VDIK-Präsident Lohscheller „in Sorge“ um die deutsche Wirtschaft

VDIK-Präsident Lohscheller „in Sorge“ um die deutsche Wirtschaft
Copyright:

VDIK

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Seit Ende vergangener Woche ist der ehemalige Opel-Chef Michael Lohscheller als neuer Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) im Amt, welcher die Interessen von mehr als 40 Automarken aus verschiedenen Ländern vertritt. Lohscheller war bereits im Februar von einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einstimmig zum VDIK-Präsidenten gewählt worden. Er folgt auf Reinhard Zirpel, der sich nach acht Amtsjahren nicht mehr zur Wiederwahl gestellt hatte.

Zum Amtsantritt betonte Lohscheller im Rahmen des Berliner Abends des Verbandes die starke Position der internationalen Automobilhersteller in Deutschland. Gleichzeitig plädierte er für eine Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik: „Die internationalen Hersteller sind ein zentraler Bestandteil des Standorts Deutschland und verkaufen hierzulande jährlich mehr als eine Million Pkw und über 100.000 Nutzfahrzeuge. Wir sind in Sorge um die wirtschaftliche Stärke des Landes“, sagte Lohscheller.

Es sei „höchste Zeit, Unternehmen und Verbraucher spürbar zu entlasten, Bürokratie abzubauen und somit Wachstumsanreize zu setzen. Eine stagnierende Wirtschaft und sinkende Kaufkraft sind für den Verkauf von Autos nicht förderlich, egal ob deutsche oder internationale Fahrzeuge. Deutschland kann das besser“, so der neue VDIK-Präsident.

In seinem Grußwort betonte Oliver Luksic, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Verkehr, wie wichtig es sei, dass individuelle Mobilität in Deutschland bezahlbar bleibe. Die internationalen Automobilhersteller spielten dabei eine bedeutende Rolle.

„Es braucht eine große Offensive für die Elektromobilität“

Nachdem die EU-Kommission die Einführung von vorläufigen, zusätzlichen Einfuhrzöllen von bis zu 38,1 Prozent auf E-Autos aus China zum 4. Juli angekündigt hatte, ergänzte Luksic: „Der Fahrzeugimport ist kein immer einfaches Geschäft. Zur Wahrheit gehört, dass Zölle zu Gegen-Zöllen führen. Zudem sind internationale Hersteller wichtige Auftraggeber der deutschen Zulieferer. Die deutsche Wirtschaft würde von einem Handelskrieg nicht profitieren.“

Noch deutlicher wurde Lohscheller im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Focus: „So geht es nicht weiter. Es braucht gewaltige Anstrengungen, eine große Offensive für die Elektromobilität“, sagte er mit Blick auf die deutlich nachlassenden Zulassungszahlen von Elektroautos in Deutschland.Das ist wirklich dramatisch. Wir sollten das als Weckruf verstehen“, warnte er.

„Es kann und darf nicht sein, dass ausgerechnet emissionsfreie Mobilität nun noch kostspieliger wird“

Lohscheller reibt sich immer noch am plötzlichen Aus des Umweltbonus, der aus einer Unions-Klage vor dem Verfassungsgericht gegen die Umwidmung von Geldern in den Klima- und Transformationsfonds (KTF) resultierte. Es sei „eine ganz schlechte Entscheidung“ gewesen, so der VDIK-Präsident, „den Umweltbonus von einem Tag auf den anderen zu streichen. Der plötzliche Stopp der Förderung war extrem kontraproduktiv, genau das Signal in die falsche Richtung.“

Lohscheller nannte auch noch einige weitere Probleme, etwa die in Deutschland vergleichsweise hohen Strompreise: „In Frankreich zahle ich 23 Cent pro Kilowattstunde, in Deutschland 37. EU-Schnitt: 28 Cent. Für die Leute muss sich das rechnen.“ Außerdem empfindet Lohscheller das Ladenetz für E-Autos als „viel zu weitmaschig“ und generell leide Deutschland „unter zu viel Bürokratie“. Auch seinem Ärger gegenüber den Strafzöllen auf chinesische Elektroautos machte der VDIK-Präsident im Gespräch mit Focus Luft: „Es kann und darf nicht sein, dass ausgerechnet emissionsfreie Mobilität nun noch kostspieliger wird wegen solcher Handelshemmnisse.

Quelle: VDIK – Pressemitteilung vom 14.06.2024 / Focus – Auto-Präsident schlägt wegen deutscher E-Mobilität Alarm: „So geht es nicht weiter“

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

BMW-Chef Zipse: „Mich ärgert das fehlende Selbstbewusstsein in Deutschland“

BMW-Chef Zipse: „Mich ärgert das fehlende Selbstbewusstsein in Deutschland“

Michael Neißendorfer  —  

BMW-Chef Zipse findet: Deutschland müsse aufhören mit dem Jammern und Klagen – das Land stehe viel besser da, als viele sagen.

Hohe Spritpreise: Mit E-Autos raus aus der fossilen Abhängigkeit

Hohe Spritpreise: Mit E-Autos raus aus der fossilen Abhängigkeit

Michael Neißendorfer  —  

Die Spritpreise haben angesichts des Irankriegs zum ersten Mal seit Jahren wieder die Schwelle von 2 Euro übersprungen. Autofahren ginge auch günstiger.

CATL und Rio Tinto prüfen Elektrifizierung im Bergbau

CATL und Rio Tinto prüfen Elektrifizierung im Bergbau

Sebastian Henßler  —  

Rio Tinto und CATL planen eine strategische Partnerschaft für E-Fahrzeuge im Bergbau. Ziel sind weniger CO₂-Emissionen und das Recycling von Batterierohstoffen.

„Enorme Unsicherheit“ beim Geschäftsklima der Autoindustrie

„Enorme Unsicherheit“ beim Geschäftsklima der Autoindustrie

Michael Neißendorfer  —  

Kommt nun wieder ein Aufschwung für die Autoindustrie? Die Vorzeichen stehen gut – wäre da nicht der Krieg in Iran.

China und Europa: Vom Invasions-Mythos zur Integrationslogik

China und Europa: Vom Invasions-Mythos zur Integrationslogik

Sebastian Henßler  —  

Die Debatte über eine „China-Invasion“ auf Europa greift zu kurz. Der Wettbewerb findet im selben System statt – über Restwerte, Finanzierung und Service.

Auf dem Weg zur Elektromobilität bremst vor allem die Verunsicherung

Auf dem Weg zur Elektromobilität bremst vor allem die Verunsicherung

Michael Neißendorfer  —  

Die Elektromobilität steht weniger vor einer technischen als vor einer kommunikativen Herausforderung. Sie hat großes Potenzial – aber auch viele Bremser.

„Made in EU“-Pläne stellen europäische Autobauer vor schwierige Fragen

„Made in EU“-Pläne stellen europäische Autobauer vor schwierige Fragen

Tobias Stahl  —  

Die EU-Kommission plant, Subventionen für Autobauer an Mindestquoten für europäische Komponenten zu koppeln. EU-Länder bewerten das Vorhaben unterschiedlich.