Preise für Lithium-Ionen-Akkus erstmals leicht gestiegen

Preise für Lithium-Ionen-Akkus erstmals leicht gestiegen
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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 4 min

Seit mehr als zehn Jahren ging es nur nach unten. Nun allerdings haben steigende Preise für Rohstoffe und Batteriekomponenten sowie eine steigende Inflation zum ersten mal seit 2010 dazu geführt, dass die Preise für Lithium-Ionen-Batteriepakete ebenfalls gestiegen sind: auf 151 US-Dollar (etwa 142 Euro) je kWh im Jahr 2022, ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. BloombergNEF geht davon aus, dass die Preise im kommenden Jahr auf einem ähnlichen Niveau verharren werden, was dem historischen Trend weiter trotzt. Aber danach sollen die Preise rasant sinken.

Die genannten Zahlen stellen einen Durchschnitt für mehrere Batterieanwendungen dar, einschließlich verschiedener Arten von Elektroautos, Elektro-Bussen und stationären Speicherprojekten. Konkret für Batteriepakete in Elektroautos lagen die Preise 2022 im Durchschnitt bei 138 US-Dollar (etwa 130 Euro) je kWh. Auf reiner Zellebene betrugen die durchschnittlichen Preise nur 115 US-Dollar (etwa 108 Euro) je kWh. Dies veranschaulicht, dass die Zellen im Durchschnitt nun gut 83 Prozent des Gesamtpaketpreises ausmachen. In den vergangenen drei Jahren ist das Zell-zum-Pack-Kostenverhältnis mehr und mehr von der traditionellen 70:30-Aufteilung abgewichen. Dies ist teilweise auf Änderungen am Verpackungsdesign zurückzuführen, wie etwa die Einführung von Zell-zu-Pack-Ansätzen, die dazu beigetragen haben, die Kosten zu senken.

Nach Regionen betrachtet waren die Preise für Akkupakete in China mit 127 US-Dollar (119 Euro) je kWh am billigsten. Die Batteriepacks in den USA und Europa waren 24 Prozent bzw. 33 Prozent teurer. Höhere Preise spiegeln die relative Unreife dieser Märkte, die höheren Produktionskosten, das vielfältige Anwendungsspektrum und Batterieimporte wider, so BloombergNEF. Vor allem am oberen Ende der Fahrzeugportfolios treiben geringes Volumen und maßgeschneiderte Aufträge die Preise in die Höhe.

Die Preise wären 2022 weiter gestiegen, wenn nicht die kostengünstigere Zellchemie namens LFP (Lithium-Eisenphosphat) und eine kontinuierliche Reduzierung des teuren Rohstoffs Kobalt preisdämpfend gewirkt hätten, so die Analysten. Im Durchschnitt waren LFP-Zellen im Jahr 2022 gut 20 Prozent günstiger als die klassischen Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen (NMC). Aber selbst die kostengünstigere Variante LFP, die insbesondere den Preisen von Lithiumcarbonat ausgesetzt ist, hat die steigenden Kosten in der gesamten Lieferkette gespürt: Die Preise für LFP-Akkupacks stiegen 2022 um 27 Prozent im Vergleich zu 2021.

Elektroauto-Batterie-Kosten
BloombergNEF

Die Erhöhungen der Rohstoff- und Komponentenpreise haben am stärksten zu den höheren Zellpreisen beigetragen, die 2022 beobachtet wurden. Inmitten dieser Preiserhöhungen für Batteriemetalle haben sich große Batteriehersteller und Autohersteller aggressiveren Strategien zur Absicherung gegen Volatilität zugewandt, einschließlich Direktinvestitionen in Bergbau- und Raffinerieprojekte“, sagt Evelina Stoikou, Mitarbeiterin für Energiespeicher bei BNEF und Hauptautorin des Berichts. Während sich die Preise für wichtige Batteriemetalle wie Lithium, Nickel und Kobalt in den letzten Monaten leicht abgeschwächt haben, geht BNEF davon aus, dass die durchschnittlichen Batteriepreise 2023 nochmals leicht auf 152 US-Dollar je kWh steigen werden.

Erst für 2024 gehen die Analysten von BNEF davon aus, dass der Batteriepreis wieder sinken wird, da dann die Lithiumpreise voraussichtlich nachlassen werden, da mehr Abbau- und Raffineriekapazität zur Verfügung steht. Danach sollen die Preise rasant sinken: Basierend auf den aktualisierten Zahlen prognostiziert die Batteriepreisumfrage 2022 von BNEF, dass die durchschnittlichen Paketpreise bis 2026 unter 100 US-Dollar je kWh fallen sollten. Dies ist zwei Jahre später als bisher erwartet.

„Jedes Jahr neue Rekorde“

Trotz eines Rückschlags bei Preisrückgängen erreicht die Batterienachfrage jedes Jahr neue Rekorde“, erklärt Yayoi Sekine, Leiter des Bereichs Energiespeicherung bei BNEF. Die Nachfrage habe 2022 gut 600 GWh erreicht, fast doppelt so viel wie noch 2021. Eine derart hohe Wachstumsrate sei eine echte Herausforderung für die Branche. Gleichzeitig aber steigen auch die Investitionen in den Sektor und die technologischen Innovationen schnell.

Kontinuierliche Investitionen in Forschung und Entwicklung, Verbesserungen des Herstellungsprozesses und Kapazitätserweiterung in der gesamten Lieferkette werden dazu beitragen, die Batterietechnologie zu verbessern und die Kosten in den nächsten zehn Jahren deutlich zu senken, so BloombergNEF. Es dürfe davon ausgegangen werden, dass Technologien der nächsten Generation wie Silizium- und Lithiummetallanoden, Festkörperelektrolyte und neue Kathodenmaterial- und Zellherstellungsverfahren eine wichtige Rolle für weitere Preissenkungen spielen werden.

Quelle: BloombergNEF – Lithium-ion Battery Pack Prices Rise for First Time to an Average of $151/kWh

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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