Wie MAN den Umstieg auf Elektro-Lkw erleichtern will

Wie MAN den Umstieg auf Elektro-Lkw erleichtern will
Copyright:

Familientreffen: Links der MAN eTGX mit 42 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht, rechts der jüngere Bruder MAN eTGL / Quelle: MAN

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

2025 ist das Jahr des eTrucks bei MAN Truck & Bus, so der Hersteller in einer aktuellen Mitteilung. Der Produktionsstart auf dem Serienband in München sei für Mitte des Jahres vorgesehen. Rund 2800 Bestellanfragen und Bestellungen liegen für den Elektro-Lkw bereits vor. Für die Kunden bedeute die Umstellung auf elektrische Antriebe eine neue Herausforderung, die viele individuelle Fragen aufwerfe – dementsprechend hoch sei der Beratungsbedarf. Deshalb investiere MAN in diesem Bereich auch stark in Personal und Technologie.

Um Fragen umfassend zu beantworten und dem Kunden beim Umstieg von Diesel auf Elektro zu helfen, hat MAN 2018 das Experten-Team Transport Solutions ins Leben gerufen. Die Teamgröße von MAN Transport Solutions sei in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen. Durch intensive Schulungen wurden in allen europäischen Ländern rund 100 eMobility-Champions genannte Spezialisten ausgebildet, die die Kunden in allen Belangen bei der Einführung von Elektrofahrzeugen beraten: von der Fuhrparkplanung bis zur ersten Ladeinfrastruktur.

Alle eMobility Experten haben nun ein neues Web-Tool zur Verfügung, das verschiedene Kalkulationen anschaulich darstelle, einen Überblick über die existierende öffentliche Ladeinfrastruktur biete und bei der Planung der kundeneigenen Ladeinfrastruktur unterstütze.

Wie viele Ladesäulen braucht der Kunde?

Ein wichtiger Punkt ist die Analyse für die Depotplanung. Nach einer kurzen Abfrage, wie viele Elektro-Lkw welcher Bauart in einem Unternehmen vorgesehen sind und welche Kilometerleistungen pro Tag durchschnittlich gefahren werden, geht es direkt in eine mögliche Umsetzung. Anhand von Satelliten-Karten können die Kunden auf ihrem Gelände sehen, welche Anordnung von Ladebuchten realisiert werden kann.

Passende Lkw-Icons lassen sich in der Karte platzieren und es stehen verschiedene Anordnungen, wie hintereinander, nebeneinander oder Fischgrätprofil zur Wahl. Integriert ist auch die Kalkulation einer Photovoltaik-Anlage. Direkt in der Karte kann die vorhandene Dachfläche markiert werden, das Tool liefert einen Überschlagswert des möglichen Energieertrags in Abhängigkeit vom Standort und Auswirkungen auf den kWh-Preis des Kunden.

Neben dem Aufbau eigener Ladeinfrastruktur ist für den Kunden auch das Laden an öffentlichen Ladesäulen ein wichtiges Kriterium im Entscheidungsprozess für batterie-elektrisch angetriebene Lkw. Für das Public Charging hat der Nutzfahrzeughersteller mit MAN Charge&Go ein Bündel an Lösungen entwickelt, das das Finden von Lkw-kompatiblen Ladepunkten, eine übersichtliche Preisstruktur sowie schließlich das Bezahlen an den Ladesäulen für den Kunden so leicht wie möglich machen soll.

man-ladeinfrastruktur-elektro-lkw-europa
MAN

Der neue eTruck ready Standard zeigt hierbei nach MAN-Kriterien besonders gut mit Elektro-Lkw kompatible Ladepunkte. Diese sind in zwei Abstufungen in der digitalen Karte aufgeführt: eTruck ready sowie eTruck limited. Während eTruck ready uneingeschränkte Lkw-Ladepunkte ausweist, sind bei den als limitiert gekennzeichneten Ladepunkten Einschränkungen vorhanden – z.B. in puncto Fahrzeuglänge.

In der Phase der eMobility 360°-Beratung durch MAN Transport Solutions liefert diese europäische Truck-Charging-Übersichts-Karte eine weitere Besonderheit: Neben den aktuell am Netz befindlichen Ladepunkten zeigt sie auch die bis Ende 2025 geplanten Ladepunkte. Bis Ende dieses Jahres summieren sich die Lkw-kompatiblen Ladepunkte auf mehr als 1000 Standorte. Dieses Initialnetz ermögliche damit für viele Fernverkehrsrouten bereits heute den Einsatz von Elektro-Lkw, wie MAN hervorhebt. Einen Beitrag dazu leiste auch MAN gemeinsam mit dem Energieunternehmen Eon durch den Aufbau von rund 80 öffentlichen Ladeinfrastandorten an MAN Servicestützpunkten bis Ende 2025.

man-ladeinfrastruktur-elektro-lkw-dachbenelux
MAN

Nach dem Start von MAN Charge&Go in allen europäischen Kernmärkten im Mai 2025 werde diese Karte die Kunden außerdem bei der Online-Suche nach geeigneten Lkw-Ladepunkten unterstützen. MAN Charge&Go ist ein Ladetarif, der im gleichnamigen Netzwerk gilt. Mit Hilfe einer Karte authentifiziert man sich an der Ladestation. MAN Charge&Go wurde so entwickelt, dass auch gemischte Flotten das Angebot nutzen können. Eine konsolidierte und transparente Rechnung sorge am Monatsende für den Überblick über die Ladekosten der gesamten Flotte an allen benutzten Ladepunkten.

MAN SmartRoute findet den idealen Ladestopp

Ein weiterer Dienst aus dem digitalen Portfolio rund um den MAN eTruck ist MAN SmartRoute. Der digitale Dienst steht Fuhrparkmanagern eingebettet im Rio-Flottenmonitor zur Verfügung und unterstützt sie aktiv bei der Routenplanung. Unter Berücksichtigung von Batterieladestand und der Ladeleistung der jeweiligen Ladesäulen, sucht MAN SmartRoute nach den idealen Ladestopps und erstellt so die passende Route. Der Dienst ist Teil des integrierten Digitalpakets, das Kunden von MAN eTGX und eTGS für die ersten fünf Jahre ohne Zusatzkosten nutzen können.

Das Angebot von MAN bietet bereits mehrere batterie-elektrische Lkw für alle Branchen: vom 12-Tonner eTGL, über Lowliner- und Standard-Sattelzugmaschine, Chassis-Anwendungen mit 4×2 und 6×2-Achskonfiguration sowie sechs verschiedenen Fahrerhäusern der Modellreihen eTGX und eTGS.

Quelle: MAN – Pressemitteilung vom 13.02.2025

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektro-Lkw

E-Lkw: Höherer Kaufpreis nach zwei Jahren amortisiert

E-Lkw: Höherer Kaufpreis nach zwei Jahren amortisiert

Daniel Krenzer  —  

Elektro-Lkw sind beim Kauf teurer, können sich laut T&E in Deutschland aber schon nach rund zwei Jahren amortisieren – mit hohen Einsparungen im Betrieb.

IAA: Chinesischer Hersteller Farizon präsentiert Elektro-LKW

IAA: Chinesischer Hersteller Farizon präsentiert Elektro-LKW

Maria Glaser  —  

Auf der IAA Transportation in Hannover präsentierte der chinesische Newcomer Farizon seine E-Transporter SV und V7E sowie den E-Lkw Homtruck.

Depotcharge: Wie Speditionen ihr eigenes Ladenetz aufbauen

Depotcharge: Wie Speditionen ihr eigenes Ladenetz aufbauen

Sebastian Henßler  —  

Depotcharge macht freie Ladepunkte in Lkw-Depots für andere nutzbar. Gründer Julius Wilhelm erklärt, wie das Netzwerk aus rund 250 Standorten funktioniert.

Neun Jahre Wartezeit: Tesla startet Semi-Auslieferung

Neun Jahre Wartezeit: Tesla startet Semi-Auslieferung

Sebastian Henßler  —  

Tesla liefert erste Elektro-Lkw Semi an Kundinnen und Kunden wie PepsiCo, DHL und US Foods aus – fast neun Jahre nach der ersten Ankündigung des Trucks.

Studie: E-Lkw brauchen weniger Ladeinfrastruktur als gedacht

Studie: E-Lkw brauchen weniger Ladeinfrastruktur als gedacht

Daniel Krenzer  —  

Eine Fraunhofer-Studie zeigt: Der Ladebedarf von E-Lkw konzentriert sich auf wenige Standorte. Das schwächt ein häufiges Argument für Wasserstoff und E-Fuels.

Alpitronic bringt neuen Depot-Lader für E-Lkw

Alpitronic bringt neuen Depot-Lader für E-Lkw

Daniel Krenzer  —  

Alpitronic erweitert den HYC1000 um einen kompakten Depot Dispenser für E-Lkw und Busse. Solche Lösungen gibt es inzwischen von mehreren Anbietern.

ElectroFleet bestellt 40 MWh Batteriespeicher bei Fenecon

ElectroFleet bestellt 40 MWh Batteriespeicher bei Fenecon

Daniel Krenzer  —  

ElectroFleet setzt für E-Lkw-Ladehubs und Depots auf 40 MWh Batteriespeicher von Fenecon. Weitere 100 MWh sind bereits in der Pipeline.