Noch vor wenigen Wochen klang die Zukunft der spanischen Volkswagen-Marke Seat wieder deutlich optimistischer. Neue Modelle waren angekündigt, perspektivisch sollten sogar erstmals reine Elektroautos unter dem Seat-Logo folgen. Nun hält die Seat S.A. selbst allerdings ausdrücklich ein ganz anderes Szenario für möglich: Die traditionsreiche Marke könnte nach 2030 schrittweise auslaufen.
Das Unternehmen betont zwar, dass noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei. Allerdings werde die Ausrichtung von Seat über den aktuellen Produktzyklus hinaus weiterhin geprüft. Strengere CO₂-Vorgaben, die Wirtschaftlichkeit der Elektrifizierung und vor allem die hohen Investitionen für eine neue Modellgeneration machten weitere Investitionen in die Marke wirtschaftlich zunehmend schwieriger. Abhängig von Regulierung, Nachfrage und Marktbedingungen sei deshalb auch ein „schrittweises Auslaufen der Marke Seat“ denkbar.
Kurzfristig geht es zunächst weiter. Für 2027 sind Mild-Hybrid-Versionen des Ibiza und Arona vorgesehen. Noch im Juni hatte sich Seat- und Cupra-Chef Markus Haupt zudem wesentlich offensiver zur Zukunft der Marke geäußert. Damals berichtete Autocar, Seat solle perspektivisch ebenfalls reine Elektroautos anbieten. „Wir können uns unser Unternehmen ohne Seat nicht vorstellen“, sagte Haupt seinerzeit. Allerdings sollten daraus ausdrücklich keine lediglich günstigeren Cupra-Modelle mit Seat-Logo werden.
Sorge um Seat heißt nicht automatisch Sorge um das Seat-Werk
In Spanien sorgt die nun wieder deutlich offenere Zukunft der Traditionsmarke dennoch für Unruhe. Wie die Automobilwoche berichtet, schlagen Gewerkschaften und Politiker angesichts der Bedeutung Seats für die spanische Automobilindustrie Alarm. Schließlich hängen direkt und indirekt Tausende Arbeitsplätze an dem Unternehmen und seinem Umfeld.
Dabei muss allerdings zwischen der Marke Seat und der Seat S.A. unterschieden werden. Letztere soll nach den Vorstellungen des Volkswagen-Konzerns keineswegs verschwinden – im Gegenteil. Das Unternehmen hinter Seat und Cupra soll seine industrielle Rolle innerhalb des Konzerns ausbauen. Seat S.A. stellt sogar einen Anstieg der Beschäftigtenzahlen in den kommenden Jahren in Aussicht.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Werk Martorell. Dort leitet Seat S.A. die Industrialisierung der Elektroplattform MEB21 und produziert die neue Familie kleiner Elektroautos des Volkswagen-Konzerns. Seit Juni laufen dort unter anderem der Cupra Raval und der VW ID. Polo vom Band. Die Elektroautos für verschiedene Konzernmarken sollen Martorell langfristig als wichtigen Standort der Elektromobilität absichern.
Cupra wird immer wichtiger
Deutlich klarer als die Zukunft von Seat ist inzwischen die Rolle der Schwestermarke Cupra. Sie bezeichnet das Unternehmen ausdrücklich als wichtigsten Wachstumsmotor. Seit ihrer Verselbstständigung im Jahr 2018 wurden mehr als eine Million Cupra ausgeliefert. Bis 2030 soll die Marke ihren europäischen Marktanteil auf drei Prozent steigern und zusätzlich international expandieren.
Damit zeichnet sich ein durchaus paradoxes Bild ab: Der spanische Automobilstandort Martorell könnte durch die Elektromobilität innerhalb des Volkswagen-Konzerns sogar an Bedeutung gewinnen, während die traditionsreiche Marke Seat um ihre langfristige Existenz kämpfen muss. Ob die erst vor wenigen Monaten wieder ins Spiel gebrachten Seat-Elektroautos tatsächlich noch kommen, erscheint damit ebenfalls wieder deutlich unsicherer.
Quelle: Seat – Pressemitteilung vom 4. September 2026; Automobilwoche – Seat vor dem Aus: In Spanien wächst die Angst um Tausende Arbeitsplätze







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