Lyten plant 1000 Jobs auf Northvolt-Gelände bei Heide

Lyten plant 1000 Jobs auf Northvolt-Gelände bei Heide
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Northvolt

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Das US-Unternehmen Lyten treibt die Übernahme des Northvolt-Standorts bei Heide voran. CEO Dan Cook hat vergangene Woche in Kiel seine Pläne der schleswig-holsteinischen Landesregierung vorgestellt. Der Besuch markiert den ersten direkten Austausch zwischen dem Unternehmen und politischen Entscheidungsträger:innen auf Landesebene – und fällt in eine Phase, in der die Übernahme der deutschen Northvolt-Tochter noch nicht abgeschlossen ist.

Lyten plant auf dem Gelände bei Heide eine Kombination aus Batteriezellproduktion, Rechenzentrum und stationärem Energiespeicher. Anders als Northvolt will das Unternehmen nicht ausschließlich auf Batterien für Elektroautos setzen. „Wir planen, Batterien für eine Vielzahl von Anwendungsbereichen herzustellen, darunter Verteidigung, stationäre Energiespeicherung, Mobilität und Elektrofahrzeuge“, erklärte Cook. In einer ersten Phase rechnet er mit rund 1000 Arbeitsplätzen. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Aufnahme der Produktion für 2028 – mit 100 Prozent grüner Energie.

Finanziert werden soll das Vorhaben nach aktuellem Stand überwiegend aus privatem Kapital. Cook ließ allerdings offen, ob zu einem späteren Zeitpunkt öffentliche Fördermittel hinzukommen könnten: „Sollten uns öffentliche Fördermittel angeboten werden, werden wir dies auf jeden Fall in Betracht ziehen.“ Die Abgrenzung zum gescheiterten Vorgänger zog sich als roter Faden durch seinen Auftritt. „Wir sind nicht Northvolt, wir sind Lyten“, betonte der CEO.

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zeigte sich nach dem Treffen zuversichtlich. Er verwies auf den enormen Energiebedarf, den Batterieproduktion und Rechenzentrum mit sich brächten – und auf den grünen Strom als Standortvorteil der Region. Auch die Verantwortlichen vor Ort hätten einen positiven Eindruck von den Plänen gewonnen. Günther kündigte an, die Landesregierung werde Lyten bei weiteren Schritten unterstützen, etwa bei Fragen der Energieversorgung. Gleichzeitig müssten noch offene Fragen mit dem Bund geklärt werden.

Kommunalpolitiker sehen realistische Ausgangslage

Bereits Anfang vergangener Woche hatte Cook erstmals die Baustelle bei Heide besucht und sich mit regionalen Vertreter:innen ausgetauscht. Bürgermeister Kai Tange (SPD) aus Lohe-Rickelshof sprach von einem Kennenlerntreffen. Dass Lyten das Vorhaben langsamer angehen wolle als Northvolt, schreckt die Kommunalpolitiker nicht ab – im Gegenteil. „Besser, als wenn der Nächste wieder kommt und sagt, ich kann schnell und groß. Und am Ende kriegt er es dann nicht zurecht“, so Tange. Dirk Burmeister, Vorstandsvorsitzender der Entwicklungsagentur Heide, schätzt die geplante Ansiedlung als machbar ein, auch wenn der genaue Umfang noch unklar sei.

Offen bleibt, ob die Bebauungspläne der Ansiedlungsfläche angepasst werden müssen. Northvolt hatte eine klassische Batterieproduktion vorgesehen, Lyten hingegen plant einen industriellen Hub mit breiterem Nutzungsprofil. Björn Jörgensen, leitender Verwaltungsbeamter im Amt Heider Umland, bestätigte, dass dies von den bisherigen Plänen abweiche und geprüft werden müsse.

Die SPD-Fraktion im Landtag reagierte zurückhaltender. Wirtschaftspolitischer Sprecher Kianusch Stender kommentierte, der Besuch sei ein wichtiges Signal, ersetze aber keine konkreten Vereinbarungen. Weder liege ein unterschriebener Vertrag vor noch verbindliche Zusagen.

Lithium-Schwefel-Technik als strategische Alternative

Technologisch setzt Lyten auf Lithium-Schwefel-Batterien, die ohne kritische Rohstoffe wie Kobalt und Nickel auskommen. Steffen Link vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) sieht darin eine vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien – mit Marktchancen vor allem in Spezial- und Nischenmärkten, in denen jedes Gramm Gewicht zählt. Als Beispiele nannte er Drohnen, Satelliten und elektrisch angetriebene Flugzeuge mit senkrechter Startfähigkeit.

Im Hintergrund läuft die Übernahme weiter. Ende Februar hatte Lyten den insolventen schwedischen Teil von Northvolt übernommen – die Stammfabrik in Skellefteå und das Entwicklungszentrum in Västerås mit einem Gesamtwert von rund 4,2 Milliarden Euro. Die Gespräche über die deutsche Northvolt-Tochter mit Bund, KfW und Land dauern an.

Northvolt hatte ursprünglich rund 3000 Arbeitsplätze und Batteriezellen für bis zu eine Million E-Autos pro Jahr angekündigt. Von der KfW-Wandelanleihe über 600 Millionen Euro sollen noch knapp 200 Millionen Euro auf einem Sperrkonto liegen. Cook reiste im Anschluss an die Termine in Kiel nach Berlin, um sich dort mit Vertreter:innen der Bundesregierung auszutauschen.

Quelle: NDR – Batteriefabrik bei Heide: Lyten will 2028 Betrieb aufnehmen / ntv – Lyten plant mit 1.000 Jobs auf Northvolt-Gelände

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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