Um die Abhängigkeit von Rohstoffimporten und die Gefahr von Lieferengpässen zu reduzieren, will US-Präsident Donald Trump die Rohstoffförderung in den USA stärken. Im Rahmen des „Project Vault“ will die US-Regierung beispielsweise eigene Mineralienvorräte aufbauen. Diese Vorräte könnten alle Arten von Mineralien umfassen, die vom U.S. Geological Survey als „kritisch“ eingestuft werden – aktuell sind das mehr als 50 unterschiedliche Mineralien, darunter Seltene Erden und der Batterierohstoff Lithium.
Eine neue Studie der Northwestern University kommt nun zu dem Ergebnis, dass die USA möglicherweise nicht über genügend Wasser verfügen, um ihre Lithiumambitionen in die Tat umzusetzen. Die Forschenden stellen in der Studie fest, dass die meisten geplanten Lithiumminen in den USA – von denen viele in Gebieten liegen, die ohnehin bereits trocken sind – mit erheblicher Wasserknappheit konfrontiert werden könnten. Der Mangel an Grundwasserreserven könnte sich aufgrund des Klimawandels noch weiter verschärfen, zumal auch landwirtschaftliche Betriebe, Haushalte, Industrie und Stromerzeuger um die Wasserreserven konkurrieren.
Die USA werden ohnehin kaum auf Rohstoffimporte verzichten können
Die Lithiumgewinnung gilt als wasserintensiv. Bei einigen der heute gängigen Abbaumethoden pumpt man lithiumreiche Sole aus dem Untergrund und lässt das Wasser verdunsten, sodass Lithium übrig bleibt. Dadurch kann das Grundwasserniveau in der Umgebung sinken. Bei anderen Methoden wird lithiumhaltiges Gestein zerkleinert, anschließend werden große Mengen Wasser genutzt, um das enthaltene Erz aufzubereiten, Materialien zu waschen und Geräte zu kühlen.
„Das bei der Aufbereitung in Hartgesteins-Lithiumminen verwendete Wasser kann mit Giftstoffen wie Arsen verunreinigt werden“, erklärt Jennifer Dunn von der Northwestern University, die die Studie leitete. „Wenn wir es so weit reinigen wollten, dass es wieder in einen Fluss oder See geleitet werden könnte, würde das viel Geld und Energie kosten und Treibhausgase ausstoßen. Daher rechnen wir dieses Wasser als verbraucht, da wir es ohne aufwendige Aufbereitung nicht zurückgewinnen können.“
Auch wenn es die Grundwasserproblematik nicht gäbe, könnten die USA nicht auf Lithiumimporte verzichten, mahnen die Forschenden: „Selbst wenn alle geplanten Minen in Betrieb gingen, verfügen die USA nicht über genügend Lithium, um den nationalen Bedarf zu decken, unabhängig von allen Variablen, die wir in unserer Analyse berücksichtigt haben“, so Studienleiterin Dunn. „Wir werden wahrscheinlich weiterhin auf ausländische Partner angewiesen sein, um unsere Lithiumversorgung zu ergänzen.“ Dunn ist Expertin für die Umweltauswirkungen neuer Technologien und Professorin für Chemie- und Bioingenieurwesen an der McCormick School of Engineering der Northwestern University und Direktorin des Center for Engineering Sustainability and Resilience. Jenna Trost, Doktorandin in Dunns Labor an der Northwestern University, ist Erstautorin der Arbeit.
Landwirtschaft, Haushalte und Energieversorger konkurrieren schon jetzt um die Wasservorräte
Im Rahmen der Studie untersuchten Dunn und ihr Team, ob US-amerikanische Teilbecken – also kleine Wassereinzugsgebiete – den Abbau von Lithium ermöglichen könnten. Dazu kombinierten die Forschenden fünf globale Klimamodelle mit vier sozioökonomischen Szenarien, einem hydrologischen Modell und dem für den Abbau prognostizierten Wasserbedarf. Jedes der Klimamodelle simuliert, wie das Erdklima auf den Ausstoß von Treibhausgasen reagieren könnte. Die Forscher wählten bewusst Modelle aus, die unterschiedliche klimatische Zukunftsszenarien darstellen, darunter feuchtere, trockenere, heißere und gemäßigtere Szenarien.
Auf Basis dieser Modelle prognostizierten die Experten die Wasserverfügbarkeit und den Wasserbedarf für den Zeitraum zwischen 2040 und 2060 für eine aktive Lithiummine im Südwesten Nevadas und 22 weitere geplante Lithiumprojekte in den USA. In jedem Szenario hatten die meisten westlichen Teilbecken bereits Schwierigkeiten damit, den bestehenden Wasserbedarf zu decken, geschweige denn zusätzlichen Lithiumabbau zu unterstützen.
Die gravierendsten Engpässe traten in der Region um den Salton Sea in Südkalifornien sowie in Teilen Nevadas auf, wo mehrere geplante Minen um die begrenzten Wasservorräte konkurrieren würden. Obwohl Landwirtschaft und Haushalte der Studie zufolge wohl mehr Wasser verbrauchen werden als der Lithiumabbau, würde der Abbau dennoch erheblichen Druck auf die ohnehin schon belasteten Regionen ausüben.
„Die USA werden in Zukunft einige schwierige Entscheidungen treffen müssen.“
„Die Lithiumbergbauindustrie versucht, in eine Region vorzudringen, die bereits unter Wasserknappheit leidet“, so Dunn. „Damit diese Industrie Fuß fassen kann, sind weitaus mehr technische Lösungen zur Verbesserung der Wassereffizienz und eines besseren Wassermanagements erforderlich.“
Die Ergebnisse der Studie unterstreichen laut Dunn die Notwendigkeit wassersparenderer Fördertechnologien, einer strategischeren Standortwahl für neue Lithiumminen und einer Stärkung der Lithium-Kreislaufwirtschaft.
„Derzeit ist Lithium ein wesentlicher Bestandteil von Energiespeichertechnologien, daher ist es schwer zu ersetzen“, so Dunn weiter. „Es spielt bei so vielen verschiedenen Dekarbonisierungstechnologien eine Rolle. Wenn wir die Ziele der Energiewende und der Energiesicherheit erreichen wollen, dann brauchen wir Lithium. Aber wir stoßen auf einen grundlegenden Widerspruch. Wir brauchen diese Mineralien, um den Klimawandel zu bekämpfen, aber der Klimawandel könnte es erschweren, diese Mineralien zu gewinnen. Die USA werden in Zukunft einige schwierige Entscheidungen treffen müssen.“
Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlicht.
Quellen: Northwestern University – Pressemitteilung vom 28.06.2026 / CNBC – Trump Project Vault stockpile will include any minerals listed as ‘critical’ by Interior Department








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