Die Autoindustrie zählt zu den wichtigsten Industriezweigen Europas, in der EU hängen die Jobs von über sechs Millionen Menschen von ihr ab. Dass der Wandel, in dem die gesamte Branche steckt, viele Jobs kosten und Anforderungen verändern wird, steht dabei außer Frage. Eine neue Studie von OECD und EU-Kommission zeigt nun konkret, wie stark Elektrifizierung, Digitalisierung und die chinesische Konkurrenz den Jobmarkt und die Qualifikationsansprüche verändern.
Grundsätzlich sei die Gesamtbeschäftigung der Branche im Zeitraum zwischen 2008 und 2025 weitgehend stabil geblieben. Allerdings ist seit 2019 in Fahrzeugfertigung und Zulieferindustrie ein klarer Rückgang zu beobachten. Durch diesen sanken die Beschäftigungszahlen in der Fahrzeugfertigung von 2019 bis 2023 um circa 9 Prozent. Auf Seiten der Zulieferer gingen ebenfalls Arbeitsplätze verloren, wobei sich „Restrukturierungsankündigungen“ und Stellenkürzungen in den letzten Jahren häufen.
Zu beobachten ist auch die Verlagerung der Beschäftigung von herkömmlichen „Autoländern“ wie Deutschland und Frankreich nach Mittel- und Osteuropa. Dort entstehen der Untersuchung zufolge gerade immer mehr Montage- und Zulieferjobs. In Deutschland betrug die Beschäftigungszahl in der Autoindustrie dem Statistischen Bundesamt zufolge im Juni 2026 nur noch 691.500. Das ist der niedrigste Stand seit 2005.
Neue Lieferketten, neue Abhängigkeiten und veränderte Arbeit
Der Anteil von Vorleistungen, welche von anderen EU-Staaten erbracht werden, stieg in den letzten 30 Jahren von 17 auf 25 Prozent. Zudem stieg die Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten, vor allem auch in Bezug auf fortgeschrittene Elektrotechnik und Batterien. Demnach verschiebt sich die Wertschöpfung sowohl innerhalb Europas, als auch auf globaler Ebene und internationale Zulieferstrukturen gewinnen weiter an Relevanz.
Gleichzeitig berichten fast 80 Prozent der Beschäftigten in der Fahrzeugfertigung von deutlichen Veränderungen des Arbeitsumfeldes, wobei rund ein Drittel keine Weiterbildungen erhält. Davon sind vor allem kleinere Unternehmen betroffen, während große Hersteller häufiger über bewährte Weiterbildungssysteme verfügen. Eine zentrale Forderung der Studie ist daher auch die bessere Zugänglichkeit von Weiterbildungen für Beschäftigte aus kleineren Firmen.
Arbeitnehmer als Verlierer und EU unter Zugzwang
Laut den Daten der Untersuchung verdienen frisch Entlassene im ersten Jahr im Schnitt 57 Prozent weniger als nach wie vor Beschäftigte. Im Dienstleistungssektor beträgt dieser Abstand im Vergleich nur etwa 43 Prozent. Erschreckend ist zudem, dass die Einkommen von aus der Automobilbranche entlassenen auch sechs Jahre nach dem Jobverlust immer noch 20 bis 25 Prozent unter dem Gehalt von immer noch angestellten liegen.
Um dem Wegfall von Jobs entgegenzuwirken, startete die EU-Kommission 2025 einen „European Skills Guarantee“-Pilot, welcher zunächst mit 14,5 Millionen Euro ausgestattet ist. Im Juli dieses Jahres starteten bereits die ersten Pilotprojekte, welche knapp 1000 Beschäftigten durch Weiterbildung, Umschulung und Co. den Wechsel in andere Branchen erleichtern sollen.
Dies ist zwar ein Anfang, allerdings arbeiten in der Branche europaweit, wie zuvor erwähnt, mehr als sechs Millionen Menschen. Daher wird sich erst noch zeigen müssen, ob die bisherigen Maßnahmen der EU auch in diesem Maßstab wirken können. Die OECD fordert zudem zusätzlich Einkommens- und Beschäftigungsunterstützung, um Beschäftigte bei der Bewältigung der Umstrukturierung zu unterstützen.
Quellen: Ecomento – Auswirkungen der Autowende auf Beschäftigung und Qualifikationen: Studie / OECD – The EU automotive industry at a crossroads / Statistisches Bundesamt – Beschäftigung in der Automobilindustrie auf niedrigstem Stand seit 2005







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