Nissan denkt darüber nach, künftige Elektromodelle für Europa auf chinesischen Plattformen aufzubauen. CEO Ivan Espinosa skizzierte diese Möglichkeit auf der Future of the Car-Konferenz der Financial Times in London – als Teil einer breiteren Strategie, das defizitäre Europageschäft des japanischen Automobilherstellers auf eine tragfähige Grundlage zu stellen. Dies berichtet Automotive News Europe Ende vergangener Woche.
Der Hintergrund: Nissans Marktanteil in Europa ist im ersten Quartal auf 2,5 Prozent gesunken, nach 2,9 Prozent im Vorjahreszeitraum. Damit liegt der Konzern inzwischen hinter der Geely-Gruppe – zu der Volvo, Polestar und Lotus gehören – die auf 2,8 Prozent kommt. Auch chinesische Marken wie MG (SAIC), BYD und Chery liegen mit jeweils rund zwei Prozent Marktanteil dicht auf. „Der Wettbewerb mit chinesischen Anbietern wird immer intensiver“, sagte Espinosa. „Traditionell haben wir viel in spezifische Produkte für Europa investiert. Bei unserem Volumen hat sich das als nicht nachhaltig erwiesen.“
Künftig will Nissan seine drei größten Märkte – USA, China und Japan – als Basis für Modelle nutzen, die dann auch nach Europa exportiert werden. Damit soll die Kostenbelastung auf das kleinere Europageschäft verringert werden. „Was wir tun, ist tatsächlich, einen nachhaltigen Weg zu finden, in Europa präsent zu bleiben“, so Espinosa. Da der Elektroauto-Markt in den USA und Japan noch vergleichsweise klein ist, könnte China zur zentralen Plattformquelle werden. Als weitere Option nannte der CEO die bereits bestehende, informellere Partnerschaft mit Renault.
Neue Modelle aus China, neue Wege nach Europa
In China hat Nissan gemeinsam mit Partner Dongfeng in den vergangenen zwölf Monaten drei neue elektrifizierte Mittelklassemodelle auf den Markt gebracht, zuletzt den NX8 SUV – erhältlich als reines Elektroauto und als Variante mit Range-Extender. Den Elektrosedan N7 exportiert Nissan bereits in Märkte in Südostasien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Europa wird dabei „beobachtet“, wie Espinosa formulierte. Eine Entscheidung solle „zu gegebener Zeit“ fallen.
Parallel dazu steht das Werk im englischen Sunderland im Fokus. Die Fabrik produziert derzeit den Leaf, den Qashqai und den Juke – und soll noch in diesem Jahr ein vollelektrisches Juke-Modell hinzubekommen. Gleichzeitig verdichtet Nissan die Fertigung auf eine einzige Linie, um Kapazitäten für mögliche Drittanbieter freizumachen. Berichten zufolge laufen Gespräche mit Dongfeng und Chery über eine Nutzung der freien Produktionskapazitäten. Espinosa bestätigte Verhandlungen mit Dritten, ohne Namen zu nennen: „Das Werk in Sunderland ist sehr wettbewerbsfähig. Was fehlt, ist Volumen.“
Auf der Zulieferseite bleibt Renault ein wichtiger Partner. Konzernchef François Provost signalisierte Offenheit: „Wir haben bisher keine Gespräche geführt, aber alle meine Plattformen stehen Nissan und Ivan offen.“ Renault produziert bereits den elektrischen Micra für Nissan auf der Basis der Renault 5 und wird künftig auch eine Version des elektrischen Twingo beisteuern.
Quelle: Automotive News Europe – Nissan CEO Ivan Espinosa: Chinese platforms could underpin future European EVs









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