Tadus zeigt seriennahen, bidi-fähigen Elektro-Traktor

Tadus zeigt seriennahen, bidi-fähigen Elektro-Traktor
Copyright:

Tadus

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Als Tadus im Frühjahr 2022 mit der Entwicklung seines ersten vollelektrischen Traktors begann, war das Ziel klar: ein Arbeitsgerät zu schaffen, das konsequent für den elektrischen Betrieb konzipiert ist und sich nahtlos in moderne landwirtschaftliche Abläufe einfügt. Nach einer ersten Erprobungsphase und erfolgreichen Praxistests im Jahr 2023 präsentiert das süddeutsche Unternehmen auf der Agritechnica den seriennahen Prototyp des Tadus T16.20. Der offizielle Marktstart ist für die zweite Hälfte des kommenden Jahres geplant.

Im Gegensatz zu umgebauten Dieselfahrzeugen wurde der T16.20 von Grund auf elektrisch entwickelt. Herzstück des Traktors ist ein neuartiger Antriebsstrang, der Energie über mehrere Elektromotoren dezentral verteilt. Diese Architektur ermöglicht es, mechanische und hydraulische Verbraucher individuell und bedarfsgerecht zu versorgen. Eine zentrale Steuereinheit koordiniert die Energieflüsse nach Priorität und Lastanforderung. Damit entfällt die mechanische Kopplung, wie sie bei klassischen Traktoren üblich ist – ein entscheidender Schritt hin zu höherer Effizienz und geringerer Wartungsintensität.

Die technischen Eckdaten unterstreichen den Anspruch: Mit einer Maximalleistung von 160 PS und einer Batteriekapazität von 196 kWh zählt der Tadus T16.20 zu den leistungsstarken E-Traktoren seiner Klasse. Die Batterie ist als Wechselsystem ausgelegt und kann laut Hersteller in rund fünf Minuten getauscht werden. So lässt sich auch in arbeitsintensiven Phasen ein Dauerbetrieb sicherstellen. Während die Einsatzbatterie im Feld Energie liefert, wird die Reservebatterie parallel geladen – ein Prinzip, das die Ausfallzeiten auf ein Minimum reduziert.

Ein weiteres Merkmal ist die bidirektionale Ladefähigkeit des Systems. Der Traktor kann sowohl Strom aufnehmen als auch ins Netz zurückspeisen. Damit wird er zum aktiven Bestandteil eines betrieblichen Energiemanagements. Landwirte können überschüssige Energie aus der eigenen Photovoltaikanlage im Akku des Traktors zwischenspeichern und bei Bedarf wieder nutzen. Perspektivisch bietet das Konzept sogar die Möglichkeit, die Speicherkapazität zur Netzstabilisierung bereitzustellen – ein Ansatz, der zusätzliche Einnahmequellen eröffnen könnte.

Selbst erzeugter Strom senkt Betriebskosten um bis zu 75 Prozent

Neben der Effizienz rückt Tadus auch den Fahrkomfort in den Fokus. Eine geräumige Kabine mit Panoramadach, präzise Steuerung und intuitive Bedienoberflächen sollen den Arbeitsalltag erleichtern. Laut Hersteller sinken die Wartungskosten um rund 50 Prozent, da elektrische Systeme weniger bewegte Teile aufweisen. Geringerer Verschleiß und eine verlängerte Lebensdauer werden als weitere Vorteile genannt.

Die ökonomischen Argumente sind ebenso klar formuliert: Wird der Traktor mit selbst erzeugtem Strom betrieben, lassen sich die Betriebskosten laut Tadus im Vergleich zu einem herkömmlichen Dieselmodell um bis zu 75 Prozent senken. Damit wird die Umstellung auf elektrische Landtechnik nicht nur zu einer Frage der Nachhaltigkeit, sondern auch der Wirtschaftlichkeit.

Mit Blick auf die Energiezukunft positioniert sich das Unternehmen flexibel. Der elektrische Antrieb soll sich in unterschiedlichste Hofkonzepte integrieren lassen – von Biogas über Biomasse bis hin zu Wasserstoff. Entscheidend sei, dass elektrische Energie in der Landwirtschaft bereits heute verfügbar und vielfältig kombinierbar ist.

„Eine Landwirtschaft zu erhalten, erfordert Weitblick“, heißt es in den Unterlagen des Herstellers. Der Tadus T16.20 soll Landwirten helfen, diesen Weitblick praktisch umzusetzen. Durch seine Kombination aus Energieeffizienz, Leistungsfähigkeit und Netzfähigkeit verbindet er die Anforderungen moderner Landwirtschaft mit den Zielen der Energiewende. Für Tadus ist der Schritt auf die Agritechnica nicht nur die Vorstellung eines neuen Produkts, sondern auch ein Signal: Die Elektrifizierung der Landwirtschaft ist keine ferne Vision mehr, sondern beginnt auf dem Acker.

Quelle: Tadus – Informationen per Mail

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

Wie die neue Förderung die E-Auto-Verkäufe pusht

Wie die neue Förderung die E-Auto-Verkäufe pusht

Michael Neißendorfer  —  

Die neue staatliche Kaufprämie beflügelt den Umstieg auf Elektroautos – vor allem bei jüngeren Menschen und Familien.

Green Economy: Jeder dritte neue Job ist grün

Green Economy: Jeder dritte neue Job ist grün

Michael Neißendorfer  —  

Jede dritte im Jahr 2025 in Deutschland ausgeschriebene Stelle hatte einen Bezug zur Nachhaltigkeit – Tendenz weiter steigend.

Experten-Runde: Regulierung hilft Europa – und schadet gleichzeitig

Experten-Runde: Regulierung hilft Europa – und schadet gleichzeitig

Sebastian Henßler  —  

Auf den Automotive Masterminds 2026 diskutierten Experten von BMW, Rimac und Gotion, wie Europa seine Batterie-Abhängigkeit von China verringern kann.

Green NCAP bewertet 7 Bestseller – E-Autos vorn

Green NCAP bewertet 7 Bestseller – E-Autos vorn

Sebastian Henßler  —  

Jeep Avenger Electric, Mini Cooper E und Renault 5 E-Tech führen das Green-NCAP-Ranking an. Der BMW 520i landet mit 2,5 Sternen am Ende der Skala.

MG4 Urban im Test: Günstig, aber gut

MG4 Urban im Test: Günstig, aber gut

Stefan Grundhoff  —  

Die Preise für elektrische Einstiegsmodelle gehen immer weiter nach unten. Einer der interessantesten Citystromer ist der MG4 Urban – für unter 19.000 Euro.

SMI-Bilanz: Smart-Meter-Rollout mit strukturellen Lücken

SMI-Bilanz: Smart-Meter-Rollout mit strukturellen Lücken

Sebastian Henßler  —  

Die Smart-Meter-Initiative sieht strukturellen Nachholbedarf: Kleinteiligkeit, Fixtarife und fehlende Netzentgelte bremsen den Fortschritt.

Rohstoff-Wettlauf: Wie Deutschland sich selbst im Weg steht

Rohstoff-Wettlauf: Wie Deutschland sich selbst im Weg steht

Sebastian Henßler  —  

Rock Tech Lithium will Lithium für 500.000 E-Auto-Akkus aufbereiten. Mercedes hat unterschrieben, die EU das Projekt ausgezeichnet. Gebaut wird trotzdem nicht.