Steigende Spritpreise und eine wachsende Sensibilität für Energiekosten treiben die Nachfrage nach günstigen gebrauchten Elektroautos in Deutschland spürbar an. Das zeigt sich an einem ungewöhnlichen Marktphänomen: Der Händlerbestand gebrauchter Elektroautos unter 25.000 Euro ist zwischen Anfang Februar und Anfang Juni 2026 um 49 Prozent eingebrochen, von rund 23.800 auf rund 12.200 Fahrzeuge. Das ergibt eine aktuelle Auswertung des Gebrauchtwagenportals AutoUncle. Das teurere Segment ab 25.000 Euro blieb im Jahresvergleich dagegen nahezu unverändert, mit rund 39.900 Angeboten Anfang Juni.
Der Hintergrund: Kraftstoffpreise von mehr als zwei Euro pro Liter haben das Kostenargument pro Elektroauto zuletzt deutlich verschärft. Laut einer Studie des Kreditversicherers Allianz Trade geben Haushalte in Deutschland inzwischen sieben bis acht Prozent ihres verfügbaren Einkommens allein für die Autonutzung aus. Gerade für einkommensschwächere Gruppen sind günstige gebrauchte Elektroautos damit ein besonders naheliegener Ausweg aus der fossilen Kostenfalle. Dass sich dieser Druck auf den Gebrauchtwagenmarkt überträgt, deuten die AutoUncle-Daten klar an.
Günstiger Einstieg unter 20.000 Euro wird seltener
Noch deutlicher fällt der Rückgang in den untersten Preisbereichen aus. Bei Fahrzeugen unter 20.000 Euro sank der Händlerbestand im Jahresvergleich um 45 Prozent, von rund 13.800 auf rund 7600 Fahrzeuge. Im Segment unter 10.000 Euro war der Einbruch noch stärker: Hier standen Anfang Juni nur noch rund 500 Fahrzeuge bei Händlern, gegenüber rund 1600 im Vorjahr, ein Rückgang von 67 Prozent.
Der Rückgang betrifft nicht ein einzelnes Modell, sondern verteilt sich breit über bekannte Volumenmodelle unterhalb von 25.000 Euro. Zwischen Februar und Juni verzeichnete der Mini Cooper SE mit minus 74 Prozent den stärksten Bestandsrückgang, gefolgt vom VW e-up! mit minus 71 Prozent und dem Opel Mokka-e mit minus 67 Prozent. Auch der Peugeot e-208 (minus 66 Prozent), der Renault Zoe (minus 57 Prozent) und der Opel Corsa-e (minus 55 Prozent) verloren erheblich an Bestand. VW ID.3 und Dacia Spring verzeichneten Rückgänge von 48 beziehungsweise 45 Prozent.

Ein weiteres Signal liefern die Standzeiten. Gebrauchte Elektroautos unter 10.000 Euro standen im vergangenen Mai im Median nur 17 Tage beim Händler, kürzer als jedes andere Segment im deutschen Gebrauchtwagenmarkt. Die Fahrzeuge verschwinden also nicht etwa, weil sie unattraktiv wären, sondern weil sie offenbar sehr schnell Käufer:innen finden. Für Händler:innen bedeutet das: Günstige gebrauchte Elektroautos gehören derzeit zu den am schnellsten drehenden Fahrzeugen am Markt. Für Kaufinteressierte bedeutet es kürzere Entscheidungsfenster und weniger Auswahl.
Die Marktdynamik, wie sie Mads Norgaard, Marktanalyst von AutoUncle, einordnet, deutet auf eine wachsende Spaltung hin: Gebrauchte Elektroautos im mittleren und oberen Preissegment sind weiterhin gut verfügbar. Im günstigen Einstiegssegment hingegen trifft eine anziehende Nachfrage auf ein schrumpfendes Angebot.
Neue Kaufprämie erfasst Gebrauchtwagen nicht
Seit dem 19. Mai ist die neue Bundesförderung für Elektroautos aktiv. Sie unterstützt den Kauf neuer Elektroautos und Plug-in-Hybride mit Beträgen zwischen 1500 und 6000 Euro und richtet sich an Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen unter 80.000 Euro. Gebrauchte Elektroautos sind jedoch ausdrücklich ausgeschlossen. Eine mögliche Ausweitung auf den Gebrauchtwagenmarkt ist frühestens für 2027 geplant.
Aus den AutoUncle-Daten lässt sich nicht abschließend ableiten, welche Faktoren den Rückgang ausgelöst haben. Der Einbruch setzte bereits vor dem Start der Kaufprämie ein.
Quelle: AutoUncle – Deutschlands günstige gebrauchte Elektroautos verschwinden vom Markt









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