Mercedes: „Uns sind die E-Autos aus der Hand gerissen worden“

Mercedes: „Uns sind die E-Autos aus der Hand gerissen worden“
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Mercedes-Benz

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Britta Seeger, Vertriebsvorständin von Mercedes-Benz, sprach in einem Interview mit der Zeit ausführlich über den aktuellen Elektroauto-Boom, was ihn befeuert, was ihn bremst, und welche Kunden der Luxusstromer EQS anzieht.

Bei Mercedes spüre man immer mehr die steigende Nachfrage nach Elektroautos, so Seeger. 2020 hat Mercedes weltweit mit 160.000 Fahrzeugen dreimal so viele elektrifizierte Autos verkauft wie im Vorjahr. „In Deutschland hat sich unser Absatz an elektrifizierten Autos fast vervierfacht. Jedes fünfte verkaufte Fahrzeug von Mercedes-Benz Cars war 2020 in Deutschland ein Plug-in-Hybrid oder vollelektrisch“, so Mercedes’ Vertriebsvorständin. Es sei aber eine große Herausforderung, weiterhin die richtigen Produkte auf den Markt zu bringen, weshalb der Autohersteller auch den Markt und seine Mitbewerber beobachte.

Seeger spricht von einem „Sog hin zu E-Mobilität“, der sich aus steigendem Umweltbewusstsein, attraktiven staatlichen Förderungen sowie „einem enormen Angebot, das gerade auf den Markt kommt“, speist. Auch „deutlich über Deutschland hinaus sieht man einen nachhaltigen Schwenk der Kunden in die neuen Antriebsformen.“ 2020 seien dem Hersteller „die E-Autos aus der Hand gerissen worden“, sagt Seeger. Mercedes gehe nun „in eine klare Richtung“ und wolle „als Konzern bis 2039 CO2-neutral sein“.

Den typischen Kunden der ersten vollelektrischen S-Klasse gebe es kaum, Seeger spricht von mehreren Kundengruppen: Beispielsweise gebe es „die Pioniere unter den Kunden, die einfach das modernste Auto fahren wollen“. Hier verspreche sich Mercedes, auch „einige Neukunden zu erobern“. Außerdem gebe es jene Autofahrer, „die sich für alternative Antriebe interessieren und gern den bewährten Luxus erleben möchten“, den der EQS mit bis zu 770 Kilometer Reichweite und der Möglichkeit, in 15 Minuten bis zu 300 Kilometer Reichweite nachzuladen, auch bieten könne.

„Nach wie vor gibt es Kunden mit Reichweitenangst“

Allerdings gebe es auch Kunden, die von der Elektromobilität noch nicht überzeugt sind: „Nach wie vor gibt es Kunden mit Reichweitenangst“, sagt Seeger, die auf das Henne-Ei-Problem verweist: „Wenn wir die Reichweite liefern und auch schnelles Laden, dann müssen wir wiederum eine gute Infrastruktur sicherstellen. Diese Kombination geht miteinander einher“, so die Vertriebsvorständin von Mercedes. Aktuell herrsche aber „ein enormer Bedarf für einen weiteren Ausbau. Das muss wie die Lego-Klötzchen ineinandergreifen. Eine Riesenanstrengung“, sagt Seeger, die nicht nur der Staat allein bewältigen müsse: „Energiekonzerne und unsere Industrie sind auch gefragt“.

Auf künftige Elektroautos angesprochen sagt Seeger, dass das Auto der Zukunft bei Mercedes „angemessen Raum für Passagiere und Gepäck“ bieten werde und „die technologische Innovation“ werde es zudem ermöglichen, „bei der Batterietechnologie leichter zu werden“. An der Aufbauform wie etwa den weiterhin beliebten SUV werde der Hersteller „sicherlich festhalten“. Die höhere Sitzposition sei für die Kunden „hochattraktiv“. Eine „entscheidende Rolle“ spiele dabei die Aerodynamik: „Die Effizienz des Autos hängt davon ganz erheblich ab und damit auch die Batteriegröße.“

Quelle: Zeit Online – Britta Seeger: „Die Formel 1 ist ein tolles Testlabor“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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