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Eigentlich war Basel für uns nur eine Zwischenstation. Den Anlass gab das Fahrevent zum Xpeng L03, doch wir sind zwei Tage früher angereist, weil eine Stadt sich schlecht kennenlernen lässt, wenn man sie nur zwischen Präsentation und Probefahrt erlebt. Gewohnt haben wir Anfang Oktober im Teufelhof Basel, einem Haus, das sich selbst als Gast- und Kulturhaus versteht und Hotellerie, Gastronomie, Theater und bildende Kunst unter einem Dach zusammenführt. Hinzu kommt ein Anspruch, den viele Hotels formulieren, aber nur wenige von außen prüfen lassen: Nachhaltigkeit soll hier nicht im Leitbild stehen bleiben, sondern im Alltag sichtbar werden. Ob das gelingt, zeigt sich weniger in Broschüren als in den kleinen Dingen eines Aufenthalts.
Die Anreise aus der Region Heidelberg erledigte der Polestar 3 Long Range Dual Motor Performance, dem ein eigener Bericht folgt. Rund 255 Kilometer sind es über die A5, vorbei an Karlsruhe, Offenburg und Freiburg, eine Distanz, die das Auto ohne Zwischenstopp geschafft hätte. Wir wollten aber ohnehin unterwegs frühstücken und haben die Pause nach etwa zwei Dritteln der Strecke mit einem Ladestopp bei Ionity verbunden. Am Ende hatte der Polestar schneller seine 80 Prozent erreicht, als wir unsere Brötchen gegessen hatten. Also hieß es abstöpseln und umparken, damit andere mit leerem Akku an die Säule konnten, bevor wir uns wieder an Kaffee und Tee setzten. Eine Szene, die zeigt, wie sehr sich Langstrecke mit dem E-Auto inzwischen verschoben hat: Nicht mehr das Laden bestimmt die Pause, sondern die Pause das Laden.
Zwei Dinge sollten vor der Grenze erledigt sein. Die Autobahnvignette für die Schweiz lässt sich digital kaufen, allerdings gehört sie ausschließlich über den offiziellen Weg bezogen, da im Netz Scam-Seiten genau auf diesen Kauf setzen. Ebenso lohnt ein Reiseadapter im Gepäck, denn Schweizer Steckdosen verlangen eigene Stecker. Die Rezeption des Teufelhofs verleiht zwar kostenfrei Adapter und Ladegeräte, wer seinen eigenen dabeihat, muss aber nicht erst danach fragen.

In der Basler Innenstadt angekommen, beginnt dann eine kleine Logistikübung. Vor dem Hotel am Leonhardsgraben lässt sich das Gepäck ausladen, allerdings in der Regel mit zwei Rädern auf dem Gehweg, denn wer sich der Straßenbahn in den Weg stellt, kann dieses Duell nur verlieren. Das hoteleigene Parkhaus liegt ein Stück zu Fuß entfernt, die Koffer bleiben deshalb besser gleich an der Rezeption. Mit einem eigenen Schlüssel geht es in eine Einfahrt, die für ein Auto von der Größe des Polestar 3 durchaus Aufmerksamkeit verlangt, und auch die Stellplätze selbst sind knapp bemessen. Dass der Platz neben uns zwei Tage lang frei blieb, hat das Rangieren deutlich entspannter gemacht.


In Basel übernimmt die Tram
Der Parkplatz war in unserem Aufenthalt inbegriffen, eine Lademöglichkeit gibt es dort jedoch nicht. Wer mit knappem Akku in Basel ankommt, muss also unterwegs oder in der Stadt nachladen. Das ist insofern bemerkenswert, als der Kanton genau diesen Punkt seit einiger Zeit fördert: Für Ladeinfrastruktur in Parkhäusern und Parkierungsanlagen gibt es eigene Förderbeiträge. Für uns spielte es keine Rolle, denn wir kamen mit ausreichend Reichweite an und mussten das Auto bis zur Abreise nicht mehr bewegen.

Den Grund dafür hielten wir beim Check-in in der Hand. Mit der BaselCard sind Bus, Tram und Bahn während des gesamten Aufenthalts kostenlos, dazu kommen das Gäste-WLAN und fünfzig Prozent Rabatt auf den Eintritt in Museen, Zoo und das Theater Basel. Weil die Tram direkt vor der Haustür hält, ließen wir sogar die E-Bikes von EGO Movement und den Smart EQ stehen, die das Hotel seinen Gäst:innen kostenlos anbietet. Mit der Tram waren wir schlicht flexibler, mit ein wenig mehr Zeit wären die Räder aber durchaus eine Option gewesen.

Eigentlich hätten wir die Stadt gerne bei einer klassischen Stadtrundfahrt kennengelernt, doch die fährt nur von Mittwoch bis Sonntag. Für den Sonntag waren wir zu spät, am Montag gab es keine Fahrt, also haben wir Basel zu Fuß erkundet, was sich vom Teufelhof aus geradezu anbietet. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt der Barfüsserplatz, von den Basler:innen “Barfi” genannt, an dem sich acht Tramlinien kreuzen und von dem aus sich fast jede Ecke der Stadt erreichen lässt. Das Münster und das rote Rathaus lagen in Laufweite, zur Markthalle und hinunter an den Rhein ging es mit der Tram. Am Ufer entlang führte unser Spaziergang schließlich über die Mittlere Brücke auf die andere Seite des Flusses. Basel präsentierte sich dabei sauber und aufgeräumt, mit einer Altstadt, die sich in ihrer Geschlossenheit auch in Heidelberg wiederfinden könnte.

Ein Blick auf den Verkehr zeigte, wie weit die Stadt bei der Elektrifizierung bereits ist. Elektrische Busse und Taxis gehören sichtbar zum Straßenbild, öffentliche Ladesäulen sind uns dagegen kaum aufgefallen, wobei wir zugegebenermaßen auch nicht gezielt danach Ausschau gehalten haben. Der Kanton arbeitet daran seit Jahren und wurde dafür bereits 2018 mit dem “Goldenen Stecker” ausgezeichnet. Seit Juli 2021 gibt das Gesamtkonzept Elektromobilität den Rahmen vor, bis Ende 2026 sollen gemeinsam mit dem Versorger IWB 200 öffentliche Ladestationen mit je zwei Ladepunkten entstehen, als Quartierlader wie als Schnelllader. Die Basler Verkehrs-Betriebe wollen ihre Busflotte bis 2027 vollständig auf Batteriebetrieb umstellen. Dass das Ziel “Netto Null 2037” damit allein nicht erreicht wird, räumt der Kanton selbst ein: Eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2024 kommt zu dem Schluss, dass für mehr emissionsfreie Autos weitere Maßnahmen nötig sind.
Zwei Nächte im Inneren eines Kunstwerks
Zurück im Teufelhof lohnt es sich, das Gebäude selbst etwas genauer zu betrachten. Es ist in die historischen Basler Stadtmauern aus dem 11. und 13. Jahrhundert eingebettet, im Keller führt ein archäologischer Rundgang zwischen zwei mittelalterlichen Mauern hindurch. Im moderneren Galeriehotel wechseln thematische Ausstellungen, im historischen Kunsthotel dagegen sind acht Zimmer und eine Suite selbst als Kunstwerke gestaltet. Nach eigener Darstellung war der Teufelhof das erste Hotel dieser Art. Die Überlegung dahinter leuchtet ein: Im Museum hat man nur begrenzt Zeit vor einem Werk und teilt den Raum mit anderen, im Hotelzimmer fällt beides weg. Man betrachtet die Kunst nicht, man wohnt in ihr.

Die Zimmer werden in unregelmäßigen Abständen neu gestaltet. Für die aktuelle Reihe “Crossing Definitions” hat Kurator Jean-Claude Freymond-Guth sieben international bekannte Kunstschaffende unterschiedlicher Generationen eingeladen. Unser Kunstzimmer 5 stammt von den Schwestern Claudia und Julia Müller, die eine Handzeichnung auf eine großformatige Tapete übertragen haben. Figürliche Szenen gehen darin in Ornamente und Fragmente über, gemeinsam mit einer bemalten Lampe erzählt der Raum von Nähe und Distanz, von Übergängen und vom Zusammenleben. Die beiden zeichnen vorhandene Bilder von Hand nach und wollen so den Blick verlangsamen, in einer Zeit, in der Fotos im Sekundentakt vorbeiziehen. Genau das passiert beim Betreten: Obwohl es nur ein einziges Werk ist, gibt es auf den ersten Blick erstaunlich viel zu entdecken, während der Rest des Zimmers bewusst zurückhaltend bleibt.



Der Weg nach oben verlangt allerdings etwas Einsatz. Aufgrund des Denkmalschutzes erreicht man die Kunstzimmer nur über Treppen, was für Gäst:innen, die nicht gut zu Fuß sind, eine echte Hürde sein kann, auch wenn das Personal anbot, die Koffer zu tragen. Oben angekommen, erwarten einen 19 Quadratmeter mit zwei Einzelbetten, die auf Wunsch zusammengestellt werden, ein Schrank mit ausreichend Platz, eine kostenpflichtige Minibar sowie eine Kaffee- und Teemaschine, die kostenlos genutzt werden darf.



Das Bad ist minimalistisch gehalten und erfüllt seinen Zweck. In Erinnerung bleibt aber vor allem das einzige Fenster, das den weiten Blick über die Dächer der Innenstadt freigibt, morgens wie spätabends. Weil das Zimmer so weit oben liegt, war es zudem angenehm ruhig, was den Aufenthalt schlussendlich ausgemacht hat.
Wo Basler Wirtshausgeschichte auf Brasserieküche trifft
Unser erster Abend führte uns aus dem Haus, weil das Hotelrestaurant wegen einer Veranstaltung für die Mitarbeitenden geschlossen hatte. In der Innenstadt landeten wir im Gifthüttli, dessen Name auf einen Streit zurückgeht, der Basel vor etwa 120 Jahren beschäftigte. Damals schenkten die traditionellen Wirtschaften nur Wein aus, bis Innocenz Weiss, Wirt des Gasthauses “zum Ritter St. Georg” an der Schneidergasse, auch Bier auf die Karte nahm. Die “Basler Nachrichten” spotteten, Bier, das nicht beim Brauer selbst getrunken werde, sei “Gift”. Weiss nahm es mit Humor und benannte sein Lokal kurzerhand um.
Das Restaurant ist entsprechend beliebt, wir fanden nur draußen einen Platz. Das klassische Cordon bleu vom regionalen Kalb in Jenzer-Natura-Qualität, gefüllt mit Vorderschinken und Käse, ist eine klare Empfehlung. Die namensgebende Hausvariante mit Chorizo, Mozzarella und Kräutern klingt dagegen spannender, als sie am Ende schmeckt.

Am zweiten Abend blieben wir im Haus und aßen im Atelier, der Brasserie des Teufelhofs, deren Küche auf hausgemachte Gerichte aus regionalen Produkten setzt. Schon bei der Bestellung nahm sich das Personal Zeit, fragte nach Allergien und gab Empfehlungen, sodass wir uns von Beginn an gut aufgehoben fühlten.


Auf den Tisch kamen eine Pouletroulade mit Tomatenbulgur und Dörrtomaten-Olivenchutney sowie eine Peperonisuppe mit sardischem Brot und Parmaschinken, danach ein Gersotto mit Artischocke und Pfifferlingen und Zitronenravioli mit Salsicciaragout, Cherrytomaten und Kapern. Dazu gab es Wasser und einen alkoholfreien Hugo. Wer abends im Atelier essen möchte, sollte reservieren, denn die Tische füllen sich schnell. Mittags bietet die Küche einen Mittagstisch mit Salat für 28 Franken an, umgerechnet rund 30 Euro.


Am Morgen wird das Atelier zum Frühstücksraum. Das Buffet, das in unserem Zimmerpreis enthalten war, fällt eher überschaubar aus, überzeugt dafür mit Qualität. Eierspeisen und Kaffeespezialitäten bestellt man direkt beim Personal, und wer nicht in der Schlange um den letzten freien Tisch stehen möchte, kommt besser früh.
Nachhaltigkeit, die man nachprüfen kann
Nachhaltigkeit ist in der Hotellerie schnell behauptet. Der Teufelhof geht einen Schritt weiter und lässt sich jedes Jahr vom unabhängigen Label ibex fairstay prüfen, gemeinsam mit dem benachbarten SET Hotel.Residence hat das Haus dort die Stufe “platinum” erhalten. Bewertet werden nicht nur ökologische Kriterien, sondern ebenso Management, Regionalität, soziale Balance sowie Finanzen und Performance. Dazu kommen die Teilnahme am Programm Swisstainable des Schweizer Tourismus auf Level III und die Mitgliedschaft bei den Responsible Hotels of Switzerland.

Spannender als die Siegel ist allerdings, wo sich dieser Anspruch während eines Aufenthalts tatsächlich bemerkbar macht. Die kostenlosen E-Bikes und der elektrische Smart zählt das Hotel ausdrücklich zu seinen Nachhaltigkeitsmaßnahmen, und die BaselCard sorgt ohnehin dafür, dass das eigene Auto stehen bleiben kann. Im Zimmer stehen zwei Flaschen Teufelhof-Wasser, die kostenlos sind und sich mit Basler Leitungswasser auffüllen lassen. Dahinter steht eine Partnerschaft mit der Organisation Wasser für Wasser, die das Hotel finanziell unterstützt und die in Mosambik, Sambia und der Schweiz an Wasser- und Sanitärversorgung arbeitet. Bei längeren Aufenthalten wird die Bettwäsche aus ökologischen Gründen nicht täglich gewechselt, und per QR-Code lässt sich über den Service Simon & Josef selbst festlegen, ob und wie das Zimmer gereinigt werden soll. Bei unseren zwei Nächten stellte sich diese Frage noch nicht.

Ähnlich verhält es sich mit dem Klimaschutzprogramm “Cause We Care” der Stiftung myclimate. Gäst:innen können freiwillig einen Franken pro Nacht beisteuern, rund 1,07 Euro, den das Hotel verdoppelt und in einen eigenen Fonds legt. Aus diesem werden lokale Maßnahmen wie die Wärmerückgewinnung finanziert, ein Teil fließt in internationale Klimaschutzprojekte. Den Hinweis darauf haben wir im Haus gesehen, beim Check-in war das Programm allerdings kein Thema, was bei einem freiwilligen Beitrag schade ist, denn er lebt davon, dass man von ihm erfährt.

Bleibt die Frage, was den Teufelhof jenseits der Zertifikate ausmacht. Im Keller braut die hauseigene Stadtmauer-Brauerei ihr Bier, eine eigene Molkerei gehört ebenso dazu, und eingekauft wird nach eigener Angabe überwiegend bei regionalen Lieferanten. Über den 2020 gegründeten Verein MALIAN unterstützt das Haus Menschen, die aus gesundheitlichen, sozialen oder anderen Gründen in ihrer Erwerbstätigkeit eingeschränkt sind, auf dem Weg zurück in den Arbeitsmarkt.

Und mit dem Theater im Teufelhof betreibt es eine eigene Bühne. Der Gedanke dahinter: Wer wegen des Essens kommt, soll neugierig auf die Kunst werden, und wer wegen der Kunst bucht, auf Küche und Theater. Für uns schloss sich der Kreis an anderer Stelle. Der Polestar stand zwei Tage im Parkhaus, während wir mit Tram und zu Fuß unterwegs waren. Nachhaltigkeit muss nicht laut sein, um zu wirken.
Quelle: Elektroauto-News – Recherche vor Ort im Oktober 2026 / Kanton Basel-Stadt – Elektromobilität / Der Teufelhof Basel – Website abgerufen am 09.10.2026









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