Projekt EV-Fleet bestätigt Machbarkeit von Vehicle-2-Grid

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Michael Neißendorfer
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Ein weiterer Schritt hin zum bidirektionalen Laden: Die Übertragungsnetzbetreiberin TransnetBW hat gemeinsam mit Partnern im Projekt EV-Fleet einen Feldtest zur Regelleistungserbringung durch die E-Mobilität abgeschlossen. Zwischen Juni 2021 und Juni 2022 haben insgesamt 155 E-Autos am Praxistest teilgenommen.

Im Ergebnis zeige sich, so TransnetBW in einer aktuellen Mitteilung, dass die Vorhaltung und Lieferung von Regelreserve aus einem virtuellen Kraftwerk bestehend aus einer Vielzahl miteinander gepoolter E-Autos nicht nur theoretisch, sondern auch in der Praxis möglich ist. Die Aktivierung des Pools sowie einzelner Fahrzeuge basierend auf Sollwerten aus dem Netzleitsystem der TransnetBW erfolgte entsprechend den Anforderungen an die Erbringungsqualität für Regelreserve. Die gesammelten Erfahrungen weisen darüber hinaus den Weg für die nun nachfolgenden Entwicklungsschritte.

Mit EV-Fleet haben wir große Fortschritte zur künftigen Stabilisierung des Stromnetzes durch Elektrofahrzeuge gemacht“, sagt Kay Wiedemann, Teamleiter Marktentwicklung bei TransnetBW. Um das Stromnetz sicher zu betreiben, müssen Stromerzeugung und Stromverbrauch jederzeit im Gleichgewicht sein. Hierzu setzen die Übertragungsnetzbetreiber die sogenannte Regelreserve ein, die bisher überwiegend durch Pumpspeicherkraftwerke, konventionelle Erzeugungsanlagen oder Batteriespeicher erbracht wird.

Im Zuge der Mobilitäts- und Energiewende ergeben sich mit steigender Anzahl von Elektrofahrzeugen nun neue Potenziale für diese Systemdienstleistung. E-Fahrer können auf diese Weise sogar Einnahmen generieren. In einem Pilotprojekt bereits vor einigen Jahren verdiente ein E-Auto aufs Jahr gerechnet gut 1000 Euro. Mit den seitdem stark gestiegenen Strompreisen dürfte das Erlöspotenzial sogar noch gestiegen sein. „Mit dem Projekt haben wir wichtige Erfahrungen zur Messgenauigkeit, Datenerhebung und den Auswirkungen auf das Verteilnetz gesammelt, die nun in die weitere Entwicklungsarbeit einfließen“, so Wiedemann weiter.

Neben TransnetBW und dem niederländische Smart-Charging-Plattform-Betreiber Jedlix wurde der Feldversuch in mehreren Testphasen durch den Verteilnetzbetreiber Netze BW, dem Regelleistungsanbieter Next Kraftwerke sowie dem Fraunhofer IEE begleitet.

Im Projekt wurde einerseits die technisch-kommunikative Infrastruktur zur Bereitstellung und Aktivierung von Regelreserve durch an verschiedenen Orten platzierten E-Autos erprobt. Andererseits sind die Beteiligten der Frage nachgegangen, wie Ladevorgänge zukünftig so gesteuert werden können, dass dabei die jeweils aktuellen Bedingungen des örtlichen Verteilnetzes berücksichtigt werden und dort keine Netzengpässe durch das systemdienlich gesteuerte Laden entstehen.

In einer Weiterentwicklung des Konzepts sollen nun unter anderem die Ladeverluste sowie andere externe Einflüsse beim Ladeprozess stärker berücksichtigt werden. Zudem sind die Telemetriedaten der Fahrzeughersteller in Bezug auf die Messgranularität noch optimierungs­fähig, und es bedürfe weiterer Anstrengungen, um eine aktive Bilanzkreisbewirtschaftung zu ermöglichen.

Quelle: TransnetBW – Pressemitteilung vom 04.01.2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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