Ukraine: Elektroautos boomen seit Kriegsbeginn

Ukraine: Elektroautos boomen seit Kriegsbeginn
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AS photo family / Shutterstock / 2222029539 – Eine Ladestation in Lwiw, Ukraine

Laura Horst
Laura Horst
  —  Lesedauer 3 min

In der Ukraine hat sich seit dem Kriegsbeginn im Frühjahr 2022 die Anzahl der batterieelektrischen Autos verfünffacht. Hohe Spritpreise und zeitweise auch Spritmangel haben Elektroautos in dem flächenmäßig größten europäischen Staat zu Attraktivität verholfen. Dabei scheinen die Ukrainer im Vergleich zu deutschen Autofahrern ebenso wenig Angst vor zu wenig Reichweite wie vor gebrauchten Elektroautos zu haben.

Im Jahr 2022, als Russland die Ukraine angriff, waren in der Ukraine laut der Umweltorganisation Transport and Environment (T&E) noch 48.400 Elektroautos zugelassen, während es 2025 mehr als 252.000 E-Autos waren. Das entspricht bei insgesamt etwa 7,5 Millionen zugelassenen Pkw einem Anteil von ca. 3,4 Prozent und damit ungefähr dem gegenwärtigen E-Anteil in Deutschland. Jedoch sind hierzulande das Bruttoinlandsprodukt und die Wirtschaftsleistung viel höher als in der vom Krieg gezeichneten Ukraine, wo es zudem immer wieder zu Angriffen auf die Energieversorgung kommt.

Spritmangel und hohe Preise

Zur Verbreitung von Elektroautos dürften vor allem die hohen Benzin- und Dieselpreise beigetragen haben. Vielerorts gab es zu Kriegsbeginn zudem einen Spritmangel, der sich inzwischen wieder stabilisiert hat, auch wenn Raffinerien, Treibstofflager und Infrastruktur weiterhin Ziele des russischen Militärs bleiben.

Laut der T&E-Studie konnte die Ukraine durch den Elektroauto-Boom ihre Abhängigkeit von teuren Importen verringern, denn mehr als 85 Prozent des ukrainischen Diesel- und Benzinverbrauchs stammen aus dem Ausland. Laut der Studie haben die ukrainischen Elektroauto-Besitzer insgesamt etwa 1,4 Milliarden Euro an Kraftstoffkosten eingespart, was dem Import von vier Millionen Barrel Öl entspricht. Zudem hätte das Land 1,5 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen eingespart.

Steuerliche Anreize als Beschleuniger

Die Ukraine habe den Elektroauto-Zuwachs zunächst auch durch steuerliche Anreize beflügelt, erklärte Olksandr Grechko, Co-Leiter der Organisation Passengers of Kyiv, gegenüber „Die Zeit“. Die Mehrwertsteuerbefreiung sei zwar seit diesem Jahr abgeschafft, jedoch sei der Kauf eines Elektroautos durch den geringen Vorzugszoll weiterhin deutlich günstiger als der Kauf eines Autos mit Verbrennungsmotors.

Neben den steuerlichen Vergünstigungen macht der günstige Ladestrom Elektroautos zusätzlich attraktiv. „Es ist ein starker Kaufanreiz, dass es zehnmal weniger kostet, einen Kilometer an einer Haushaltssteckdose aufzuladen, statt einen Kilometer mit Benzin zu fahren“, sagte der Autoblogger Oleksiy Bodnia. Insbesondere in Kombination mit einer eigenen Solaranlage könne man in der Kriegszeit autonom bleiben.

Großteil der Elektroautos sind Gebrauchtwagen

Bodnia verwies auch auf Technologien wie Vehicle-to-Load, Vehicle-to-Home oder Vehicle-to-Grid, bei denen die Elektroautos ihren Strom an Endgeräte, Wohnhäuser oder das öffentliche Netz abgeben. Diese Technologien seien vor allem während der schwersten Blackouts in der Ukraine beliebt gewesen.

Während Elektroautofahrer hierzulande sich skeptisch gegenüber gebrauchten E-Autos zeigen, sind in der Ukraine etwa 79 Prozent der neu zugelassenen Elektroautos importierte Gebrauchtwagen, wie aus der T&E-Studie hervorgeht. Die beliebtesten Modelle sind demnach der Nissan Leaf, die Tesla-Modelle 3, Y und S, sowie der Volkswagen ID.4 und der Renault Zoe.

Quelle: Die Zeit – Autark durch den Krieg

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