Wer den Ferrari Luce kauft, soll schneller einen Verbrenner bekommen

Wer den Ferrari Luce kauft, soll schneller einen Verbrenner bekommen
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Ferrari

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Der italienische Luxus-Sportwagenhersteller Ferrari will dem Absatz seines ersten Elektroautos offenbar zusätzlichen Schwung verleihen, allerdings mit fragwürdigen Methoden. Laut eines Berichts von Bloomberg sollen Kunden, die den neuen Ferrari Luce bestellen, bei der Vergabe begehrter Verbrenner- und Hybridmodelle bessere Karten haben. Offiziell weist Ferrari einen direkten Zusammenhang zwar zurück. Händler und Kunden berichten jedoch, dass der Kauf des vollelektrischen Modells die Chancen auf seltene Fahrzeuge und begehrte Zuteilungen erhöhen könne.

Damit setzt der italienische Sportwagenhersteller offenbar auf einen zusätzlichen Anreiz für Kunden, die dem ersten Elektro-Ferrari bislang noch skeptisch gegenüberstehen. Kritiker sehen darin allerdings auch ein Signal dafür, dass sich der Luce deutlich schwerer verkauft als klassische Ferrari-Modelle mit Verbrennungsmotor.

Ferrari pflegt seit Jahrzehnten ein exklusives Vertriebssystem. Besonders begehrte Modelle werden häufig nur ausgewählten Stammkunden angeboten. Wer limitierte Sondermodelle erwerben möchte, muss oftmals zunächst mehrere andere Fahrzeuge der Marke gekauft haben. Für viele Ferrari-Kunden gehört dieses Prinzip längst zum Geschäftsmodell der Italiener.

Teuerste Sammelmarke der Welt?

Genau hier scheint nun auch der Ferrari Luce ins Spiel zu kommen. Laut Bloomberg betrachten zahlreiche Händler und Kunden den Kauf des Elektroautos als Möglichkeit, die eigene Position innerhalb der Ferrari-Hierarchie zu stärken. Wer den Luce bestellt, könnte demnach bei künftigen Fahrzeugzuteilungen bevorzugt behandelt werden.

Das wirft Fragen auf. Schließlich sollte ein Fahrzeug, das voraussichtlich deutlich mehr als eine halbe Million Euro kosten wird, eigentlich aus eigener Kraft genügend Interessenten finden. Wenn ein Teil der Nachfrage stattdessen durch die Aussicht auf spätere Verbrenner-Modelle entsteht, spricht das nicht unbedingt für die Begehrlichkeit des Elektroautos selbst.

Der Luce markiert einen historischen Schritt für Ferrari. Er ist das erste vollelektrische Serienmodell des Sportwagenherstellers und wurde gemeinsam mit dem Designstudio LoveFrom des ehemaligen Apple-Chefdesigners Jony Ive entwickelt. Das Fahrzeug soll mehr als 1000 PS leisten und rund 530 Kilometer Reichweite ermöglichen.

Viel Kritik und Spott

Bereits die Vorstellung des Modells löste jedoch kontroverse Reaktionen aus. Vor allem das ungewöhnliche Design mit fünf Türen und einem deutlich höheren Aufbau als bei klassischen Ferrari-Sportwagen stieß bei vielen Fans der italienischen Luxusmarke auf Skepsis. Auch unter Sammlern und langjährigen Kunden wird das Fahrzeug bis heute kontrovers bis abfällig diskutiert.

Viele Käufer in diesem Segment verbinden den Fahrzeugkauf nach wie vor stark mit Emotionen, Klang und Tradition. Genau dort treffen Elektroautos auf größere Vorbehalte als etwa im Volumenmarkt. Vor diesem Hintergrund erscheint die nun diskutierte Strategie nachvollziehbar, aber auch problematisch. Wenn Kunden ein Elektroauto vor allem deshalb kaufen, um schneller an einen begehrten Verbrenner zu gelangen, wird die Elektrifizierung letztlich zum Mittel zum Zweck. Das eigentliche Produkt rückt dabei in den Hintergrund.

Für Ferrari mag dies kurzfristig helfen, den Absatz des Luce anzukurbeln. Doch was ist das für ein Zeichen, wenn ein derart teures Elektroauto am Ende zu einer Sammelmarke für Ultrareiche verkommt, damit diese künftig noch dekadenter Emissionen ausstoßen können?

Quelle: Bloomberg – Ferrari Nudges Clients to Buy Divisive EV to Move Up Wait Lists

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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