Tesla hat in dieser Woche mit der Auslieferung seines für den Fernverkehr ausgelegten Elektro-Lkw Semi an erste Kund:innen begonnen, fast neun Jahre nachdem Elon Musk das Fahrzeug erstmals vorgestellt hatte. Der Schritt fällt in eine Phase, in der die Dieselpreise in den USA Rekordniveaus erreicht haben, und markiert für den Autobauer, bislang vor allem für elektrische Limousinen und SUVs bekannt, den Einstieg in den Markt für kommerzielle Frachttransporte.
Bei einer Webcast-Veranstaltung spät am Donnerstagabend im Werk in Sparks, Nevada, standen Elektro-Lkw mit den Logos von PepsiCo, DHL und US Foods auf dem Gelände, während Vertreter:innen der beteiligten Unternehmen auf die Bühne gebeten wurden. Musk selbst war nicht vor Ort, meldete sich aber per Videobotschaft zu Wort: „Ich würde empfehlen, mehr Bestellungen aufzugeben, falls ihr das noch nicht getan habt, aber die Wartezeit ist bereits erheblich.“
Die Ursprünge des Projekts reichen bis 2017 zurück, als Musk den Semi erstmals ankündigte. Ursprünglich sollte die Produktion bereits 2019 beginnen, tatsächlich verzögerte sich der Prozess jedoch über Jahre. Erste, limitierte Lieferungen an Kund:innen wie PepsiCo erfolgten Ende 2022 in den Vereinigten Staaten, zwischen Ankündigung und diesem ersten Schritt lagen damit bereits fünf Jahre. Verzögerungen, wachsende Konkurrenz und eine Kehrtwende in der US-Förderpolitik für Elektrofahrzeuge nährten seither wiederholt Zweifel an der tatsächlichen Nachfrage nach dem schweren Truck.
Im April lief der erste Semi von der für hohe Stückzahlen ausgelegten Fertigungslinie, die Serienproduktion sollte ursprünglich noch in diesem Jahr anlaufen. Im Juli revidierte Tesla diese Zeitplanung im Aktionärsbrief: Die Produktion solle demnach erst 2026 beginnen, eine für dieses Jahr geplante Serienfertigung entfällt damit. Gegenüber dem einst für 2019 angepeilten Start bedeutet das eine Verschiebung um rund sieben Jahre. Konkrete Angaben zu Produktionsvolumen oder Preisen der E-Lkw machte das Unternehmen bei der Veranstaltung nicht. Stattdessen bekräftigte Tesla am Standort in Nevada erneut das Ziel, künftig 50.000 Semi pro Jahr zu fertigen.
Große Bestellungen trotz aller Verzögerungen
Bei der Reichweite setzt Tesla auf ein zentrales Verkaufsargument gegenüber Speditionen und Flottenbetreibern. Die Langstreckenversion des Semi schafft beladen rund 805 Kilometer (500 Meilen) mit einer Ladung, die Standardvariante kommt auf rund 523 Kilometer (325 Meilen). Zur Langstreckenversion sagte Dan Priestley, bei Tesla als Director of Semi Truck Engineering für die technische Entwicklung des Elektro-Lkw zuständig: „Das sind 500 echte Meilen. Unsere Kund:innen haben das bestätigt.“
Trotz der langen Verzögerungen bei der Serienfertigung zeigt sich am Markt konkretes Interesse an dem Elektro-Lkw. Nach Angaben der auf saubere Transportlösungen spezialisierten Organisation Catalyst Mobility erhielt Tesla in den vergangenen Tagen eine umfangreiche Bestellung von 2500 Semi durch eine Koalition der weltweit größten Frachteigner, der unter anderem die Konzerne Microsoft und PepsiCo angehören. Diese Menge entspricht laut der Organisation nahezu dem Doppelten der bislang bestehenden US-amerikanischen Flotte an elektrischen Class-8-Lkw.
Bereits im vergangenen Monat hatte das schwedische Frachttechnologieunternehmen Einride eine eigene Vereinbarung über 500 zusätzliche Semi für die eigene Flotte bekanntgegeben. Beide Bestellungen ereignen sich zu einem Zeitpunkt, an dem Tesla selbst keine verbindlichen Zusagen zu Produktionsmengen oder Preisen gemacht hat, während Musk zugleich ausdrücklich von einer bereits erheblichen Wartezeit für neue Bestellungen sprach.
Quelle: Reuters – Tesla is beginning Semi electric truck deliveries









Wird geladen...