Experte: Warum Wasserstoff und E-Fuels ins Abseits geraten

Experte: Warum Wasserstoff und E-Fuels ins Abseits geraten
Copyright:

shutterstock / 1500846629

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

In der zweiten von drei Podcast-Folgen mit Michael Jost, dem ehemaligen Chefstrategen von Volkswagen und Gründer von eD-TEC, ging es um die Frage, wie viel Technologieoffenheit die Mobilitätswende wirklich braucht – und wann sie zur Ausrede wird.

Im Gespräch wurde schnell klar: Jost sieht die Diskussion um E-Fuels, Wasserstoff und Co. kritisch. „Technologieoffenheit ist strategiefrei“, sagte er. Denn wer alle Wege offenhält, laufe Gefahr, keinen konsequent zu gehen. Jost plädiert stattdessen für Klarheit: Wenn das Ziel Klimaneutralität sei, führe langfristig kein Weg am Elektroauto vorbei. Schon 2018 habe man im VW-Konzern detailliert analysiert, wie effizient verschiedene Antriebsarten sind – mit klarem Ergebnis: Reine E-Autos verbrauchen im Schnitt deutlich weniger Wattstunden pro Kilometer als andere Technologien.

Er betonte, dass synthetische Kraftstoffe oder Wasserstoff im Individualverkehr keine Rolle spielen werden. „Wasserstoff gehört in die Stahlindustrie, nicht ins Auto“, so Jost. Gleiches gelte für E-Fuels, die zwar Nischen in Luftfahrt oder Schifffahrt bedienen könnten, für den Massenmarkt aber weder volkswirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll seien.

Besonders eindringlich sprach Jost über die Rolle von Politik und Industrie. Trotz aller Erkenntnisse werde die Transformation zu langsam umgesetzt – auch aus Angst vor Veränderung. „Die Menschen halten mehr Schmerz als Angst aus. Aber es fehlt der Mut, klar zu entscheiden“, meinte er. Statt ständig neue Übergangsoptionen zu diskutieren, brauche es einen europäischen Masterplan, der wirtschaftlich, gesellschaftlich und kommunikativ abgestimmt ist.

Ein weiterer Punkt war die Energieautarkie. Jost verwies auf eigene Projekte im Münchner Raum, bei denen Unternehmen durch Photovoltaik und Batteriespeicher nach sechs Jahren unabhängig von Stromkosten seien. Für ihn liegt darin der Kern künftiger wirtschaftlicher Stärke: lokale Energieerzeugung, Speicherung und Nutzung. „Warum baut man heute überhaupt noch Industriegebäude ohne Solardach?“, fragte er rhetorisch.

Auch über Bildung und Aufklärung wurde gesprochen. Beide von uns waren sich einig, dass Wissen über Energieflüsse und Zusammenhänge viel früher vermittelt werden sollte – nicht erst, wenn politische Entscheidungen bereits getroffen sind. „Wir müssen die Sendung mit der Maus wieder einschalten“, sagte Jost, um den Gedanken zu verdeutlichen: Komplexe Themen einfach und regelmäßig erklären, statt sie technokratisch zu überhöhen.

Zum Abschluss sprach Jost über Verantwortung und gesellschaftliche Kraft. Er wünscht sich eine neue Generation junger Menschen, die Veränderung nicht nur fordert, sondern aktiv gestaltet – mit Energie, Haltung und digitaler Reichweite. „Energie ist das Lebenselixier dieser Gesellschaft. Wenn wir das verstehen, verstehen wir auch, warum wir handeln müssen.“ Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt in das Gespräch mit Michael Jost einsteigen.

Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto Podcast

Dynamischer Stromtarif: Wer davon profitiert, wer nicht

Dynamischer Stromtarif: Wer davon profitiert, wer nicht

Sebastian Henßler  —  

Dynamische Stromtarife sind nicht automatisch günstiger als Fixtarife. Entscheidend ist vor allem, wie viel Last ein Haushalt tatsächlich verschieben kann.

Was E-Auto-Kund:innen vom Autohaus wirklich erwarten

Was E-Auto-Kund:innen vom Autohaus wirklich erwarten

Sebastian Henßler  —  

E-Auto-Käufer kommen oft besser informiert ins Autohaus als ihre Verkäufer. Das verändert die klassische Beratung grundlegend, wie Philipp Kranich zeigt.

Wirelane-Chef Schwaab: Wie Monopole den Ladehochlauf bremsen

Wirelane-Chef Schwaab: Wie Monopole den Ladehochlauf bremsen

Sebastian Henßler  —  

Warum echter Wettbewerb zwischen Anbietern die Ladepreise senken kann und welche drei Wachstumshebel Wirelane für die kommenden Jahre fest einplant.

Volvo-Manager: EX60 soll Premium-Konkurrenz aufmischen

Volvo-Manager: EX60 soll Premium-Konkurrenz aufmischen

Sebastian Henßler  —  

Volvo will mit dem neuen EX60 im Sweet Spot des deutschen Marktes wachsen und dort direkt an den Erfolg des XC60 anknüpfen.

MHC Mobility: Wie Handwerksbetriebe aufs E-Auto umsteigen

MHC Mobility: Wie Handwerksbetriebe aufs E-Auto umsteigen

Sebastian Henßler  —  

Beim Umstieg aufs E-Auto zögern viele Handwerksbetriebe, obwohl der Wille grundsätzlich da ist. Ladeinfrastruktur und Parkplätze bleiben die größten Hürden.

Lynk & Co: Warum Händlerzufriedenheit vor KPIs kommt

Lynk & Co: Warum Händlerzufriedenheit vor KPIs kommt

Sebastian Henßler  —  

Lynk & Co misst Erfolg nicht an Zulassungszahlen, sondern an Händlerzufriedenheit. MD Christian Treitz erklärt, warum das für eine junge Marke richtig ist.

Geely, ein globaler Konzern, der in China geboren wurde

Geely, ein globaler Konzern, der in China geboren wurde

Sebastian Henßler  —  

Geely ist kein chinesisches Unternehmen mit europäischen Marken und auch kein rein globaler Konzern. Was es stattdessen ist, erklärt der CCO der Geely Holding Europe.