REE entwickelt flexible Elektroplattform für modulare Anwendungen

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Michael Neißendorfer
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Das israelische Unternehmen REE Automotive (REE) und die KYB Corporation (KYB) haben eine strategische Partnerschaft zur Entwicklung von Radaufhängungen für zukünftige Elektrofahrzeug-Plattformen bekannt gegeben. Die semi-aktiven und aktiven Aufhängungssysteme des Automobilzulieferers KYB sollen die nächste Generation der Elektrofahrzeug-Plattform von REE vorantreiben, die uneingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten und kosteneffiziente, ausbaufähige Systemlösungen für die E-Mobilität bieten soll, so REE in einer aktuellen Mitteilung. Das Fachwissen von REE, einem Technologieunternehmen und Spezialisten bei Plattformen für Elektrofahrzeuge und dem weltweit tätigen Hydraulikhersteller KYB, soll den Güter-, Personen und Dienstleistungsverkehr mit Hilfe eines „revolutionären Designs für Elektrofahrzeuge grundlegend verändern“, heißt es.

Die Partnerschaft von REE mit KYB baut die globalen Fertigungskapazitäten von REE weiter aus. Außerdem wird eine neue Ebene der Aufhängungstechnologie innerhalb des REE Design-Konzeptes geschaffen, die alle Antriebsstrangkomponenten des Fahrzeugs (Lenkung, Bremsen, Aufhängung, E-Motor) in das einzelne Rad integriert. Dies ergibt eine komplett flache Plattform, die uneingeschränkte Design-Möglichkeiten, verbesserte Leistung und Sicherheit sowie modulare Anwendungen für jeden Fahrzeugtyp ermöglicht — von der kleinteiligen Güterlieferung inklusive dem Schwerlasttransport, vom Verkehrsknotenpunkt bis zum endgültigen Ziel (‚last mile’).

Wie viele andere Elektrofahrzeug-Plattformen folgt REE also einer Skateboard-Designphilosophie, bei der Batteriepacks, Federung und andere wichtige Komponenten in einem vertikal kompakten Paket untergebracht sind, das theoretisch nahezu jeden Karosserietyp unterstützen kann. Das Design von REE unterscheidet sich jedoch darin, dass jede Eckbaugruppe eine in sich geschlossene Einheit ist, mit einem Rad, einer Nabe, einem Motor, einer Aufhängung und einer elektronischen Steuereinheit in einem einzigen Modul, das in nur 18 Minuten ausgetauscht werden kann. Dieses Design trägt auch zur Flexibilität bei, da REE die Abmessungen der Plattform mit geringem Aufwand ändern kann.

Das Konzept könnte insbesondere für gewerbliche Flottenkunden nützlich sein, für welche Stillstandszeiten von Fahrzeugen zu Umsatzverlusten führen können. Eine sechsrädrige Version der E-Plattform von REE wurde bereits von Toyotas Nutzfahrzeugsparte Hino Motors vorgestellt, die eine Partnerschaft mit dem in Israel ansässigen Start-Up eingegangen ist.

Ein interessanter Aspekt der Strategie von REE ist auch, wie die Plattform hergestellt wird: Das Unternehmen verfügt über keine eigene Produktionsstätte. Stattdessen hat REE mehrere Partnerunternehmen mit überschüssiger Produktionskapazität identifiziert, welche die Produktion der Plattform übernehmen können — wie etwa Toyota, Mitsubishi und American Axle & Manufacturing. So erspart sich das Start-Up, einen nicht unerheblichen Kapitalaufwand in den Bau einer eigenen Anlage stecken zu müssen.

Quelle: REE — Pressemitteilung vom 21.05.2020 // CarBuzz — Israeli Startup Creates The Ultimate EV Platform

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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