Tesla startet 2027 eigene Zellfertigung in Grünheide

Tesla startet 2027 eigene Zellfertigung in Grünheide
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EAN / Blick auf den Eingang zur Gigafactory Grünheide von Tesla

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

In der Gigafactory Berlin-Brandenburg soll künftig die gesamte Wertschöpfung eines Elektroautos an einem Ort stattfinden, von der Batteriezelle bis zum fertigen Auto. Ab 2027 plant Tesla in Grünheide die Produktion eigener 4680-Zellen. Die Kapazität soll auf bis zu 18 GWh pro Jahr wachsen. „Das ist einzigartig in Europa“, sagt Robert Meyer, Cell Factory Lead bei Tesla Manufacturing Brandenburg. Der Schritt fällt in eine Phase, in der mehrere europäische Zellprojekte verschoben, verkleinert oder gestoppt wurden.

Hinter der Entscheidung steht ein Prinzip, das der Konzern nach eigenen Angaben weltweit verfolgt. Lieferketten sollen möglichst lokal entstehen, Fertigungsschritte horizontal wie vertikal eng miteinander verzahnt sein. In Brandenburg lag der Fokus deshalb von Beginn an nicht allein auf hoher Fertigungstiefe, sondern auf einer weitreichenden Lokalisierung der Lieferkette in Europa.

Wirtschaftlich ist das Vorhaben allerdings kein Selbstläufer. Tesla räumt offen ein, dass sich Zellfertigung hierzulande im direkten Kostenvergleich derzeit nur schwer darstellen lässt. „Rein kostentechnisch lohnt sich der Schritt wenig. Für uns ist das jedoch eine strategische Entscheidung“, erklärt Meyer. Ziel sei es, die Resilienz der Lieferketten zu erhöhen, Abhängigkeiten zu reduzieren sowie Fertigungstiefe und Know-how vor Ort auszubauen.

Ein wesentlicher Grund liegt im europäischen Zulieferumfeld. Im Werk Shanghai bezieht Tesla Zellen chinesischer Hersteller und integriert sie in die eigene Fahrzeugproduktion. „Ein vergleichbares Ökosystem an Herstellern, die als Lieferanten in Frage kommen, gibt es hier schlicht nicht“, betont Meyer mit Blick auf Europa. Hinzu kommt aus Unternehmenssicht ein Nachteil im Standortwettbewerb mit China und den USA, insbesondere durch das Fehlen einer output-basierten Förderung für Batteriezellen in der EU.

„Im internationalen Wettbewerb ist es zum heutigen Zeitpunkt kaum möglich, wirtschaftlich Zellen in Europa zu produzieren“, so Meyer. Um Batteriezelltechnologie dauerhaft auf dem Kontinent zu etablieren, brauche es klare und zielgerichtete Voraussetzungen.

Ohne Lösemittel zur effizienteren Zelle

Technisch setzt Tesla in Grünheide auf das Dry-Electrode-Verfahren. Bei dieser Trockenbeschichtung entstehen die Elektroden ohne den klassischen lösemittelbasierten Nassprozess. Weil energieintensive Trocknungsöfen entfallen, sinken laut Tesla sowohl Flächenbedarf als auch Investitionsaufwand; zudem fallen keine Kosten für die Rückgewinnung giftiger Lösemittel an. Meyer verweist auf spürbare Effekte bei Produktionskosten und Umweltbilanz sowie auf einen deutlich geringeren Energiebedarf.

Beim Hochlauf selbst muss das Werk nicht bei null beginnen. Erfahrungen aus der texanischen 4680-Fertigung sollen direkt einfließen. Über den Erfolg einer Zellfabrik entscheidet weniger die Investitionssumme als die Frage, ob komplexe Prozesse stabil in hohe Stückzahlen überführt werden können, mit ausreichender Qualität, hoher Ausbeute (Yield) und kurzer Ramp-up-Zeit. „Wir profitieren aber für den Ramp-up unserer Zellfabrik in Grünheide enorm davon, dass wir diese Herausforderung in unserer Schwesterfabrik in Texas bereits gelöst haben“, erläutert Meyer.

Mindestens ebenso stark hängt das Projekt vom Personal ab. Mehr als 1500 zusätzliche Mitarbeiter:innen will Tesla für die Zellfertigung gewinnen, obwohl erfahrenes Know-how in Europa knapp ist. Erfahrung in der Zellproduktion gilt deshalb ausdrücklich nicht als Einstellungskriterium. „Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir hier Pionierarbeit in Europa leisten“, sagt Meyer. Quereinsteiger:innen könnten sogar im Vorteil sein, weil sie komplexe Probleme unvoreingenommen betrachten; interne Trainings und Schulungsprogramme ergänzen diesen Ansatz.

Als wichtigsten Faktor für einen erfolgreichen Hochlauf nennt Meyer die Geschwindigkeit. „Speed ist kritisch. Wir müssen schnell aus unseren Fehlern lernen und immer hinterfragen, ob sich ein Problem nicht noch schneller lösen lässt.“ Teams müssten über Standorte hinweg eng kooperieren und zugleich genug Eigenverantwortung besitzen, um zügig zu entscheiden. Letztlich hänge alles an motivierten Beschäftigten, die gemeinsam dasselbe Ziel verfolgen.

Quelle: Battery-News.com – Batteriezellen „Made in Grünheide“: Wie Tesla Europas Zellfertigung skalieren will

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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