Tesla-Akkus aus China geraten in die Kritik

Tesla-Akkus aus China geraten in die Kritik
Copyright:

shutterstock / 2350723045

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die Diskussion über die Haltbarkeit von Akkus in Elektroautos erhält neue Impulse, nachdem die kroatische Spezialwerkstatt EV Clinic auf Probleme bei bestimmten Tesla-Batterien hingewiesen hat. Die Werkstatt, die sich auf Diagnosen und Reparaturen elektrischer Antriebe spezialisiert hat, beobachtet seit Monaten wiederkehrende Auffälligkeiten bei Akkupacks, die von LG Energy Solution im chinesischen Werk Nanjing produziert wurden. Diese Energiespeicher kommen vor allem in den Long-Range- und Performance-Versionen des Model 3 und Model Y zum Einsatz, die in Europa weit verbreitet sind. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob es sich um individuelle Defekte handelt oder ob ein strukturelles Thema vorliegt, das eine große Zahl von Nutzer:innen betreffen könnte.

Nach Angaben der EV Clinic zeigen die LG-Batterien auf Nickel-Mangan-Kobalt-Basis in der Praxis deutlich höhere Ausfallraten als die vergleichbaren Panasonic-Akkus, die Tesla in den USA fertigen lässt. Während bei Panasonic-Systemen häufig nur eine einzelne Zelle versagt und sich der Schaden dadurch gezielt beheben lässt, berichten die Techniker bei LG-Packs von einem grundlegend anderen Befund. In einem Großteil der Werkstattfälle sei eine Reparatur auf Zellebene nicht möglich, weil mehrere Module gleichzeitig stark geschädigt seien.

Hohe Innenwiderstände als zentrales Problem

Die Experten sprechen von „extrem hohen Innenwiderständen“ betroffener Zellen. Dieser Wert gilt als Indikator für eine fortgeschrittene Alterung und kann zu Folgeschäden führen, wenn in einem Modul nur einzelne Zellen ausgetauscht werden. Die Gefahr, dass benachbarte Zellen kurz darauf ebenfalls ausfallen, steigt laut EV Clinic deutlich an. Der Werkstatt zufolge ist dieser Kaskadeneffekt einer der Gründe, warum Reparaturen oft scheitern.

Besonders kritisch wird die prognostizierte Lebensdauer bewertet. Die LG-Pakete erreichten demnach häufig schon bei rund 240.000 Kilometern das Ende ihrer Nutzungsphase. Zum Vergleich nennt die Werkstatt für Panasonic-Systeme eine Laufleistung von etwa 400.000 Kilometern. Zwar komme es auch dort nach rund 250.000 Kilometern häufiger zu Defekten, doch handle es sich meist um einzelne Zellen, die ersetzt werden können. Die Techniker berichten, dass eine Reparatur bei Panasonic-Packs in vielen Fällen erfolgreich sei und die Akkus danach weiter genutzt werden könnten.

Die Aussagen der Werkstatt sind auch deshalb relevant, weil Tesla je nach Modell und Produktionsort unterschiedliche Batterietypen verbaut. In Standard-Range-Modellen finden sich meist Lithium-Eisenphosphat-Akkus des Herstellers CATL. Diese gelten als robust und temperaturstabil, sind jedoch schwerer als NMC- oder NCA-Varianten. Die betroffenen LG-Akkus kommen dagegen vor allem dort zum Einsatz, wo höhere Reichweiten benötigt werden. Dass ausgerechnet diese Packs eine verkürzte Lebensdauer aufweisen könnten, weckt entsprechend hohe Aufmerksamkeit.

Folgen und Kosten für betroffene Tesla-Fahrende

Für Kund:Innen kann die Problematik weitreichende Folgen haben. Ist ein Akku außerhalb der Garantiezeit irreparabel, bleibt meist nur der Austausch des gesamten Packs beim Hersteller. Die Kosten können dabei in einen fünfstelligen Bereich reichen. EV Clinic schildert zudem Herausforderungen im Umgang mit Betroffenen, da sich technische Zusammenhänge wie Zellwiderstände oder Serienverschaltungen nur schwer verständlich erklären lassen. Als mögliche Lösung bietet die Werkstatt in seltenen Fällen an, ein gebrauchtes Panasonic-Pack aus dem Sekundärmarkt zu verbauen. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn passende Spenderakkus verfügbar sind.

Die Experten weisen außerdem darauf hin, dass mediale Einschätzungen zur angeblichen Überlegenheit chinesischer Zelltechnologie häufig ohne Praxiserfahrungen getroffen würden. In einem Beitrag heißt es: „Das Bild, dass in China die besten Zellen gefertigt werden, spiegelt sich in der Werkstattrealität nicht wider.“ Die Stärke chinesischer Hersteller liege eher im Bereich der LFP-Technologie, doch auch dort seien Reparaturen komplex und in Blade-Formaten, wie sie etwa von BYD eingesetzt werden, teils gar nicht möglich. Wie Tesla die Hinweise bewertet und ob das Unternehmen eigene Analysen veröffentlicht, ist offen. Der Hersteller hat sich bislang nicht zu den geschilderten Beobachtungen geäußert.

Quelle: X – EVClinic / t3n.de – Tesla-Akkus aus China: Werkstatt-Experten warnen vor „extrem hohen Ausfallraten“

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

Tesla startet 2027 eigene Zellfertigung in Grünheide

Tesla startet 2027 eigene Zellfertigung in Grünheide

Sebastian Henßler  —  

Ab 2027 fertigt Tesla in Grünheide eigene 4680-Zellen mit bis zu 18 GWh pro Jahr. Damit entsteht von der Zelle bis zum Auto alles an einem Standort in Europa.

Batterieproduktion in Europa: Ist Spezialisierung der Schlüssel?

Batterieproduktion in Europa: Ist Spezialisierung der Schlüssel?

Tobias Stahl  —  

Statt Volumenfertigung und Niedrigpreisen könnten sich Spezialisierung und Flexibilität zum zentralen Hebel für Europas Batteriefertigung entwickeln.

Deutschlands Batteriepipeline für 2035 hat sich halbiert

Deutschlands Batteriepipeline für 2035 hat sich halbiert

Sebastian Henßler  —  

Ein Viertel der seit 2022 angekündigten Zellkapazität ist gestrichen, Deutschlands Pipeline hat sich halbiert. Trotzdem hält T&E die IAA-Vorgaben für erreichbar.

VWs Powerco verschiebt Batterieproduktion in Kanada auf 2029

VWs Powerco verschiebt Batterieproduktion in Kanada auf 2029

Maria Glaser  —  

Die VW-Tochter verschiebt den Produktionsbeginn in St. Thomas um zwei Jahre, um sich damit an die Strategie des Volkswagen-Konzerns anzupassen.

Mercedes-Benz testet Gen4-Feststoffzellen von ProLogium

Mercedes-Benz testet Gen4-Feststoffzellen von ProLogium

Sebastian Henßler  —  

Die Gen4-Zellen von ProLogium sollen hohe Sicherheit, große Energiedichte und schnelles Laden verbinden und werden nun bei Mercedes-Benz getestet.

Geely steigt bei Nio Power ein: Akkutausch wird offener

Geely steigt bei Nio Power ein: Akkutausch wird offener

Sebastian Henßler  —  

Der Akkuwechsel in China soll künftig nicht mehr an eine einzelne Marke gebunden sein. Geely und Nio wollen gemeinsam Technologien und Standards entwickeln.

Europas Batteriekapazitäten reichen für EU-Vorgaben nicht

Europas Batteriekapazitäten reichen für EU-Vorgaben nicht

Daniel Krenzer  —  

Eine neue ACEA-Studie warnt: Europas Batteriefertigung dürfte die geplanten EU-Lokalisierungsvorgaben zunächst nicht erfüllen können.