Die Elektromobilität gewinnt in Europa wieder an Fahrt. Steigende Spritpreise, neue Förderprogramme und ein wachsendes Modellangebot verändern das Kaufverhalten spürbar. Mittendrin: Škoda. Die tschechische VW-Konzerntochter hat sich in den vergangenen Jahren vom Nischenplayer zum zweitgrößten Automobilhersteller in Europa entwickelt – und peilt mit einer Reihe neuer Elektromodelle den nächsten Wachstumsschritt an. Edison hat Klaus Zellmer, CEO von Škoda, auf der Weltpremiere des Epiq in Zürich zum Gespräch getroffen.
Der Epiq, das neue Einstiegs-Elektroauto der Marke, wird gemeinsam mit dem Cupra Raval und dem VW ID.Polo im spanischen Navarra produziert – nicht in Tschechien, wo Škodas Stammwerke liegen. Zellmer erklärt das mit einer schlichten Logik: Die Werke in Mladá Boleslav seien voll ausgelastet, weiteres Wachstum erfordere zusätzliche Kapazitäten.
In Navarra profitiere Škoda von Skaleneffekten durch die gemeinsame Produktion mit VW und Cupra sowie von einer „sehr guten industriellen Anbindung“. Den naheliegenden Einwand höherer Arbeitskosten in Spanien lässt Zellmer nicht gelten: Wirtschaftlichkeit ergebe sich aus dem Gesamtbild, nicht aus dem reinen Arbeitskostenvergleich.
Škoda blickt auf starke Rendite, volle Modell-Pipeline
Dass Škoda derzeit als eine der profitabelsten Marken im Volkswagen-Konzern gilt, ist kein Geheimnis. Im ersten Quartal 2026 wies die Marke eine Umsatzrendite von 8,3 Prozent aus – mehr als Porsche in diesem Zeitraum. Zellmer kommentiert den Vergleich zurückhaltend: „Solche Vergleiche sind aber nur ein Zwischenbild.“ Entscheidend sei, operativ sauber zu arbeiten und profitabel zu wachsen. Den Aufstieg von Platz zehn auf Platz zwei in Europa innerhalb von vier Jahren wertet er als Bestätigung des eingeschlagenen Kurses.
Parallel zur starken Ertragslage arbeitet Škoda an einer dichten Modellpipeline. Noch in diesem Jahr soll der neue Peaq vorgestellt werden, ein siebensitziges Elektro-Flaggschiff, das in Mladá Boleslav im flexiblen Verbund mit Elroq, Enyaq und Octavia produziert wird.
Für die IAA 2025 hatte Škoda bereits die „Vision O“ gezeigt – einen elektrischen Kombi, der langfristig ebenfalls zur Serienreife gebracht werden soll. Reines Volumenwachstum sei dabei nicht das Ziel, betont Zellmer: „Qualität des Wachstums ist für uns wichtiger als bloße Menge.“
Technik-Entscheidungen mit Bedacht
Technologisch steht Škoda vor einigen strategischen Weichenstellungen. Die gesamte aktuelle Elektroflotte basiert auf einer 400-Volt-Architektur. Ob und wann der Schritt auf 800 Volt folgt, lässt Zellmer offen – 800 Volt könne „für die nächste Plattformgeneration eine interessante Option sein“, eine konkrete Festlegung vermeidet er.
Ähnlich vorsichtig äußert er sich zum Thema Range Extender, das in China gerade stark an Bedeutung gewinnt. Das Konzept werde technisch mitgedacht, die entscheidende Frage sei aber, ob der Mehrwert im europäischen Alltag wirklich gegeben sei. „Wenn Batterie, Ladegeschwindigkeit und Reichweite bereits sehr gut sind, dann braucht es nicht zwingend zusätzliche Komplexität“, so Zellmer.
Zur allgemeinen Nachfrageentwicklung bei Elektroautos verweist Zellmer auf mehrere Treiber gleichzeitig: Förderungen, Energiekosten, aber vor allem die Produktqualität selbst. Den deutschen Tankrabatt sieht er differenziert – kurzfristige Preisimpulse beeinflussten das Kaufverhalten, auf lange Sicht entscheide aber „das gesamte Fahrzeug- und Nutzungskonzept“. Kunden sollten die Technologie wählen können, die am besten zu ihrem Profil passt.
Quelle: Edison – Aufstieg zum Peaq: Zellmers Plan für die Skoda-Zukunft









Wird geladen...