ICCT-Bericht: Deutschland bleibt größter Markt für emissionsfreie Lkw

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Maria Glaser
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Der International Council on Clean Transportation (ICCT) hat vor wenigen Tagen einen Bericht veröffentlicht, in dem die Entwicklung und Elektrifizierung des europäischen Marktes für Nutzfahrzeuge aufgeschlüsselt wird. Demnach wurden im ersten Halbjahr 2026 innerhalb der EU rund 14.300 emissionsfreie schwere Nutzfahrzeuge neu zugelassen. Der Bericht zeigt, dass die Elektrifizierung der Nutzfahrzeugflotten insgesamt zwar noch immer niedrig ist, jedoch anteilig wächst. Insbesondere der deutsche Markt nimmt dabei eine zentrale Rolle ein.

Als emissionsfrei klassifiziert der ICCT neben batteriebetriebenen Fahrzeugen mit Elektromotor auch solche mit Brennstoffzellen für Wasserstoff oder einem anderen Motor, der nicht durch Verbrennung angetrieben wird. Die Daten wurden von Dataforce bereitgestellt und umfassen alle 27 EU-Länder mit Ausnahme von Malta. Der internationale Non-Profit-Think-Tank bezieht sich im Bericht auf die ersten beiden Quartale des Jahres 2026, die damit den Zeitraum von Januar bis Juni umfassen.

Emissionsfreier Absatz nach Fahrzeugklasse

Mittelschwere Lkw und Transporter (3,5 bis 12 Tonnen)

Knapp 4600 Fahrzeuge dieser Kategorie wurden im ersten Halbjahr als emissionsfreie Modelle verkauft, was einem Anteil von 21,1 Prozent am Gesamtabsatz entspricht. Im Vorjahreshalbjahr lagen diese Werte noch bei 4000 Verkäufen oder 19,4 Prozent.

Die Wachstumsrate verlangsamte sich jedoch. Zuvor hat sich der Absatz in drei aufeinanderfolgenden Jahren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt, vor allem getrieben durch die Niederlande, Dänemark und Schweden. Nun stieg der Absatz zwar erneut, jedoch mit einer Wachstumsrate von lediglich 15 Prozent.

Im Segment der Transporter sei die Elektrifizierung, so der ICCT, inzwischen bereits zum Mainstream geworden, während die Einführung bei mittelschweren Lkw langsamer voranschreitet. Das besonders beliebte Modell eSprinter von Mercedes machte die Marke zum größten Anbieter und treibt die Entwicklung voran. Ford war gemessen am Absatzvolumen der zweitgrößte Anbieter im Segment, angeführt vom Modell E-Transit. Den Verkauf von mittelschweren Lkw und Transportern mit Dieselmotor hat Ford derweil fast vollständig eingestellt.

Die meisten emissionsfreien Fahrzeuge dieser Kategorie sind im ersten Halbjahr in Dänemark und den Niederlanden verkauft worden. Auch in Deutschland und Frankreich wuchs der Absatzanteil.

Schwerlastkraftwagen (über 12 Tonnen)

Im ersten und zweiten Quartal 2026 wurden in der EU insgesamt 146.000 schwere Lkw verkauft. Darunter sind 3400 emissionsfreie Lkw mit einem Anteil von 2,3 Prozent am Gesamtabsatz. Das entspricht einem deutlichen Wachstum im Vergleich zu 1900 Einheiten bzw. 1,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die Verkaufszahlen gingen im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Quartal in den Niederlanden, Dänemark und Österreich zurück.

In Deutschland hingegen war ein anhaltendes Wachstum zu verzeichnen. Emissionsfreie Fahrzeuge machten hierzulande fast 5 Prozent aller Verkäufe von schweren Lkw aus. Deutschland gilt als Europas größter Markt für schwere Nutzfahrzeuge, was durch Maßnahmen der Politik begünstigt wird. So gilt in Deutschland eine vollständige Mautbefreiung für emissionsfreie Fahrzeuge.

Busse (über 3,5 Tonnen)

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in der EU 22.600 Busse verkauft. Dazu zählen Stadt-, Überland-, Reise- und Kleinbusse. Der Absatz emissionsfreier Busse stieg dabei von 4300 und einem Anteil von 22,7 Prozent im letzten Jahr auf 6400 Stück bzw. 28,6 Prozent in diesem Jahr. Zur Elektrifizierung des Personenverkehrs kann auch die Umrüstung von Diesel- auf Elektroantrieb beitragen. Wie eine Studie des Forschungsinstituts Empa zeigt, kann sich diese Umrüstung von Bussen in vielen Fällen wirtschaftlich rechnen.

Im zweiten Quartal 2026 überschritt der Absatzanteil emissionsfreier Stadtbusse sogar die Marke von 60 Prozent auf Kosten von Dieselbussen, deren Anteil auf 30 Prozent sank. In Italien stiegen die Verkaufszahlen deutlich an, was an einer EU-Förderung liegen dürfte: Die Europäische Kommission stellt den Mitgliedstaaten Gelder zur Verfügung, um nachhaltiger und resilienter zu werden. Italien hat sich im Rahmen dieses Fonds verpflichtet, einen erheblichen Teil der Mittel für die Dekarbonisierung des öffentlichen Nahverkehrs bereitzustellen. Diese Mittel mussten jedoch bis August 2026 verwendet werden, was den rasanten Anstieg der Verkäufe von emissionsfreien Bussen erklären könnte. Davon profitierte vor allem Iveco mit Hauptsitz in Italien. Das Unternehmen verkaufte dort im zweiten Quartal 700 Elektrobusse, was einer Verzehnfachung gegenüber den Verkaufszahlen im zweiten Quartal 2025 entspricht.

Länder, Hersteller und Trends

In Europa wurden in den ersten beiden Quartalen 2026 rund 192.000 schwere Nutzfahrzeuge verkauft. Der prozentuale Anteil Deutschlands ist daran mit 23,2 Prozent der größte und blieb im Vorjahresvergleich stabil. Unter den EU-Mitgliedstaaten verzeichnete Polen das größte Wachstum auf einen Anteil am europäischen Markt für schwere Nutzfahrzeuge von 10 Prozent. Auch Italien machte einen deutlichen Sprung, während Länder wie Schweden oder Frankreich Rückgänge verzeichneten.

Nach Herstellern verzeichnete Iveco im Jahresvergleich den größten Rückgang des Marktanteils. Das Minus in Prozentpunkten lag bei 1,6, gefolgt von Scania mit 0,9 und Volvo mit 0,8. Die Hersteller Mercedes, DAF, MAN und Renault konnten Zuwächse erzielen. Mercedes blieb dabei Marktführer für emissionsfreie schwere Lkw mit einem Anteil von 40 Prozent am Gesamtabsatz. Besonders beliebt ist der elektrische eActros.

Trotz des Umstandes, dass Iveco beim Verkauf von emissionsfreien schweren Lkw hinter anderen Herstellern zurückblieb, verkaufte der Hersteller allein im zweiten Quartal fast 100 solcher Fahrzeuge, was einem deutlichen Zuwachs im Vergleich zum ersten Quartal entspricht. Angeführt wurden die Verkaufszahlen von der starren Variante des elektrischen S-eWay-Modells, was 2,1 Prozent aller Schwerlast-Lkw-Quartalsverkäufe entsprach. An steigenden Verkaufszahlen elektrischer Modelle dürfte Iveco aufgrund einer EU-Verordnung ein doppeltes Interesse haben: Von Juli 2025 bis Juni 2026 sind die Hersteller verpflichtet, die CO2-Emissionen ihrer neuen Lkw im Vergleich zu 2019 um durchschnittlich 15 Prozent zu senken. Iveco wird dieses Ziel voraussichtlich als einziger großer Hersteller nicht erreichen und sieht sich daher mit möglichen Strafzahlungen konfrontiert.

In Zukunft planen viele Hersteller weitere Investitionen in die Elektrifizierung. Die VW-Marke Traton wird beispielsweise insgesamt 850 Millionen Euro in batterieelektrische Lkw und Busse investieren. MAN als Traton-Tochtergesellschaft unterzeichnete im vergangenen Monat eine Absichtserklärung mit der polnischen Regierung, in der Investitionen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro für den Ausbau des Produktionsstandorts in Krakau zugesagt wurden. Dabei soll unter anderem die Produktion von Elektrofahrzeugen an diesem Standort ausgebaut werden. Im Juni kündigte Mercedes eine Zusammenarbeit mit Keyou an, um an Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor zu arbeiten. Außerdem ist seit Mai bekannt, dass Mercedes sein Portfolio an eActros-Lkw um ein Lowliner-Modell erweitern will, das aus einer Sattelzugmaschine mit niedriger Kupplungshöhe besteht. Die Bestellungen sollen im dritten Quartal 2026 beginnen.

Ladeinfrastruktur für Schwerlastfahrzeuge

Der ICCT betrachtet im Bericht nicht nur die Absatzzahlen von elektrischen Nutzfahrzeugen, sondern auch die dafür notwendige öffentliche Ladeinfrastruktur. Diese entwickele sich in Europa uneinheitlich, so der Bericht. Bis Juli 2026 waren europaweit rund 4300 für schwere Lkw zugängliche Ladestationen in Betrieb, was etwa 20 Prozent mehr sind als im Juli 2025. Auf die Fahrzeugdichte berechnet entspricht dies durchschnittlich knapp 345 öffentlich oder halböffentlich zugänglichen Ladestationen mit einer Leistung von umgerechnet 150 Kilowatt pro 1000 schweren, batteriebetriebenen Elektro-Lkw.

Die Infrastruktur variiert jedoch erheblich zwischen den einzelnen Ländern. Deutschland verfügt mit 1090 Ladepunkten über die meisten, gefolgt von Schweden mit 822 und den Niederlanden mit 818. Zusammen entfielen auf diese drei Länder etwa 63 Prozent der für schwere Lkw zugänglichen Ladepunkte in Europa. Hinsichtlich der Dichte verzeichneten Schweden und Dänemark die höchsten Anteile, gefolgt von Belgien.

Den größten jährlichen Zuwachs bis Juli 2026 in absoluten Zahlen verzeichnete Deutschland mit 229 neuen Ladepunkten. In Spanien und Frankreich wurden in diesem Zeitraum 124 bzw. 110 neue Ladepunkte installiert.

Trotz des anhaltenden Ausbaus der Hochleistungs-Ladeinfrastruktur befand sich die Einführung des Megawatt-Ladesystems weiterhin in einem sehr frühen Stadium. Im Juni 2026 gab es europaweit nur vier solcher betriebsbereiten Ladestationen in Belgien, Schweden und den Niederlanden.

Quelle: ICCT – Race to Zero: European heavy-duty vehicle market development quarterly (January–June 2026)

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Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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