Warum der Slate Truck kaum noch ein Schnäppchen ist

Warum der Slate Truck kaum noch ein Schnäppchen ist
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Ein zweitüriger Elektro-Pick-up für umgerechnet rund 23.000 Euro: Mit diesem Angebot tritt das US-Start-up Slate Auto in einen Markt, in dem der durchschnittliche Neuwagenpreis bei etwa 43.500 Euro liegt. Für Käufer:innen, die auf ein günstiges Elektroauto ohne umfangreiche Zusatzausstattung setzen, könnte der sogenannte „Blank Slate“ damit eine seltene Option auf dem US-Markt darstellen. Das von Amazon-Gründer Jeff Bezos unterstützte Unternehmen aus Troy, Michigan, richtet sich gezielt an Heimwerker:innen, die hohe Preise und überladene Ausstattungslinien meiden wollen.

Um den ursprünglich geplanten Preis von umgerechnet unter 17.400 Euro zu erreichen, wurde der Slate konsequent abgespeckt: Es gibt ihn nur in einer einzigen Ausführung, ohne Lackierung, ohne Stereoanlage, ohne Infotainmentsystem, mit manuellen Fensterhebern, Hinterradantrieb und einer geschätzten Reichweite von rund 330 Kilometern (205 Meilen). Inzwischen ist die einstige Bundes-Steuergutschrift für Elektrofahrzeuge in Höhe von 6525 Euro entfallen, wodurch sich der Einstiegspreis auf rund 23.000 Euro erhöht hat. Die Crossover-Variante mit Ladeflächen-Kit ist ab rund 27.300 Euro erhältlich. Für den Service setzt Slate auf unabhängige Werkstätten statt auf ein eigenes Händlernetz.

Individualisierung soll über den Zubehörmarkt erfolgen: Vinylfolierungen sind ab 435 Euro erhältlich, eine Lautsprecheranlage kostet 348 Euro, eine Mittelkonsole 218 Euro. Musik und Navigation sollen Käufer:innen über das eigene Smartphone abwickeln. „Slate gibt Kunden die Freiheit, nur das zu kaufen, was sie heute brauchen, und ihr Fahrzeug anzupassen, wenn sich ihre Bedürfnisse ändern“, erklärte das Unternehmen im Juni. Die ersten Auslieferungen sind für Dezember geplant, Bestellungen erfordern inzwischen eine nicht rückerstattbare Anzahlung von 261 Euro.

Etablierte Konkurrenz bietet mehr für ähnliches Geld

Der zweitürige Zuschnitt gilt unter Marktbeobachter:innen als Hürde für breitere Verkaufserfolge. Der Ford Maverick startet im US-Markt bei umgerechnet rund 25.200 Euro, bietet vier Türen, eine Reichweite von 429 Meilen (690 km) sowie optional eine Hybridversion für 870 Euro Aufpreis. Mit 184 kW / 250 PS übertrifft der benzinbetriebene Maverick zudem die 134 kW / 181 PS des Slate deutlich. „Der Slate ist ein Zweitürer, und Zweitürer verkaufen sich nicht besonders gut“, sagte Sam Fiorani, Vizepräsident für globale Prognosen bei AutoForecast Solutions. „Sobald man ein paar Optionen hinzufügt, liegt der Preis schon auf dem Niveau eines Ford Maverick.“

Auch der Chevrolet Bolt ist mit rund 25.200 Euro und einer Reichweite von 262 Meilen (420 km) im ähnlichen Preissegment positioniert. Hinzu kommen benzinbetriebene Crossover-Modelle wie Toyota Corolla Cross, Subaru Crosstrek oder Honda HR-V, die ebenfalls unter 26.100 Euro liegen und teils mit Hybridantrieb erhältlich sind. Karl Brauer, leitender Analyst bei iSeeCars, verwies zudem auf ein grundsätzliches Risiko von Start-up-Marken: „Mein größtes Problem mit dem Slate ist, dass ich für denselben oder nur geringfügig höheren Preis ein echtes Auto von einem echten Autohersteller mit einem echten Händlernetzwerk bekommen kann, das mich unterstützt.“

Hohe Reservierungszahlen, offene Produktionsfrage

Nach Angaben von Slate-Geschäftsführer Peter Faricy gingen bislang 180.000 Reservierungen mit einer rückerstattbaren Anzahlung von 44 Euro ein. Das neue Werk in Warsaw, Indiana, soll eine Kapazität von 150.000 Fahrzeugen pro Jahr erreichen. Robby DeGraff, Manager für Produktanalysen bei AutoPacific, sieht im Slate Potenzial für eine bestimmte Zielgruppe: „Wenn man alleinstehend ist, einen Arbeitsweg von 50 Meilen (80 km) hat, nebenbei noch Freizeitaktivitäten nachgeht und das Fahrzeug jeden Abend aufladen kann, scheint das die perfekte Lösung zu sein.“

Quelle: Automobilwoche – Elektrischer US-Pick-up: Ist der Slate Truck doch kein Schnäppchen?

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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