Beim chinesischen MG-Mutterkonzern SAIC ist in einer Lizenzliste der Name einer Open-Source-Software aufgetaucht, die bereits als Sicherheitsrisiko eingestuft wurde. Dabei handelt es sich um die sogenannte „Teardroid“-Software, welche in der betreffenden Lizenzliste auf Seite 36 von 201 unter Punkt 1400 aufgetaucht sei, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Sie ist bereits bekannt dafür, auch als Trojaner agieren und unbemerkt Kontrolle über Geräte und Daten übernehmen zu können und wurde von Microsoft als Bedrohung für die IT-Sicherheit eingestuft.
Der Autohersteller MG gehört bereits seit circa 20 Jahren zum chinesischen Staatskonzern SAIC und verkauft seit 2021 auch in Deutschland Fahrzeuge. Von Januar bis Juni 2026 wurden rund 16.000 neue MGs für deutsche Straßen zugelassen, und der MG 4 war mit über 30.000 verkauften Exemplaren in Deutschland über Jahre hinweg das meistverkaufte Modell der Marke. Der „Teardroid“-Eintrag auf einer von SAIC selbst veröffentlichten Lizenzliste wirft nun einen Schatten über diese Erfolgsgeschichte und nährt Datenschutz- und Sicherheitsbedenken gegenüber chinesischen Autos auf deutschen Straßen.
Darum wurde die Liste überhaupt veröffentlicht
Hintergrund der Veröffentlichung der Liste ist die Klage des IT-Rechtlers Chan-jo Jun aus Würzburg, der selbst MG-4-Leasingfahrer ist und dem deutschen MG-Importeur vorwirft, dass SAIC in seinen Fahrzeugsystemen in großem Umfang Open-Source-Software nutze, ohne die damit verbundenen urheberrechtlichen Pflichten zu erfüllen. So seien weder die nötigen Lizenzvermerke veröffentlicht, noch der Systemcode bereitgestellt worden, wie es die Lizenzbedingungen ja eigentlich verlangen.
Der „Teardroid“-Eintrag war erst im Zuge dieses Rechtsstreits und den dafür bereitgestellten Lizenzlisten sichtbar geworden. Der Kläger Jun bleibt in seiner Einordnung zunächst noch vorsichtig: Man wisse bisher nicht, ob und in wie vielen der MG-Modelle die Software verbaut wurde und selbst wenn sie verbaut sei, liefere dies noch keinen klaren Beleg dafür, dass „Teardroid“ auch für Spionagezwecke genutzt wird. Denkbar wären schließlich auch andere Einsatzzwecke wie etwa eine darüber laufende Fernwartung. Weiterhin führt er aus: „Wir wissen nicht, ob Peking zum Beispiel jedes Telefonat im Auto mithört. Aber es scheint möglich.“
Wachsendes behördliches Misstrauen
Auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung wollte sich MG Deutschland unter Berufung auf den noch laufenden Rechtsstreit erst einmal nicht zu dem potenziell von „Teardroid“ ausgehenden Sicherheitsrisiko äußern, und versicherte lediglich, dass man das Thema sehr ernst nehme.
Dabei beschäftigen sich die Sicherheitsbehörden gleich mehrerer westlicher Staaten bereits mit dem Thema und das Misstrauen gegenüber Autos aus dem Land der Mitte wächst immer weiter. Mitarbeitende einer britischen Sicherheitsfirma wurden so beispielsweise bereits angewiesen, ihre Smartphones nicht mit chinesischen Autos zu koppeln, in Polen gibt es Verbote, mit China-Autos in sicherheitsrelevante Einrichtungen wie Kasernen zu fahren und auch in Deutschland zeigen sich Behörden zunehmend misstrauisch.
Berichten des NDR und WDR zufolge untersuchten die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich und der Verfassungsschutz bereits gemeinsam chinesische Fahrzeuge. Es bestehe demnach der Verdacht, dass Daten gesammelt werden und ins Ausland abfließen könnten. Zu möglichen Ergebnissen dieser Untersuchungen äußerte man sich jedoch noch nicht.
Was sind die Folgen für MG-Besitzer?
Anwalt Jun sieht neben dem potenziellen Spionagerisiko noch ein zweites relevantes Sicherheitsrisiko für deutsche MG-Eigentümer. Denn da die bereits geforderten Systemcodes nach wie vor nicht bereitgestellt wurden, seien Teile der Software-Lizenzen weiterhin nicht eingehalten. Dadurch könnten Fahrzeuge von MG in Zukunft unverkaufbar werden.
Schließlich würden die bisherigen Eigentümer im Falle eines Weiterverkaufs Klagen durch die Software-Urheber oder die Käufer riskieren. Daher sieht Jun den von ihm in München angestoßenen Prozess erst als Anfang einer möglicherweise noch deutlich größeren Klagewelle gegen den chinesischen Autobauer: „Die richtige Klagewelle wird erst losrollen, wenn unser Urteil da ist. Die ersten laufen sich schon warm“.
Eine Fortsetzung des Verfahrens zwischen Jun und dem MG-Importeur ist für den kommenden Oktober angesetzt. Und auch wenn bislang noch nichts bewiesen werden konnte, zeigt der Fall bereits wie schwer es ist, solche Sicherheitsbedenken bei modernen Fahrzeugen zu überprüfen. Zudem wird deutlich, wie stark das Misstrauen gegenüber chinesischen Autos bei westlichen Behörden wächst.
Quelle: Süddeutsche Zeitung – Mein Auto, ein Spion?







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