Für Speditionen und Flottenbetreiber bleibt die Reichweite batterieelektrischer Lkw eine der größten Hürden auf dem Weg zum Umstieg vom Diesel. Mahle will dieses Problem nun mit einem neuen Range Extender-System lösen, das schwere Elektro-Lkw auf über 800 Kilometer Reichweite bringen soll, ohne dass Transportunternehmen auf die Vorteile des Elektroantriebs verzichten müssen.
Das System kombiniert einen Hochvoltgenerator mit 110 Kilowatt Dauerleistung und bis zu 130 Kilowatt Spitzenleistung mit einem kompakten Verbrennungsmotor. Rund 400 Kilometer der Gesamtreichweite liefert die Batterie, die übrigen 400 Kilometer übernimmt der Range Extender. Da das System etwa ein Drittel der bisherigen Batteriekapazität ersetzt, kann der Lkw mit einer kleineren Batterie ausgestattet werden. Das spart nach Angaben von Mahle rund 400 Kilogramm Achslast an der Hinterachse und senkt das Fahrzeuggewicht insgesamt um etwa 600 Kilogramm.
Weniger Emissionen und mehr Betriebsflexibilität für Flotten
Im Range Extender-Betrieb emittiert der Lkw laut Hersteller im realen Einsatz über 80 Prozent weniger CO2 als ein konventionell angetriebenes Fahrzeug. Wird der Verbrennungsmotor mit dem Biokraftstoff HVO100 betrieben, fährt der Truck nach Unternehmensangaben nahezu CO2-frei. Für das Transportgewerbe steht dabei nicht nur die Klimabilanz im Vordergrund, sondern auch die Zuverlässigkeit im Alltag.
„Wenn die Ladesäule besetzt ist, Witterungsbedingungen oder Staus alternative Routen erfordern, wenn die Infrastruktur an ihre Grenzen stößt, wenn andere Flotten stranden: Ein E-Truck mit Range Extender fährt weiter“, erklärte Marco Warth, Leiter der Mahle Konzernentwicklung. Die operative Verfügbarkeit bleibe damit auch in Stoßzeiten gesichert.
Technisch ist das Range Extender-System als eigenständige Einheit konzipiert, die Generator, Verbrennungsmotor, Thermo- und Fluidmanagement, Kraftstofftank, AdBlue-Tank und Abgasnachbehandlung in einer kompakten Baugruppe bündelt. Sie passt in den üblichen Batterie-Einbauraum eines batterieelektrischen Lkw und lässt sich dadurch in bestehende Fahrzeugplattformen integrieren. Eine neu entwickelte Ölkühlung verschafft dem Generator eine Leistungsdichte von mehr als sieben Kilowatt pro Kilogramm bei reduziertem Gewicht.
Als zweite Weltpremiere zeigt das Unternehmen einen MCT-E-Motor (Mahle Contactless Transmitter) für elektrische Antriebsachsen schwerer Nutzfahrzeuge. Er verzichtet auf Permanentmagnete und damit auf Seltene Erden, was gegenüber einer vergleichbaren permanenterregten Synchronmaschine bis zu drei Kilogramm Seltenerdmagnete pro Fahrzeug einspart. Der Motor ist nach Unternehmensangaben zehn Prozent leichter und bei gleichbleibenden Kosten effizienter als permanenterregte Alternativen, insbesondere über einen größeren Bereich unterschiedlicher Fahrsituationen hinweg. In der Spitze leistet er 370 Kilowatt bei einem Drehmoment von über 900 Newtonmetern, der Motorwirkungsgrad im EU-Simulationstool VECTO liegt bei 95 Prozent.
Mahle sieht sich als Marktführer bei Nutzfahrzeugkomponenten
Mahle positioniert sich nach eigenen Angaben in Europa in jedem batterieelektrischen und Brennstoffzellen-Truck und zählt bei elektrischen Klimakompressoren zu den Marktführern. Mittlere und schwere Nutzfahrzeuge machen rund 20 Prozent des Konzerngeschäfts mit Automobilherstellern aus, der Auftragseingang im ersten Halbjahr 2026 lag in diesem Bereich deutlich über dem Vorjahreszeitraum. Konzernchef Arnd Franz rechnet für die kommenden fünf Jahre mit einem Wachstum oberhalb des Marktdurchschnitts, das größte Potenzial sieht er in Asien.
Gleichzeitig bleibt der Verbrennungsmotor laut Franz auf absehbare Zeit die dominierende Antriebsform im Nutzfahrzeugsektor: Sein Anteil sinke von aktuell etwa 83 Prozent nur leicht auf rund 73 Prozent im Jahr 2035. Neben der Elektrifizierung setzt Mahle deshalb auch auf erneuerbare Kraftstoffe wie HVO100 und Bio-LNG sowie auf Wasserstoffantriebe. Franz forderte zudem eine Überprüfung der europäischen CO2-Flottenregulierung für schwere Nutzfahrzeuge, die stärker an Marktrealität und Infrastruktur ausgerichtet sein solle, sowie eine regulatorische Anerkennung von Range Extender-Systemen als Beschleuniger der Elektrifizierung.
Quelle: Mahle – Pressemitteilung









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