Schäfer, Mercedes: China fehlt Formel-1-Technologietransfer

Schäfer, Mercedes: China fehlt Formel-1-Technologietransfer
Copyright:

Mercedes-AMG

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Zu Beginn der Woche stand die Hochgeschwindigkeits-Teststrecke im süditalienischen Nardò im Zeichen eines besonderen Experiments. Mercedes-AMG hatte das Concept AMG GT XX auf die Strecke geschickt, um in der Elektro-Ära neue Maßstäbe zu setzen. Die Fahrt, welche am Ende auf 25 Rekorde blickt, war mehr als ein mediales Ereignis, sie sollte belegen, dass sich die jahrzehntelange Erfahrung der Marke in Höchstleistung und Ingenieurskunst auch in einer elektrischen Zukunft behaupten kann.

Im Umfeld dieses Ereignisses sprach Markus Schäfer, Chief Technology Officer von Mercedes-Benz, über die strategische Bedeutung solcher Projekte – und machte dabei einen bemerkenswerten Vergleich zwischen europäischen Premiumherstellern und der wachsenden Konkurrenz aus China.

Schäfer erinnerte daran, dass Mercedes-Benz seit den Anfängen des Automobils Rennstrecken als Prüfstand genutzt habe. Ob in den frühen Erfolgen von Daimler und Benz oder in den Rekordfahrten der 1970er-Jahre: Immer sei der Wettbewerb der Motor für technische Innovation gewesen. „Der Rennstreckenbetrieb war immer unser Prüfstand für Technologien und hat uns gezwungen, schneller, besser und innovativer zu werden“, erklärte er. Genau daran knüpfe auch die jüngste Rekordfahrt an. Sie sei nicht als isolierte Machtdemonstration gedacht, sondern als Teil einer langen Tradition, Erkenntnisse aus Extremsituationen in die Serienentwicklung zu übertragen.

Besonders betonte Schäfer dabei ein Element, das er als einzigartigen Vorteil seines Unternehmens sieht: die enge Verbindung zur Formel 1. „Ein Element, das mich sehr glücklich macht – und das die meisten anderen OEMs in der Welt nicht haben, die Chinesen definitiv nicht – ist unsere Verbindung zur Formel 1“, sagte er. Anders als bei manch anderen Herstellern gehe es dabei nicht um symbolisches Marketing, wie er explizit betonte, sondern um gelebten Technologietransfer. Ingenieur:innen aus der Formel 1 arbeiten direkt mit den Entwicklungsteams von Mercedes-Benz zusammen, um Erkenntnisse in Bereichen wie Antrieb, Aerodynamik, Software oder Thermomanagement in die Serienprojekte einfließen zu lassen.

Mit dieser Aussage machte Schäfer bewusst deutlich, worin er den entscheidenden Unterschied zu chinesischen Herstellern sieht. Während diese mit hoher Geschwindigkeit neue Modelle auf den Markt bringen und durch Kostenvorteile punkten, setzt Mercedes-Benz auf eine tief verankerte Ingenieurtradition, die aus der Rennstrecke ihren stärksten Impuls zieht. Schäfer sprach dabei nicht von einem kurzfristigen Vorteil, sondern von einem strukturellen Element, das das Unternehmen „weltweit extrem einzigartig im Automobilgeschäft“ mache.

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Mercedes Elektroautos

Amazon bringt mehr als 50 Elektro-Lkw auf deutsche Straßen

Amazon bringt mehr als 50 Elektro-Lkw auf deutsche Straßen

Michael Neißendorfer  —  

Die Kombination aus hoher Batteriekapazität und effizientem Antrieb macht den eActros 600 zur idealen Lösung für Amazons Transportstrecken.

Mercedes plant elektrische A-Klasse mit 800-Volt-Technik

Mercedes plant elektrische A-Klasse mit 800-Volt-Technik

Daniel Krenzer  —  

Mercedes plant offenbar eine neue A-Klasse als Elektroauto. 800-Volt-Technik, mehrere Akkugrößen und ein Marktstart 2028 sind im Gespräch.

Mercedes-Benz stellt deutschen Werken ein Ultimatum

Mercedes-Benz stellt deutschen Werken ein Ultimatum

Sebastian Henßler  —  

Das Werk im ungarischen Kecskemét hat seine Kapazität auf 400.000 Einheiten verdoppelt und wird zum zentralen Druckmittel gegenüber der Gewerkschaft.

Mercedes-AMG CLA 45 4MATIC+ ist nun bestellbar

Mercedes-AMG CLA 45 4MATIC+ ist nun bestellbar

Daniel Krenzer  —  

Der elektrische Mercedes-AMG CLA 45 leistet bis zu 680 PS, schafft bis zu 679 km Reichweite und lädt mit bis zu 330 kW. Alle Daten im Überblick.

Mercedes-CEO: Neue E-Autos sollen den Marken-Charakter behalten

Mercedes-CEO: Neue E-Autos sollen den Marken-Charakter behalten

Arun Niemann  —  

Mercedes setzt bei neuen E-Autos auf Software, KI und eigene Plattformen. Der typische Markencharakter soll dabei jedoch nicht verloren gehen.

Mercedes EQS 450+: Letzte Chance für die Elektro S-Klasse

Mercedes EQS 450+: Letzte Chance für die Elektro S-Klasse

Stefan Grundhoff  —  

Der Mercedes EQS 450+ bekommt ein neues 800-Volt-Bordnetz, mehr Batteriekapazität und erstmals ein Steer-by-Wire-Lenksystem. Wir haben ihn im Test geprüft.

Yasa erhält Fördermittel für seltenerdfreie Elektromotoren

Yasa erhält Fördermittel für seltenerdfreie Elektromotoren

Maria Glaser  —  

Das Tochterunternehmen von Mercedes-Benz erhält Fördermittel der britischen Regierung, um Axialflussmotoren ohne Seltene Erden zu entwickeln.