Österreich: 1000ster schwerer E-Lkw ist zugelassen

Österreich: 1000ster schwerer E-Lkw ist zugelassen
Copyright:

Volvo

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Wer prüfen will, ob sich schwere E-Lkw im Alltag bewähren, findet in Österreich inzwischen belastbare Antworten. Hödlmayr transportiert seit Anfang 2025 Autos mit einem vollelektrischen Sattelzug samt speziellem Aufbau, zwei weitere sollen folgen. Die auf Silo-Container im Intermodalverkehr spezialisierte Stag-Gruppe startete Mitte 2025 mit einem elektrischen Sattelzug und schaffte bis Jahresende sieben weitere an. Beim Baustoffproduzenten Knauf rollen bereits seit 2024 Elektro-Lkw mit Naturgips vom Bergwerk zum Güterbahnhof, Anfang 2025 kam zudem erstmals in Österreich ein E-Lkw mit einem 35-Meter-Tonnen-Großkran in der Baustellenlogistik zum Einsatz.

Auch im Lebensmittelhandel gehören die Lastwagen längst zum Tagesgeschäft. Lidl fährt seit 2024 elektrisch, bis Jahresende 2025 wuchs die Flotte auf 20 Stück, bis Mitte 2027 sind weitere 42 schwere E-Lkw mit je 44 Tonnen Gesamtgewicht bestellt. Bis zum Jahr 2030 sollen sämtliche Filialen in Österreich emissionsfrei beliefert werden. Rewe setzt seit 2025 drei Elektro-Lkw für die Filialbelieferung in Wien ein.

In der Transportbranche selbst zeigt sich ein ähnliches Bild. Hofmann & Neffe startete Anfang 2023 mit dem ersten elektrischen 40-Tonnen-Sattelzug, Mitte 2025 waren sieben im Einsatz, 14 weitere sollen dazukommen. Schlager Transporte nutzt seit 2024 vier Elektro-Lkw im regionalen Verteilerverkehr, bis Mitte 2026 soll die Flotte auf zwölf wachsen, bis zum Jahr 2030 sollen alle 22 Lastwagen elektrisch unterwegs sein. Noch größer plant Schachinger Logistik: Am Standort Hörsching werden täglich 250 bis 300 Lkw und 300 Transporter abgefertigt, bis Herbst 2026 soll dort gemeinsam mit dem Energiespezialisten Powerlink der größte Batteriespeicher Österreichs mit 60 Megawattstunden Kapazität entstehen. Angeschafft werden ab 2026 ausschließlich Elektro-Lkw, bis 2030 sollen mindestens 100 E-Lkw und 200 E-Transporter verkehren.

Im Juni 2026 wurde in Österreich der 1000ste batterieelektrische Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen zugelassen. Anfang 2021 waren es erst 47, Ende 2024 immerhin 314. Gemessen am Bestand von rund 75.000 schweren Lkw und Sattelzügen entspricht das 1,4 Prozent.

Österreich: Ein Land, das am Diesel hängt

Für die Effizienz des Güterverkehrs ist diese Entwicklung von Bedeutung. Gut 70 Prozent der auf dem Landweg transportierten Tonnenkilometer entfallen in Österreich auf den Lkw, und Diesel-Lastwagen benötigen zwei bis drei Mal mehr Energie als elektrische. Zugleich verantworten Lkw rund 43 Prozent des Dieselverbrauchs im Verkehr. Verfehlt Österreich die gemeinsamen EU-Klimaschutzziele bis 2030, drohen budgetwirksame Zahlungen von bis zu 5,7 Milliarden Euro. Ein kürzlich veröffentlichter OECD-Bericht bestätigt, dass das Land derzeit nicht auf Kurs liegt.

Wie stark die Rahmenbedingungen den Umstieg beeinflussen, zeigt ein Blick in die Schweiz. Dort fällt für einen 18-Tonnen-Lkw der Euroklasse VI auf allen Straßen eine Maut von umgerechnet 46,5 Cent je Kilometer an, elektrische Lastwagen sind ausgenommen. In Österreich liegt die Maut für einen zweiachsigen Euro-VI-Lkw je nach CO2-Emissionsklasse bei 25 bis 28 Cent, für emissionsfreie Modelle bei sechs Cent. Auch beim Kraftstoff klafft eine Lücke: Ende Juli 2026 kostete ein Liter Diesel in der Schweiz umgerechnet rund 2,31 Euro, in Österreich 2,05 Euro.

Rechnet man das auf eine Jahresfahrleistung von 60.000 Kilometern bei einem Verbrauch von 30 Litern je 100 Kilometer hoch, verursacht ein Diesel-Lkw in der Schweiz rund 28.000 Euro höhere Maut- und Spritkosten als in Österreich. Bei einem angenommenen Stromverbrauch von 130 Kilowattstunden je 100 Kilometer und 30 Cent je Kilowattstunde ergibt sich in der Schweiz ein jährlicher Kostenvorteil des E-Lkw von etwa 40.000 Euro, in Österreich sind es rund 10.000 Euro. Der Aufpreis in der Anschaffung beträgt 150.000 Euro und mehr.

Im ersten Halbjahr 2026 lag Österreich mit 8,2 Prozent Elektro-Anteil bei den Neuzulassungen schwerer Lkw über dem europäischen Schnitt von 5,6 Prozent. Island kam auf 30,5 Prozent, die Schweiz auf 26,3 Prozent, Norwegen auf 22,9 Prozent und Schweden auf 18,7 Prozent. Gleichzeitig schrumpft die Förderung: Standen 2025 noch 83 Millionen Euro bereit, sind es 2026 nur noch 54 Millionen Euro, die vorrangig für ältere Anträge verwendet werden. Für 2027 und 2028 sind im Nachfolgeprogramm ENKU erneut je 54 Millionen Euro budgetiert, der Kreis der Anspruchsberechtigten soll allerdings auf Kleinstunternehmen beschränkt werden.

Welche Stellschrauben jetzt zur Debatte stehen

Als naheliegende Ansatzpunkte gelten die Abschaffung des Dieselprivilegs und Anpassungen bei der Lkw-Maut. Diskutiert wird zudem ein aufkommensneutrales Bonus-Malus-System, international als Feebate bezeichnet: Bei der Neuzulassung eines Diesel-Lkw wird ein Transformationsbeitrag eingehoben, dessen Einnahmen vollständig in die Unterstützung elektrischer Modelle zurückfließen.

Für Pkw existieren solche Modelle seit Jahren in Frankreich, Singapur, Schweden und Neuseeland. In Kalifornien wurde 2025 über eine Übertragung auf den Güterverkehr beraten. Daniel Sperling, Direktor des Transport-Instituts der University of California, hält das Konzept im gegebenen Rahmen für das wirkungsvollste verfügbare Instrument, um den Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge zu beschleunigen.

Quelle: VCÖ – Pressemitteilung

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektro-Lkw

MAN-Vertriebsvorstand: „Nicht die Ladesäule ist das Problem, sondern der Netzanschluss“

MAN-Vertriebsvorstand: „Nicht die Ladesäule ist das Problem, sondern der Netzanschluss“

Tobias Stahl  —  

E-Lkw rechnen sich auf vielen Strecken längst, sagt MAN-Vertriebsvorstand Friedrich Baumann. Gebremst werde der Hochlauf eher durch den schleppenden Netzausbau.

Scania und Pape: E-Lkw im Kühltransport-Alltag

Scania und Pape: E-Lkw im Kühltransport-Alltag

Sebastian Henßler  —  

Für die Spedition Pape ist Pünktlichkeit beim Kühltransport entscheidend, batterieelektrische Scania Lkw sollen daran nichts ändern.

ICCT-Bericht: Deutschland bleibt größter Markt für emissionsfreie Lkw

ICCT-Bericht: Deutschland bleibt größter Markt für emissionsfreie Lkw

Maria Glaser  —  

Für verschiedene Gewichtsklassen zeigt der ICCT-Bericht, wie sich die Elektrifizierung des Personen- und Gütertransports in Europa entwickelt.

Janus rüstet alte Diesel-Sattelschlepper auf Elektro um

Janus rüstet alte Diesel-Sattelschlepper auf Elektro um

Sebastian Henßler  —  

Janus Electric rüstet alte Diesel-Sattelschlepper auf Elektroantrieb um und senkt die Kosten auf ein Viertel eines Neufahrzeugs.

Spedition Metzger: Wie der E-Lkw zum Alltag wurde

Spedition Metzger: Wie der E-Lkw zum Alltag wurde

Sebastian Henßler  —  

Die Spedition Metzger setzt fünf Elektro-Lkw im Regelbetrieb ein und kombiniert dabei Photovoltaik, Rampenladung und Modelle mehrerer Hersteller.

Madrid testet Brennstoffzellenbus mit Bosch-Technik

Madrid testet Brennstoffzellenbus mit Bosch-Technik

Sebastian Henßler  —  

In Madrid startet ein Testbetrieb mit einem Brennstoffzellenbus von Irizar und Bosch, der über 1000 Kilometer Reichweite bietet.