könnte 185.000 Arbeitsplätze kosten

ICCT: Lockerungen durch EU könnte 185.000 Arbeitsplätze kosten

Daniel Krenzer  —  

Laut ICCT könnte eine Lockerung der EU-CO₂-Vorgaben bis 2035 rund 185.000 Arbeitsplätze kosten. Besonders betroffen wäre die deutsche Automobilindustrie.

Kundenzufriedenheit: Xpeng bleibt bei E-Auto-Fahrern vorn

Kundenzufriedenheit: Xpeng bleibt bei E-Auto-Fahrern vorn

Daniel Krenzer  —  

Xpeng bleibt Spitzenreiter bei der E-Auto-Zufriedenheit 2026. Tesla holt auf, Škoda überrascht. Die Uscale-Studie zeigt Gewinner und Verlierer.

E-Auto-Akkus nach 55.000 Kilometern noch bei 95,5 Prozent

E-Auto-Akkus nach 55.000 Kilometern noch bei 95,5 Prozent

Daniel Krenzer  —  

Eine Ayvens-Auswertung zeigt: Gebrauchte E-Autos haben nach durchschnittlich 55.000 Kilometern noch 95,5 Prozent Batteriekapazität.