PEM präsentiert brennstoffzellenfähigen Schwerlast-Elektro-Lkw

PEM präsentiert brennstoffzellenfähigen Schwerlast-Elektro-Lkw
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PEM RWTH Aachen

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Der Lehrstuhl „Production Engineering of E-Mobility Components“ (PEM) der RWTH Aachen hat seinen ersten fahrbereiten Prototypen eines Schwerlast-Elektro-Lkw vorgestellt, der mit einer Brennstoffzelle zur Reichweitenverlängerung ausgestattet werden soll. Das Fahrzeug wird im Zuge des vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr mit rund 16,9 Millionen Euro geförderten Forschungsprojekts „SeLv“ entwickelt und wurde zur Woche der Elektromobilität und zu den 10. Elektromobilproduktionstagen (EPT) in Aachen nun erstmals präsentiert. In der nächsten Entwicklungsstufe sollen die Brennstoffzelle und das Tanksystem implementiert werden.

Die Reichweite des E-Lkw soll dank eines intelligenten, prädiktiven Energiemanagements, das die Effizienz signifikant erhöhe, künftig mehr als 1000 Kilometer betragen. „Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der es kinderleicht macht, sämtliche Routen inklusive Tankstopps und Pausen durch die Zieleingabe automatisch zu organisieren“, sagt Projektleiter Fabian Schmitt. Dafür sorge ein vernetztes, dauerhaft aktualisierbares System, das mit der Spedition verbunden ist und eine auf der Plattform Android Automotive OS basierende Bedienlösung für das Fahrpersonal vorsieht. „Durch schnelles ‚Nachtanken‘ bleiben die logistischen Abläufe bestmöglich erhalten“, stellt Schmitt in Aussicht.

Das Projekt soll in Zukunft durch das aus dem Lehrstuhl PEM hervorgegangene Unternehmen Moion weitergeführt und industrialisiert werden. Das RWTH-Spin-off soll künftig als Anbieter der Lkw-Umrüstungen und des dafür erforderlichen „Powertrain-Kits“ agieren.

„Die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs ist eine große Herausforderung für den Klimaschutz“

Die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs ist nach wie vor eine große Herausforderung für den Klimaschutz“, sagt PEM-Leiter Professor Achim Kampker: Während 20 Prozent aller Treibhausgasemissionen Deutschlands dem Verkehrs- und Transportsektor zuzuschreiben seien, entfielen 35 Prozent davon speziell auf Schwerlast- und Nutzfahrzeuge. „Um den hohen Energiebedarf schwerer Lastwagen zu bedienen und einen lokal emissionsfreien Langstreckenverkehr zu realisieren, müssen wir die technologischen Vorteile der Brennstoffzelle ausnutzen“, betont Kampker. Dabei sei neben der Flottenerneuerung auch die Elektrifizierung der vielen Bestandsfahrzeuge notwendig.

Hinter dem Projekt „SeLv“ steht das Bestreben nach „emissionsfreier Logistik im Schwerlastverkehr mittels Elektrifizierungsbaukasten und wirtschaftlichem Produktionssystem“. Ziel des Forschungsvorhabens ist die Entwicklung eines modularen elektrischen Antriebsstrangs mit Brennstoffzellen-Range-Extender für Nutzfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 41 Tonnen. Der auf individuelle Bedürfnisse anpassbare Antriebsstrang soll für Nachrüstlösungen ebenso geeignet sein wie für Neufahrzeuge.

Quelle: PEM RWTH Aachen – Pressemitteilung vom 28.10.2022

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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