Polestar hat seine Wachstumsprognose für 2026 deutlich nach unten korrigiert. Statt des ursprünglich angepeilten zweistelligen Zuwachses rechnet der schwedische Elektroautobauer nun nur noch mit einem niedrigen bis mittleren einstelligen Volumenwachstum, wie das Unternehmen im Rahmen seiner Halbjahresbilanz mitteilte. Grund für die Korrektur ist eine Entscheidung des US-Handelsministeriums, die Polestar künftig den Verkauf neuer Autos in den Vereinigten Staaten untersagt.
Ab dem Modelljahr 2027 darf der Hersteller keine Neuwagen mehr auf dem US-Markt anbieten. Die Maßnahme richtet sich gegen Autos mit Technik, die einen Bezug zu China oder Russland aufweist. Polestar gehört mehrheitlich zum chinesischen Geely-Konzern und ist damit von der Regelung betroffen, während die ebenfalls zu Geely zählende Marke Volvo Cars nicht darunter fällt.
Der Umbruch zeigt sich bereits in den Zahlen des ersten Halbjahres. Der US-Umsatz brach von umgerechnet rund 80 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025 auf nur noch etwa drei Millionen Euro ein. Für die Restrukturierung des US-Geschäfts kalkuliert Polestar mit Kosten von rund 181 Millionen Euro, wovon nach Unternehmensangaben knapp 112 Millionen Euro unmittelbar auf die Entscheidung der US-Regierung zurückgehen.
Weil der Verkauf von Neuwagen künftig wegfällt, will sich Polestar in den USA auf den Kundenservice konzentrieren. Nach Angaben des Konzerns dürften im Zuge der Restrukturierung weitere Kosten hinzukommen, etwa durch Stellenabbau. Vorstandschef Michael Lohscheller sagte, das Unternehmen arbeite „in einem herausfordernden Umfeld“ und konzentriere sich „weiterhin diszipliniert auf die Verbesserung des Geschäfts“.
Europa und frisches Kapital stützen die Bilanz von Polestar
Insgesamt sank der Konzernumsatz im ersten Halbjahr um 4,4 Prozent auf umgerechnet rund 1,17 Milliarden Euro. Die Bruttomarge verbesserte sich von minus 49 Prozent auf minus 8 Prozent, was jedoch vor allem an einer Wertberichtigung aus dem Vorjahr lag. Der operative Verlust reduzierte sich um 43 Prozent auf rund 541 Millionen Euro, der Nettoverlust sank um 29 Prozent auf etwa 724 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 hatte zudem eine Abschreibung von umgerechnet rund 622 Millionen Euro die Bilanz zusätzlich belastet.
Die Auslieferungen blieben trotz der Turbulenzen in den USA weitgehend stabil bei 30.423 Fahrzeugen. Polestar führt das auch auf ein Händlernetz zurück, das im Jahresvergleich um 39 Prozent gewachsen ist. Besonders in Europa legte die Marke zu, die Region macht inzwischen rund 70 Prozent des Gesamtgeschäfts aus. In Deutschland stieg der Umsatz im ersten Halbjahr auf umgerechnet etwa 93 Millionen Euro.
Um die Finanzlage zu stärken, hat Polestar neues Eigenkapital in Höhe von umgerechnet rund 602 Millionen Euro von externen Investoren eingesammelt. Zusätzlich wurden Gesellschafterdarlehen von Geely Sweden und Volvo Cars über insgesamt rund 550 Millionen Euro in Eigenkapital umgewandelt. Die Laufzeit des verbleibenden Aktionärsdarlehens von Volvo Cars über rund 568 Millionen Euro wurde von Dezember 2028 auf Dezember 2031 verlängert. Zum 30. Juni 2026 verfügte der Konzern über liquide Mittel von umgerechnet rund 764 Millionen Euro.
An der Nasdaq geriet die Polestar-Aktie im Zuge der Prognosesenkung zeitweise deutlich unter Druck. Für die kommenden Jahre kündigte der Konzern weitere Modelle an, nach dem Marktstart von Polestar 4 und Polestar 5 im laufenden Jahr sollen bis 2029 zwei weitere neue Autos folgen. Die ersten Polestar 5 sollen in den kommenden Wochen an Kund:innen ausgeliefert werden, zudem startete Polestar den Verkauf im Baltikum.
Quelle: Polestar – Pressemitteilung / Handelsblatt – Autobauer senkt Prognose – Aktie fällt um mehr als 30 Prozent









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