Tesla-Akkus aus China geraten in die Kritik

Tesla-Akkus aus China geraten in die Kritik
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Die Diskussion über die Haltbarkeit von Akkus in Elektroautos erhält neue Impulse, nachdem die kroatische Spezialwerkstatt EV Clinic auf Probleme bei bestimmten Tesla-Batterien hingewiesen hat. Die Werkstatt, die sich auf Diagnosen und Reparaturen elektrischer Antriebe spezialisiert hat, beobachtet seit Monaten wiederkehrende Auffälligkeiten bei Akkupacks, die von LG Energy Solution im chinesischen Werk Nanjing produziert wurden. Diese Energiespeicher kommen vor allem in den Long-Range- und Performance-Versionen des Model 3 und Model Y zum Einsatz, die in Europa weit verbreitet sind. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob es sich um individuelle Defekte handelt oder ob ein strukturelles Thema vorliegt, das eine große Zahl von Nutzer:innen betreffen könnte.

Nach Angaben der EV Clinic zeigen die LG-Batterien auf Nickel-Mangan-Kobalt-Basis in der Praxis deutlich höhere Ausfallraten als die vergleichbaren Panasonic-Akkus, die Tesla in den USA fertigen lässt. Während bei Panasonic-Systemen häufig nur eine einzelne Zelle versagt und sich der Schaden dadurch gezielt beheben lässt, berichten die Techniker bei LG-Packs von einem grundlegend anderen Befund. In einem Großteil der Werkstattfälle sei eine Reparatur auf Zellebene nicht möglich, weil mehrere Module gleichzeitig stark geschädigt seien.

Hohe Innenwiderstände als zentrales Problem

Die Experten sprechen von „extrem hohen Innenwiderständen“ betroffener Zellen. Dieser Wert gilt als Indikator für eine fortgeschrittene Alterung und kann zu Folgeschäden führen, wenn in einem Modul nur einzelne Zellen ausgetauscht werden. Die Gefahr, dass benachbarte Zellen kurz darauf ebenfalls ausfallen, steigt laut EV Clinic deutlich an. Der Werkstatt zufolge ist dieser Kaskadeneffekt einer der Gründe, warum Reparaturen oft scheitern.

Besonders kritisch wird die prognostizierte Lebensdauer bewertet. Die LG-Pakete erreichten demnach häufig schon bei rund 240.000 Kilometern das Ende ihrer Nutzungsphase. Zum Vergleich nennt die Werkstatt für Panasonic-Systeme eine Laufleistung von etwa 400.000 Kilometern. Zwar komme es auch dort nach rund 250.000 Kilometern häufiger zu Defekten, doch handle es sich meist um einzelne Zellen, die ersetzt werden können. Die Techniker berichten, dass eine Reparatur bei Panasonic-Packs in vielen Fällen erfolgreich sei und die Akkus danach weiter genutzt werden könnten.

Die Aussagen der Werkstatt sind auch deshalb relevant, weil Tesla je nach Modell und Produktionsort unterschiedliche Batterietypen verbaut. In Standard-Range-Modellen finden sich meist Lithium-Eisenphosphat-Akkus des Herstellers CATL. Diese gelten als robust und temperaturstabil, sind jedoch schwerer als NMC- oder NCA-Varianten. Die betroffenen LG-Akkus kommen dagegen vor allem dort zum Einsatz, wo höhere Reichweiten benötigt werden. Dass ausgerechnet diese Packs eine verkürzte Lebensdauer aufweisen könnten, weckt entsprechend hohe Aufmerksamkeit.

Folgen und Kosten für betroffene Tesla-Fahrende

Für Kund:Innen kann die Problematik weitreichende Folgen haben. Ist ein Akku außerhalb der Garantiezeit irreparabel, bleibt meist nur der Austausch des gesamten Packs beim Hersteller. Die Kosten können dabei in einen fünfstelligen Bereich reichen. EV Clinic schildert zudem Herausforderungen im Umgang mit Betroffenen, da sich technische Zusammenhänge wie Zellwiderstände oder Serienverschaltungen nur schwer verständlich erklären lassen. Als mögliche Lösung bietet die Werkstatt in seltenen Fällen an, ein gebrauchtes Panasonic-Pack aus dem Sekundärmarkt zu verbauen. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn passende Spenderakkus verfügbar sind.

Die Experten weisen außerdem darauf hin, dass mediale Einschätzungen zur angeblichen Überlegenheit chinesischer Zelltechnologie häufig ohne Praxiserfahrungen getroffen würden. In einem Beitrag heißt es: „Das Bild, dass in China die besten Zellen gefertigt werden, spiegelt sich in der Werkstattrealität nicht wider.“ Die Stärke chinesischer Hersteller liege eher im Bereich der LFP-Technologie, doch auch dort seien Reparaturen komplex und in Blade-Formaten, wie sie etwa von BYD eingesetzt werden, teils gar nicht möglich. Wie Tesla die Hinweise bewertet und ob das Unternehmen eigene Analysen veröffentlicht, ist offen. Der Hersteller hat sich bislang nicht zu den geschilderten Beobachtungen geäußert.

Quelle: X – EVClinic / t3n.de – Tesla-Akkus aus China: Werkstatt-Experten warnen vor „extrem hohen Ausfallraten“

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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