Renault prüft Fertigung kompakter E-Autos in Spanien

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Der französische Autobauer Renault stellt seine Produktionsstrategie für kompakte Elektroautos neu auf und rückt dabei Spanien in den Mittelpunkt. Konzernchef François Provost erklärte nach Vorlage der Geschäftszahlen für 2025, es gebe eine „hohe Wahrscheinlichkeit“, dass das Werk im nordspanischen Palencia künftige elektrische Modelle des C-Segments fertigen werde. Eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus.

Bislang hat Renault seine Elektroautos ausschließlich in Frankreich produziert. Angesichts wachsender Konkurrenz durch chinesische Hersteller in Europa und eines sich wandelnden Marktumfelds prüft der Konzern nun eine breitere industrielle Aufstellung. Provost bezeichnete es als „wahrscheinlich und logisch“, dass Palencia künftig elektrische Modelle des C-Segments übernimmt. Das Werk sei die zentrale Fabrik für die Segmente C und D, in die das Unternehmen weiter investieren wolle.

Der Hintergrund ist die europäische Regulierung, insbesondere die verschärften Klimavorgaben für 2030. Europa habe sich klar für den Hochlauf der Elektromobilität entschieden, sagte Provost. Deshalb sei es folgerichtig, dass weitere Werke auf elektrische Antriebe umgestellt würden. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Standorte. Diese seien leistungsfähig, qualitativ stabil und arbeiteten inzwischen zu geringeren Produktionskosten als vor der Pandemie.

Zwei neue Modelle ab 2028 geplant

Nach Informationen aus der Branche bereitet Renault einen Industrieplan mit zwei Modellen vor, die ab 2028 in Palencia vom Band laufen könnten. Eines davon soll ein vollelektrisches Auto im C-Segment sein, vergleichbar mit einer zweiten Generation des Scenic E-Tech mit rund 4,5 Metern Länge. Ergänzend soll eine Variante mit Range-Extender vorgesehen sein. Hinzu komme eine neue Generation des Rafale im D-Segment mit etwa 4,7 Metern Länge und Plug-in-Technik. Für das Werk ergibt sich daraus ein mögliches Produktionsvolumen von rund 184.000 Autos pro Jahr.

Gleichzeitig betonte der Vorstandsvorsitzende, dass die internen Abstimmungen noch nicht abgeschlossen seien. „Jetzt müssen wir zeigen, dass das Projekt auf Kurs ist“, sagte er und verwies auf die ausstehende Bestätigung seiner spanischen Teams. Die Entscheidung steht zudem im Zusammenhang mit laufenden Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag in Spanien. Eine finale Zusage aus Frankreich dürfte erst nach Einigung erfolgen. Aktuell werden in Palencia die Modelle Austral, Espace und Rafale gefertigt.

Für das Werk in Valladolid sind im Rahmen dieses Plans zunächst keine neuen Modelle vorgesehen. Dort soll die Umstellung auf Elektromobilität erst zu Beginn des kommenden Jahrzehnts starten. Diese zeitliche Planung hatte Renault bereits dazu veranlasst, auf zwei Förderaufrufe des spanischen Perte-VEC-Programms zu verzichten, weil die Fristen nicht zur eigenen Roadmap passten.

Mit Blick auf die europäische Klimapolitik sprach sich Provost für einen „pragmatischen“ Ansatz aus, der die Industrie nicht überfordere. Er verwies darauf, dass eine schrittweise Transformation im Interesse der Kundschaft liege. Renault werde daher an einer Doppelstrategie festhalten: batterieelektrische Antriebe einerseits und Vollhybride andererseits. „Ich werde nicht zurückschauen; ich werde nur in Richtung Elektrifizierung schauen“, sagte er. Ziel sei es, bei Kosten und Technologie mit chinesischen Wettbewerbern mithalten zu können.

Modelloffensive und klare Prioritäten bei Qualität

Auch die Modelloffensive soll in den kommenden Jahren fortgesetzt werden. In Europa plant Renault eine ähnliche Taktung wie bisher, während außerhalb des Kontinents eine höhere Dynamik vorgesehen ist. Der Fokus liege dabei auf Qualität vor Quantität. Details will der Konzern im Rahmen seines Capital Markets Day vorstellen.

Parallel dazu verfolgt Renault bei Kooperationen ein zweigleisiges Konzept. In Europa setzt das Unternehmen auf technologische Eigenständigkeit. Provost betonte, die hauseigenen Plattformen seien wettbewerbsfähig und stießen auf Interesse bei Partnern wie Ford, Nissan oder Mitsubishi. Außerhalb Europas hingegen gehe man pragmatischer vor. In Indien arbeitet Renault mit Nissan im Werk Chennai zusammen, in Südkorea und Brasilien bestehen Projekte mit Geely. Europa bleibe der Kernmarkt mit vollständiger Unabhängigkeit, während internationale Allianzen das Wachstum beschleunigen sollen.

Quelle: Reuters – Renault is studying plan to build compact EVs in Spain, says CEO / La Tribuna – Provost (Renault): «Estoy esperando la respuesta de los equipos españoles para confirmar» la producción de eléctricos en Palencia

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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