Autonome Fahrzeuge können Qualität im ÖPNV massiv verbessern

Autonome Fahrzeuge können Qualität im ÖPNV massiv verbessern
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Deutsche Bahn

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Autonom fahrende Shuttles und Busse können Deutschlands öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auf ein neues Qualitätsniveau heben. Das zeigt eine Studie im Auftrag von DB Regio, der Regionalverkehrssparte der Deutschen Bahn. Flächendeckend eingesetzt würde autonomes Fahren das Angebot für die Fahrgäste verbessern, die Verkehrsbelastung in Städten verringern und ländliche Gegenden besser anbinden.

Die Studie „Autonomes Fahren – Schlüssel für die Mobilität von morgen“ (Link zur PDF-Langversion) untersucht erstmals anhand von detaillierten Szenarien für das Jahr 2045, wie autonomes Fahren maximalen Nutzen für die Menschen in Deutschland entfalten kann. Erstellt wurde die Studie in Zusammenarbeit mit dem Software- und Verkehrsplanungs-Unternehmen Ioki, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Prognos. Ein Expertenbeirat hat die Studie begleitet.

„Autonomes Fahren wird kommen. Die Technologie und die Gesetze für die Anwendung im ÖPNV sind da. Den größten Nutzen können wir daraus ziehen, wenn wir den ÖPNV grundlegend weiterentwickeln und das Angebot ausbauen – mit autonomen Shuttles, optimierten Buslinien und einer Verknüpfung zum Zug“, so Frederik Ley, Vorstand Straße bei DB Regio. „Damit verbessern wir die Lebensqualität und die Mobilität in Städten und auf dem Land.“

Laut der Studie bringt es kaum Vorteile, wenn die Technologie nur dazu genutzt wird, das vorhandene Angebot an Bussen autonom fahren zu lassen. Auch privatwirtschaftlich betriebene Robotaxis bringen kaum Verbesserung, im Gegenteil: Der Verkehr würde in Metropolen um bis zu 40 Prozent zunehmen, und im ländlichen Raum würde das Mobilitätsangebot nicht verbessert.

„Autonomes Fahren ist eine große Chance“

Den größten Nutzen brächte autonomes Fahren laut Studie dann, wenn es in den ÖPNV integriert, dieser zusätzlich ausgebaut und anders strukturiert wird. Eine zentrale Rolle in diesem für 2045 berechneten Szenario spielen selbstfahrende Shuttles. Sie bringen Fahrgäste entweder direkt ans Ziel oder sind Zubringer zum Zug und zu optimierten Buslinien, die schneller und direkter unterwegs sind als heute.

Wären rund eine Million autonome Shuttles und Busse unterwegs, lägen die durchschnittlichen Wartezeiten der Fahrgäste bis zum Einstieg bei 5 Minuten in Metropolen und bei 13 Minuten im ländlichen Raum. Letzteres wäre 50 Prozent kürzer als aktuell. Die Reisezeiten entsprächen nahezu denen des Pkw und wären in Metropolen teilweise sogar kürzer.

Mit einem derartigen Angebot würden der Studie zufolge mehr Menschen auf ein eigenes Auto verzichten und auf den ÖPNV umsteigen: Der Anteil an der gesamten Verkehrsleistung, die öffentliche Verkehrsmittel erbringen, würde sich auf 35 Prozent mehr als verdoppeln.

„Autonomes Fahren ist kein Selbstzweck. Es ist eine große Chance, den ÖPNV als Rückgrat sozialer Teilhabe effizienter, stärker und attraktiver für Fahrgäste zu machen. Jetzt geht es darum, das in der Praxis für städtische und vor allem auch ländliche Räume zu erproben, und zwar mit Modellregionen für autonomes Fahren im ÖPNV“, so Knut Ringat, Vizepräsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV).

„Die Zukunft der Mobilität beginnt in den Köpfen der Menschen“

Für die Gesellschaft wäre der potenzielle Gewinn im Vergleich zur heutigen Situation enorm: Die Belastung durch den Straßenverkehr würde in Städten und Metropolen um bis zu 11 Prozent sinken. Gleichzeitig könnte die öffentliche Hand ihre Zuschüsse zum ÖPNV trotz des massiv ausgebauten Angebots um 20 Prozent verringern. Möglich wird dies durch technologische Effizienzgewinne und stärkere Nutzerfinanzierung. Autofahrende würden 2045 beim Umstieg auf den ÖPNV durchschnittlich 170 Euro pro Monat sparen.

Prof. Meike Jipp, Bereichsvorständin für Energie und Verkehr des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR): „Autonomes Fahren ist mehr als Technik – es ist eine Chance, Mobilität effizient und wirtschaftlich nachhaltig zu gestalten. Unser Forschungsansatz geht davon aus, dass Mobilität nicht rational, sondern tief verwurzelt in Routinen und Emotionen ist. Menschen verändern ihre Gewohnheiten nur, wenn das neue Angebot verlässlich, attraktiv und in ihr Alltagsleben passt. Das Daseinsvorsorge-Szenario zeigt: Mit einem integrierten, flächendeckenden ÖPNV-System schaffen wir nicht nur mehr Lebensqualität – wir stärken auch die deutsche Wirtschaft. Durch die Etablierung eines europäischen Marktes für autonome Mobilität entstehen neue, hochwertige Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Die Zukunft der Mobilität beginnt in den Köpfen der Menschen.“

Quelle: Deutsche Bahn – Pressemitteilung vom 13.01.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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