Wenn Unternehmen ihre Energieversorgung neu denken, stoßen sie oft schneller an Grenzen als erwartet. Photovoltaik auf dem Dach ist technisch inzwischen Routine. Schwieriger wird es, wenn zusätzlich Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur für Elektroautos und steigender Strombedarf zusammenkommen – vor allem dann, wenn der vorhandene Netzanschluss begrenzt ist.
Genau mit dieser Situation sehen sich viele Betriebe konfrontiert. Elektrifizierte Firmenflotten, neue Gebäude, steigende Energiepreise und regulatorische Anforderungen verändern die Rolle von Strom im Unternehmensalltag. Energie wird nicht mehr nur eingekauft und verbraucht. Immer häufiger entsteht sie direkt vor Ort, wird zwischengespeichert und intelligent gesteuert. Photovoltaik, Batteriespeicher, Ladepunkte und Energiemanagement wachsen dadurch zu integrierten Energiesystemen zusammen.
Welche technischen Lösungen sich daraus entwickeln und welche Erfahrungen Unternehmen bereits sammeln, war Thema des Sungrow Power Connect Day Anfang März im Porsche Center Leipzig. Installateure, Projektentwickler, Energieberater und Vertreter aus Industrie und Mobilitätsbranche diskutierten dort über neue Energiekonzepte, bei denen Stromerzeugung, Speicherung und Verbrauch enger miteinander verzahnt werden.
Sungrow zeigt, wie Energiesysteme im Unternehmen zusammenwachsen
Sungrow positioniert sich in diesem Umfeld als Anbieter verschiedener Komponenten entlang dieser Infrastruktur. Wechselrichter, Energiespeichersysteme und Ladepunkte gehören zum Portfolio. Nach Unternehmensangaben wurden weltweit bereits mehr als 1000 Projekte im Segment Commercial and Industrial umgesetzt. Dabei geht es nicht allein um die Installation einzelner Produkte, sondern um die Verbindung verschiedener Technologien zu einem steuerbaren Energiesystem. Veranstaltungen wie der Power Connect Day dienen deshalb auch dem Austausch über konkrete Erfahrungen aus Kundenprojekten.
Ein solcher Praxisbericht kam von Marco Kleinbub von Suntec Energiesysteme. Das Unternehmen beschäftigt rund 80 Mitarbeitende und ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Bereich Photovoltaik- und Energiesysteme aktiv. Gegründet wurde Suntec im Jahr 2002. Die ersten Anlagen entstanden buchstäblich auf dem Dachboden einer Garage. Heute blickt das Unternehmen auf mehrere tausend realisierte Projekte zurück. Insgesamt wurden Photovoltaikanlagen mit rund 290.000 kWp Leistung installiert sowie Batteriespeicher mit knapp 19 MWh Kapazität umgesetzt.
Die kumulierte Stromproduktion dieser Anlagen beläuft sich laut Kleinbub auf rund 3.750.000.000 Kilowattstunden. Um diese Zahl greifbarer zu machen, wählte er einen Vergleich aus der Elektromobilität. „Das entspricht genug Energie, um mit einem Elektroauto etwa 525 Mal die Erde zu umrunden“, erklärte er während seines Vortrags.
Ein neuer Firmenstandort wird zum Experimentierfeld der Energiewende
Im Mittelpunkt der Präsentation stand jedoch nicht die Vergangenheit des Unternehmens, sondern ein aktuelles Projekt am eigenen Standort. Suntec errichtet derzeit ein neues Firmengebäude, das energietechnisch vollständig neu gedacht wurde. Ziel war es, Photovoltaik, Energiespeicher und Ladeinfrastruktur von Beginn an miteinander zu kombinieren. Gleichzeitig sollte der Standort auf eine wachsende Zahl von Elektroautos vorbereitet werden.
Die Rahmenbedingungen erwiesen sich allerdings als anspruchsvoll. Der vorhandene Netzanschluss ist auf 200 Ampere begrenzt. Das entspricht einer Leistung von etwa 132 kW. Für ein Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitenden und einer elektrifizierten Flotte ist das eine klare Einschränkung. Kleinbub formulierte es während seines Vortrags zugespitzt: Wenn alle Kolleg:innen gleichzeitig ihre Autos laden wollten, würde die verfügbare Leistung schnell an ihre Grenzen stoßen.
Gleichzeitig verfügt der Standort über eine Photovoltaikanlage mit rund 670 kWp Leistung. Diese verteilt sich auf Dachflächen, Zäune und gebäudeintegrierte Elemente. Damit wäre grundsätzlich genügend Solarstrom vorhanden. Das eigentliche Problem lag darin, Erzeugung, Netzanschluss und Ladeinfrastruktur miteinander in Einklang zu bringen.
Zwei Wege zum Ziel: Netz ausbauen oder Energie intelligent steuern
Vor diesem Hintergrund analysierte das Unternehmen zwei mögliche Lösungswege. Eine erste Variante orientierte sich an einem klassischen Ausbau der Netzinfrastruktur. Eine Transformatorstation mit Mittelspannungsanschluss hätte die verfügbare Leistung auf rund 800 kW erhöht. Damit wäre ausreichend Kapazität vorhanden gewesen, um Gebäude, Ladeinfrastruktur und weitere Verbraucher zu versorgen.
Technisch wäre diese Lösung relativ unkompliziert gewesen. Allerdings hätte sie mehrere Nachteile mit sich gebracht. Die Flexibilität im Energiemanagement wäre begrenzt geblieben. Ein großer Teil der benötigten Energie wäre dauerhaft aus dem Netz bezogen worden. Zusätzlich sind Genehmigungsverfahren für Mittelspannungsanschlüsse häufig komplex. Auch Netzgebühren und Betriebskosten können in diesem Szenario steigen.
Deshalb entschied sich Suntec für eine zweite Variante, die stärker auf lokale Energieflüsse setzt. Das Konzept basiert auf einem integrierten Energiesystem aus Photovoltaik, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und intelligentem Energiemanagement. Ziel ist es, den vorhandenen Netzanschluss effizient zu nutzen und möglichst viel Solarstrom direkt vor Ort zu verbrauchen.
Batteriespeicher als Herzstück eines neuen Energiesystems
Der Batteriespeicher bildet dabei das zentrale Element der Architektur. Zwei Speichersysteme mit jeweils 225 kWh Kapazität sind bereits installiert. Ein dritter Speicher ist vorgesehen, sodass künftig rund 675 kWh Speicherkapazität zur Verfügung stehen sollen. Ergänzt wird das System durch einen Hybridwechselrichter mit Notstromfunktion sowie mehrere Wechselrichter für die Photovoltaikanlage.
Ein Energiemanagementsystem übernimmt die Steuerung der Energieflüsse. Es entscheidet, wann Solarstrom direkt verbraucht, wann Energie im Speicher abgelegt und wann Strom ins Netz eingespeist wird. Gleichzeitig koordiniert es die Ladeinfrastruktur am Standort.
Ladeinfrastruktur wird Teil eines intelligent gesteuerten Energiesystems
Gerade dieser Punkt spielt eine zentrale Rolle. Am Firmengebäude entstanden mehrere Ebenen der Ladeinfrastruktur. Ein Schnellladesystem mit vier Dispensern stellt mehrere Ladepunkte bereit und hat innerhalb des Systems höchste Priorität. Diese Infrastruktur ist auch öffentlich zugänglich.
Zusätzlich gibt es 30 AC-Ladestationen mit jeweils 11 kW Leistung für Mitarbeitende. Die Energie für diese Ladepunkte stammt bevorzugt aus der Photovoltaikanlage oder aus dem Batteriespeicher. Weitere fünf AC-Ladepunkte mit 22 kW bleiben verfügbar, solange der Gesamtstromverbrauch am Standort unter einer definierten Grenze bleibt.
Durch diese Priorisierung lassen sich auch bei begrenzter Netzleistung zahlreiche Ladepunkte betreiben. Das Energiemanagement verteilt die verfügbare Leistung dynamisch und sorgt dafür, dass Strom dort ankommt, wo er aktuell benötigt wird.
Wenn Speicher Stromkosten senken und neue Erlöse ermöglichen
Der Batteriespeicher erfüllt dabei mehrere Funktionen gleichzeitig. Zum einen erhöht er den Eigenverbrauch des erzeugten Solarstroms. Überschüssige Energie wird zwischengespeichert und kann später genutzt werden, etwa wenn Mitarbeitende ihre Autos laden. Zum anderen unterstützt der Speicher das Lastmanagement. Wenn der Strombedarf kurzfristig steigt, kann zusätzliche Leistung bereitgestellt werden.
Darüber hinaus ermöglicht der Speicher eine weitere Anwendung: den Handel mit Strom an der Börse. In Zeiten niedriger Preise kann Energie gespeichert und bei höheren Preisen wieder eingespeist werden. Dieses sogenannte Arbitrage-Modell gehört inzwischen zu den zusätzlichen Geschäftsmodellen, die Batteriespeicher ermöglichen.
Auch wirtschaftlich wurde der Vergleich zwischen beiden Lösungswegen während der Präsentation detailliert dargestellt. Der Ausbau des Netzanschlusses mit Transformatorstation hätte Investitionskosten von rund 246.000 Euro verursacht. Das integrierte System aus Batteriespeicher, Energiemanagement und bestehendem Netzanschluss liegt mit etwa 259.000 Euro etwas darüber.
Der größere Unterschied zeigt sich bei den laufenden Kosten. Für die Trafostation und den Netzbezug wären jährlich rund 51.930 Euro kalkuliert worden. Beim integrierten Energiesystem liegen die laufenden Kosten laut Berechnung bei etwa 14.000 Euro pro Jahr. Hauptgrund ist der deutlich geringere Strombezug aus dem Netz.
Die Fallstudie verdeutlicht, wie stark sich die Rolle von Energiesystemen im gewerblichen Umfeld verändert. Photovoltaik, Speicher und Ladeinfrastruktur werden zunehmend als miteinander verbundene Bausteine betrachtet. Unternehmen stehen dabei vor ähnlichen Fragen: Wie lässt sich lokal erzeugte Energie effizient nutzen, wie lassen sich Netzanschlüsse entlasten und wie kann eine wachsende Zahl von Elektroautos integriert werden.
Disclaimer: Sungrow hat zum Sungrow Power Connect Day nach Leipzig eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.








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