E-Busse sparen São Paulo 57 Millionen Liter Diesel im Jahr

E-Busse sparen São Paulo 57 Millionen Liter Diesel im Jahr
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Leon Rodrigues / SP

Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Für Städte in ganz Lateinamerika zahlt sich ein regulatorischer Kniff aus, der sich auch anderswo kopieren lässt: Wer alte Dieselbusse ausmustert, darf sie nur noch durch emissionsfreie Fahrzeuge ersetzen. Genau dieses Prinzip, kombiniert mit gezielter Finanzierung, hat den Kontinent nun zu einem historischen Meilenstein geführt. Nach konsolidierten Daten des E-Bus Radar, veröffentlicht von C40 Cities und dem International Council on Clean Transportation (ICCT) während der Verkehrsmesse Lat.Bus 2026, sind in Lateinamerika inzwischen 10.000 Elektrobusse im Linienbetrieb. Erreicht wurde diese Zahl durch das gemeinsame Engagement von 80 Städten in 13 Ländern der Region.

Angeführt wird die Entwicklung von Santiago de Chile, São Paulo und Bogotá, die zusammen bereits mehr als 7000 Elektrobusse einsetzen. São Paulo stellt dabei die zweitgrößte Elektrobusflotte der gesamten Region. Insgesamt vermeidet der Betrieb der 10.000 Fahrzeuge schätzungsweise mehr als zehn Millionen Tonnen CO₂-Emissionen pro Jahr, ein Effekt, der sich unmittelbar auf die Luftqualität und die Gesundheit der städtischen Bevölkerung auswirkt.

São Paulo als Vorbild für die Finanzierung von E-Bussen

Wie ein solcher Umstieg in der Praxis gelingt, zeigt São Paulo besonders deutlich. Im Juni 2026 nahm die Millionenmetropole auf einen Schlag 500 neue Elektrobusse in Betrieb und kommt damit auf eine Flotte von 1759 Fahrzeugen, darunter 1570 batterieelektrische Busse sowie 189 Oberleitungsbusse. Die Flotte spart nach Angaben der Stadt jährlich rund 130.000 Tonnen CO₂ und etwa 57 Millionen Liter Diesel ein, ein ökologischer Effekt, der der Pflanzung von rund elf Millionen Bäumen entspricht.

Ermöglicht wurde der Ausbau durch ein Investitionsprogramm im Umfang von 6,5 Milliarden brasilianischen Real, das nationale und internationale Geldgeber wie die Brasilianische Entwicklungsbank BNDES, die Weltbank sowie die Interamerikanische Entwicklungsbank IDB kombiniert.

Hinzu kommt eine kommunale Vorschrift, die den Wandel dauerhaft absichert: Verkehrsunternehmen dürfen ausgemusterte Busse in São Paulo nicht mehr durch neue Dieselfahrzeuge ersetzen. Die Elektrobusflotte bedient inzwischen einen Teil der täglich mehr als sieben Millionen Fahrgäste im kommunalen Nahverkehr. Bürgermeister Ricardo Nunes bezifferte den Effekt der Ausweitung vom Juni so: „Mit der einmaligen Inbetriebnahme von 500 neuen Elektrobussen im Juni hat die Stadt einen ökologischen Effekt erzielt, der der Pflanzung von 3,2 Millionen Bäumen pro Jahr entspricht. Dadurch werden jährlich 45.000 Tonnen CO₂ vermieden und der Dieselverbrauch um rund 20 Millionen Liter reduziert.“

Weitere Städte ziehen mit eigenen Projekten nach

Auch über São Paulo hinaus treiben brasilianische Städte die Elektrifizierung ihrer Busflotten voran, unterstützt vom Programm Mutirão Brasil, einer gemeinsamen Initiative von C40 Cities und dem Global Covenant of Mayors for Climate & Energy. In Recife stellte die brasilianische Bundesregierung 319 Millionen Real für 100 Elektrobusse samt Ladeinfrastruktur bereit. Belo Horizonte baut derzeit 27 Ladepunkte für die ersten rund 100 Elektrobusse der Stadt auf, finanziert über das nationale Programm Novo PAC. Salvador wiederum will mindestens die Hälfte seiner BRT-Flotte auf Elektrobusse umstellen, während Rio de Janeiro seine Busterminals mit Studien zur Ladeinfrastruktur auf den künftigen Einsatz vorbereitet.

Ilan Cuperstein, Regionaldirektor von C40 Cities für Lateinamerika, ordnet die Entwicklung ein: „Der Betrieb von 10.000 Elektrobussen zeigt, dass der Übergang zu emissionsfreiem Verkehr in den Städten Lateinamerikas keine Zukunftsvision mehr ist, sondern bereits Realität.“ Was einst die Ausnahme gewesen sei, entwickle sich zunehmend zu etablierter öffentlicher Politik mit unmittelbaren Vorteilen für Klima, Gesundheit und lokale Volkswirtschaften. Seit 2019 vernetzen C40 Cities und das ICCT im Rahmen der ZEBRA Partnership kommunale Akteure, Finanzierungsinstitutionen und Fahrzeughersteller, um die Finanzierungskosten für Städte wie Bogotá, Mexiko-Stadt, Salvador und Curitiba zu senken.

Quelle: Mutirão Brasil – Pressemitteilung per Mail

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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