Neuer Hybridantrieb von Mahle spart CO2 und Kosten

Neuer Hybridantrieb von Mahle spart CO2 und Kosten
Copyright:

Mahle

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Der Automobilzulieferer Mahle hat einen neuen, vollständig integrierten und modularen Hybridantrieb entwickelt, der auf eine Vielzahl von Fahrzeuganwendungen zugeschnitten werden kann. Der Mahle Modular Hybrid Powertrain (MMHP) ist ein vollständig integrierter Plug-in-Hybridantrieb mit einem besonders effizienten 2- oder 3-Zylinder-Turbo-Benzinmotor, der auf den neuesten Technologien des Unternehmens basiert. Er bietet im Vergleich zu bekannten Hybridtechnologien gleich mehrere Vorteile: Es ist kosteneffizienter, kompakter und leichter.

Die Leistungsfähigkeit des im MMHP eingesetzten elektrischen Antriebsstrangs reduziert die Anforderungen an den Verbrennungsmotor und macht so die Entwicklung einer kostengünstigen „Dedicated Hybrid Engine (DHE)“ möglich. Das Motorenkonzept wurde ausschließlich für Hybridanwendungen konzipiert und profitiert von den jüngsten Fortschritten beim passiven MAHLE-Jet-Ignition-System (MJI). Das passive MJI-System besteht aus einer kleinen Vorkammer mit einer konventionellen Zündkerze, die im Motorbrennraum eingebaut ist. Es erzeugt heiße Radikalstrahlen; diese sorgen für eine sehr kurze Verbrennungsdauer im Zylinder. So werden ein hohes Verdichtungsverhältnis sowie eine hohe Abgasrückführungsrate möglich, gleichzeitig sinkt der Kraftstoffverbrauch. Kostenreduzierend wirken sich die Verwendung einer Saugrohreinspritzung (PFI), einer einzelnen obenliegenden Nockenwelle (SOHC) ohne variable Ventilsteuerung und einer einfachen Zweiventiltechnik aus.

„Um Strafzahlungen zu vermeiden, müssen Fahrzeughersteller bis 2030 im Flottendurchschnitt die gesetzliche Vorgabe der EU von 59,4 Gramm CO2 pro Kilometer einhalten. Zur Umsetzung dieser Vorgabe setzt sich die Elektrifizierung branchenweit zunehmend als führende Technologie durch. Die Weiterentwicklung der Hybridtechnik ist für die gesamte Branche entscheidend, um die zukünftigen Emissionsziele erreichen zu können. Der Fokus auf geringere Emissionen und die strengen zeitlichen Vorgaben haben dazu geführt, dass die Entwicklung neuer Fahrzeuge und Technologien in einem wesentlich engeren Zeitplan erfolgen muss. Der Mahle Modular Hybrid Powertrain (MMHP) bietet den Fahrzeugherstellern eine kostengünstige und schnelle Lösung und entlastet sie so.“ – Dr. Martin Berger, Leiter von Mahle Powertrain, der Engineering Services Geschäftseinheit von Mahle

Für den MMHP wurde als optimale Kombination der seriellen und parallelen Hybridarchitektur eine bimodale Hybridanordnung realisiert. Sie macht einen flexiblen Fahrzeugbetrieb möglich und bietet zudem ein optimales NVH-Verhalten (Noise, Vibration, Harshness – Geräusch, Vibration, Rauhigkeit). Bei hohem Ladestand der Batterie kann sich das Fahrzeug allein mittels Elektroantrieb fortbewegen, wogegen es bei niedrigem Ladezustand und bei niedrigen Fahrgeschwindigkeiten in den seriellen Hybridmodus wechseln kann. Bei höheren Geschwindigkeiten hingegen ist ein Direktantrieb durch den Verbrennungsmotor möglich.

Die Übersetzungsverhältnisse des hierfür vorgesehenen Getriebes erlauben bei jeder Fahrgeschwindigkeit eine flexible Wahl der Motordrehzahl. Der Antrieb ist je nach Anwendung mit 1-, 2- oder 4-Gang-Getriebe erhältlich. Der vollständig integrierte elektrische Traktionsmotor ist dabei stets direkt mit den Rädern verbunden und sorgt so für eine gleichmäßige Fahrleistung und ein dynamisches Fahrerlebnis. Er kann zudem für verschiedene Leistungs- und Drehmomentwerte ausgelegt werden und ermöglicht in Verbindung mit der optimierten Batteriegröße einen vollständig skalierbaren Hybridantrieb für alle Einsatzfälle. Zudem schaffe die kompakte Größe des Antriebsstrangs die Möglichkeit, konstruktionsbedingte Größenbeschränkungen einzuhalten, während das vergleichsweise geringe Gewicht für mehr Effizienz und Leistung sorgt.

Der Hybridantrieb eignet sich für eine Vielzahl von Anwendungen – vom B-Segment bis hin zu großen SUVs aus dem J-Segment. Der Motor selbst erreichte in der ersten Testphase den niedrigen spezifischen Kraftstoffverbrauch von 207 Gramm pro Kilowattstunde. Zukünftig kann durch ein aktives MJI-System im Magerbetrieb ein Kraftstoffverbrauch von etwa 195 Gramm pro Kilowattstunde realisiert werden. In einem kompakten Crossover-SUV würde der berechnete, nach WLTP gewichtete CO2-Ausstoß 18 Gramm pro Kilometer betragen. Das Gewicht des DHE-Antriebs entspricht in etwa dem eines modernen 4-Zylinder-Ottomotors mit 6-Gang-Schaltgetriebe. Der speziell konzipierte Verbrenner bietet dabei ein Kostenpotenzial von bis zu 30 Prozent.

Quelle: Mahle – Pressemitteilung vom 29.08.2019

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

Warum Range Rover beim E-Auto keine Kompromisse eingeht

Warum Range Rover beim E-Auto keine Kompromisse eingeht

Sebastian Henßler  —  

Aussehen, anfühlen, fahren wie ein Range Rover: Das wünschten sich die Kund:innen vom E-Auto. Martin Limpert zeigt, wie die Marke den Anspruch nun umsetzt.

Erste Ausfahrt im Range Rover Sport Electric

Erste Ausfahrt im Range Rover Sport Electric

Sebastian Henßler  —  

Erste Ausfahrt im Range Rover Sport Electric bei JLR in Gaydon: Wie sich der sportliche Stromer im Kreisverkehr, auf Schlaglöchern und im Flugzeug schlägt.

Range Rover: Die Luxus-Wette hinter der Elektro-Offensive

Range Rover: Die Luxus-Wette hinter der Elektro-Offensive

Sebastian Henßler  —  

Range Rover baut sich zum Luxushaus um: Wert statt Volumen, eigene Technik made in England und gut 80.000 Vormerkungen für ein E-Auto ohne bekannten Preis.

Ferrari Luce: So entsteht der erste Elektro-Ferrari

Ferrari Luce: So entsteht der erste Elektro-Ferrari

Zaid Hamid  —  

Ferrari fertigt den Luce in Maranello auf demselben Band wie V8- und V12-Modelle. Akku, Elektromotoren und Achsen entstehen ebenfalls im eigenen E-Building.

Smart #2: 290 km Reichweite und 20 Minuten Ladezeit

Smart #2: 290 km Reichweite und 20 Minuten Ladezeit

Daniel Krenzer  —  

Der neue Smart #2 schafft bis zu 290 km WLTP-Reichweite. Der 35,8-kWh-Akku soll in weniger als 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden.

Wie Südafrikas Autoindustrie um den Anschluss an die E-Mobilität kämpft

Wie Südafrikas Autoindustrie um den Anschluss an die E-Mobilität kämpft

Tobias Stahl  —  

Südafrikas Automobil-Chefs warnen: Ohne die richtigen politischen Anreize könnte das Land mit der nächsten Fahrzeuggeneration den Anschluss verlieren.

Elektromobilität in Indien: Das Geschäftsmodell entscheidet

Elektromobilität in Indien: Das Geschäftsmodell entscheidet

Sebastian Henßler  —  

Solarstrom kostet in Indien etwa halb so viel wie Strom neuer Kohlekraftwerke. Das Ziel für nichtfossile Kraftwerksleistung wurde fünf Jahre eher erreicht.