Mercedes-Benz könnte zwei Standorte in Deutschland schließen, falls die Kosten nicht merklich sinken. Damit hat Mercedes-Produktionsvorstand Michael Schiebe den Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen gedroht, wie ein Unternehmenssprecher laut Zeit Online mitteilte. Betroffen wären demnach ein Montagewerk und ein Komponentenwerk.
Schiebe verband seine Warnung mit einem grundsätzlichen Bekenntnis zum Standort Deutschland: „Es ist unser klares Ziel, alle deutschen Standorte zu erhalten“, zitiert ein Unternehmenssprecher den Produktionsvorstand. „Dafür müssen wir uns auf für alle verträgliche Maßnahmen einigen, um die Kosten in Deutschland zu senken. Gelingt uns dies nicht, werden wir ein deutsches Aufbauwerk sowie ein deutsches Powertrainwerk schließen müssen.“
Derzeit montiert Mercedes seine Fahrzeuge in Deutschland an drei Orten: Sindelfingen, Rastatt und Bremen. Komponenten stellt der Autobauer unter anderem in Stuttgart-Untertürkheim, Berlin, Hamburg, Kamenz sowie in Kölleda und Arnstadt in Thüringen her. Laut Angaben des Betriebsrats erwägt das Management die Schließung der Motorenfertigung im Werk Untertürkheim, berichtet das Handelsblatt.
Mercedes-Management verweist auf niedrigere Lohnkosten im Ausland
Schiebes Drohung liegt ein seit längerer Zeit schwelender Konflikt über die Arbeitskosten zugrunde. Das Management will, dass die deutsche Mercedes-Belegschaft künftig für dasselbe Gehalt länger arbeitet – eine Rückkehr zur 38-Stunden-Woche ist im Gespräch. Außerdem plant der Konzern Einschnitte beim Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie bei der jährlichen Gewinnbeteiligung. Damit sollen die Kosten pro Arbeitsstunde gesenkt und Mercedes wettbewerbsfähiger gemacht werden.
Laut Handelsblatt-Informationen zeigt das Mercedes-Management derzeit an allen Standorten in Deutschland Präsentationen mit internen Vergleichszahlen anderer Werke. Demnach sind die Lohnkosten in osteuropäischen Fabriken rund 75 Prozent niedriger, selbst in den USA sollen die Kosten knapp ein Fünftel geringer sein. Gleichzeitig sei die jährliche Arbeitszeit an anderen Standorten über 25 Prozent höher.
Mercedes hat seine deutschen Fertigungskapazitäten gegenüber 2024 bereits um rund ein Zehntel reduziert und dafür im ungarischen Kecskemét kräftig ausgebaut. Dort ist die Produktionskapazität in diesem Jahr auf 400.000 Einheiten gestiegen, bei um rund drei Viertel niedrigeren Löhnen.
„Hohe Löhne und Innovationen waren Teil des Erfolgs von Mercedes“
Am Standort Sindelfingen protestierten rund 20.000 Beschäftigte bei einem Aktionstag der IG Metall gegen Jobabbau und weitere Einschnitte in ihrer Industrie. Michael Häberle, stellvertretender Konzernbetriebsratschef, sprach mit Blick auf die Sparmaßnahmen von einem „Horrorkatalog“. Die Meinungen zwischen Management und Betriebsrat liegen Häberle zufolge „meilenweit auseinander“ – in seinen 40 Jahren bei Mercedes habe er noch nie eine solche Kompromisslosigkeit des Managements erlebt, so Häberle.
Der stellvertretende Konzernbetriebsratschef wandte sich grundsätzlich gegen den geplanten Kurs des Konzerns. Ein Hochlohnland wie Deutschland könne den Wettbewerb nicht über niedrige Löhne gewinnen, so Häberle. „Ich lasse mich nicht auf das Niveau von China herab.“ Das Versprechen von Mercedes seien Innovation, Qualität und Sicherheit gewesen. Darauf solle sich der Konzern wieder besinnen. „Hohe Löhne und Innovationen waren Teil des Erfolgs von Mercedes“, so Häberle weiter. Wer in der aktuellen Lage zuerst über Lohnkosten spreche, habe schon aufgegeben. Ein Kostenwettbewerb sei das Eingeständnis, dass dem Management keine bessere Lösung einfalle. Die IG Metall zeigte sich ähnlich unnachgiebig: Mit dem Vorstoß gegen die 35-Stunden-Woche habe der Autobauer eine rote Linie überschritten, heißt es aus Gewerkschaftskreisen.
Der gewählte Zeitpunkt verleiht dem Streit weitere Sprengkraft: Erst im zweiten Quartal des laufenden Jahres hatte Mercedes seinen Gewinn um über 13 Prozent gesteigert. Der Zuwachs wurde vor allem vom Geschäft mit Elektroautos, Transportern und Finanzdienstleistungen getragen, während der Absatz in der klassischen Pkw-Sparte zurückging. Für den Betriebsrat ist diese Entwicklung ein zentrales Argument gegen die Einschnitte, während das Management auf die strukturell zu hohen Kosten und die Produktionskapazität verweist, die „deutlich über dem Bedarf“ liege. Mercedes will seine globale Fertigungskapazität bis 2028/2029 von aktuell 2,4 Millionen auf 2 bis 2,2 Millionen Einheiten drücken.
Quellen: Zeit Online – Mercedes kündigt mögliche Schließung von zwei Werken in Deutschland an / Handelsblatt – Mercedes erwägt Abzug von Produktion aus Deutschland








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