Rolls-Royce Spectre Series II: Die neue Liebe zum Twill

Rolls-Royce Spectre Series II: Die neue Liebe zum Twill
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Rolls-Royce

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
  —  Lesedauer 4 min

Man muss tief in die Details eintauchen, um die zweite Generation erkennen zu können, denn optisch präsentiert sich der Rolls-Royce Spectre nach seiner Überarbeitung unverändert. Technische Feinheiten sind es, die den Unterschied zum Vorgänger machen. Ob das neue Elektrokunden ins Luxussegment holt?

Was für Rolls-Royce gilt, ist bei anderen Luxusmarken nicht anders. Lamborghini, Aston Martin, Ferrari, Bentley oder Maybach – sie alle tun sich schwer mit einem Elektroantrieb und der entsprechenden Nachfrage. Nicht, dass deren Kunden nicht das eine oder auch andere Elektromobil in der eigenen Großgarage parken würden, doch das vermeintliche Aushängeschild – egal ob Limousine, Crossover, Coupé oder Sportwagen – soll gerne weiter von einem Zwölfzylinder angetrieben werden – bevorzugt ohne Hybridmodul.

Da macht Rolls-Royce keinen Unterschied, denn auch bei den elitären Briten aus Goodwood tut sich das vermeintliche Aushängeschild Spectre, ein spektakuläres Coupé mit allem nur erdenklichen Luxus durch sein Batteriepaket im Unterboden betont schwer. Die Folge: Firmen-CEO Chris Brownridge verkündete vor einiger Zeit die Abkehr von den mittelfristigen Planungen, ab 2030 komplett auf Elektroantriebe umzusteigen.

Der Grund ist einfach: Die elitären Kunden eines Rolls-Royce machen keinen Unterschied zu anderen Luxusmarken, und hier ist der Elektroantrieb bisher nur sehr eingeschränkt angekommen. Jetzt verabreicht Rolls-Royce seinem ersten Serienmodell mit Elektroantrieb, dem spektakulären Spectre, eine Überarbeitung. Doch diese fällt derart dezent aus, dass es kaum reichen wird, den Spectre Series II nunmehr auf die betont kurze Einkaufsliste der potenziellen Kunden zu spülen. Denn nicht nur optisch hat sich am eleganten Coupé nichts Grundlegendes getan, auch bei Technik gibt es nur minimale Verbesserungen.

Der Grund liegt auf der Hand, denn der Rolls-Royce Spectre ist in Sachen Antrieb mit der elektrischen Luxuslimousine BMW i7 verwoben. Der bekommt aktuell ebenfalls eine Modellpflege, die technisch hinter vielen Erwartungen zurückblieb. Nachdem nur allein in der Premium- und Luxusklasse die schnelle 800-Volt-Ladetechnik längst in den neuen Modellen angekommen ist, bleibt der BMW i7 im Gegensatz zur asiatischen Konkurrenz oder auch einem Mercedes EQS bei der alten 400-Volt-Technik. Das kostet Ladegeschwindigkeit und ist ein Dämpfer für jeden Hightech-Anspruch, der in diesen Ligen selbstverständlich sein sollte.

Darunter hat auch der 5,47 Meter lange Rolls-Royce Spectre Series II zu leiden, auch ihm bleibt ein 800-Volt-Bordnetz vorenthalten. Immerhin vergrößert sich die Normreichweite durch das 112-kWh-Akkupaket um knapp 20 Prozent auf rund 630 Kilometer, und auch die Ladegeschwindigkeit verbesserte sich leicht. Nicht viel anders sieht es bei der Motorleistung aus, denn die besonders exklusive Black-Badge-Version ist nunmehr 500 kW / 680 PS und 1100 Nm zu leisten imstande.

Die Detailliebe in einem Rolls-Royce kennt kaum Grenzen

Dass die großen Fortschritte optisch wie technisch fehlen, mag man dem Rolls-Royce Spectre kaum vorwerfen, denn seine Stückzahlen sind winzig. Und es dürfte seit der Vorstellung im Jahre 2022 kaum einen Kunden gegeben haben, der sich beim Rolls-Royce-Concierge seines Vertrauens über die zu geringe Ladegeschwindigkeit von damals rund 200 kW oder gar die Reichweite von 500 Kilometer beschwert haben dürfte. Auch der elektrische Allradantrieb mit 430 kW / 584 PS / 900 Nm gab bei Durchzug, Vortrieb und Image diesseits der maximal 250 km/h keinen Anlass zur Klage. Doch die neue Antriebstechnik des BMW i7 macht es möglich – der technische Nachschlag bringt nur minimale Aufmerksamkeit, mehr nicht.

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Wichtiger dürfte den Kunden sein, dass die Detailliebe wie üblich in einem Rolls-Royce kaum irdische Grenzen kennt. So erweitert die 2,9 Tonnen schwere Spectre Series II die Palette für den Innenraum deutlich und bietet den finanziell bestens ausgestatteten Kunden neue Materialien, einzigartige Oberflächenbehandlungen und handwerkliche Details in neuen Dimensionen. Ein Beispiel ist Duality Twill: ein Viskosestoff aus natürlichem Bambus, der erstmals im Spectre erhältlich ist. Und da Rolls-Royce für seine Kreationen zumeist eine bunte Geschichte aus der Vergangenheit ziert, soll das Material vom weitläufigen Bambushain im Jardin des Méditerranées an der Côte d’Azur inspiriert sein, der an Sir Henry Royces ehemaliges Winterdomizil Villa Mimosa angrenzt.

Dann kann der nächste Winter getrost kommen und wir warten gespannt auf den Preisaufschlag, denn mit den ehemals rund 390.000 Euro wird es bei der Series II kaum getan sein.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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