Lyten will Northvolt mitsamt der Batteriefabrik in Heide retten

Lyten will Northvolt mitsamt der Batteriefabrik in Heide retten
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Northvolt

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Für den insolventen schwedischen Batteriehersteller Northvolt gibt es ein schon sehr weit fortgeschrittenes Übernahmeangebot. Der auf Lithium-Schwefel-Akkus spezialisierte Batteriehersteller Lyten, der sich u.a. bereits das Northvolt-Werk in Polen gesichert hatte, will nun alle verbliebenen Standorte übernehmen und habe dafür bereits eine eine verbindliche Vereinbarung mit Northvolt unterzeichnet, wie das US-Unternehmen mitteilt.

Unter den Standorten ist neben der Batteriefabrik Northvolt Ett in Skellefteå und dem Entwicklungszentrum Northvolt Labs in Västerås, beide in Schweden, auch die im Bau befindliche Batteriefabrik Northvolt Drei bei Heide in Schleswig-Holstein sowie sämtliche verbleibenden geistigen Eigentumsrechte (IP) von Northvolt. Lyten teilte dazu mit, man arbeite mit Northvolt und der Bundesregierung daran, an dem geplanten Projekt in Schleswig-Holstein festzuhalten: dem Bau einer Batterieproduktionsanlage mit einer Anfangskapazität von 15 Gigawattstunden.

Northvolt hat in Heide laut NDR das Gelände für die zukünftigen Produktionshallen bereits vorbereitet: Gründungs- und Erdarbeiten, das Einzäunen des Geländes mitsamt begrüntem Lärmschutzwall sowie das Verlegen einer Gasleitung seien bereits abgeschlossen. Nicolas Steinbacher, der bislang Teil des Managements von Northvolt in Deutschland war, wird neuer Geschäftsführer für den Standort in Schleswig-Holstein. Er sagte dem NDR: „Es kommt harte Arbeit auf uns zu und ich freue mich darauf, die neuen Weichen für dieses industrielle Großprojekt zu stellen, für das ich mich seit dessen Start tagtäglich einsetze.“

Die finanziellen Details der Vereinbarung wurden von keiner Partei offengelegt. Insgesamt umfasse die Übernahme Vermögenswerte im Wert von rund 5 Milliarden US-Dollar, was knapp 4,3 Milliarden Euro entspricht. Dazu gehören 16 GWh an bereits bestehender Produktionskapazität, mehr als 15 GWh sich im Bau befindliche Kapazitäten, die Infrastruktur und Pläne zum Ausbau auf mehr als 100 GWh sowie das laut Lyten größte und modernste F&E-Zentrum für Batterien Europas in Västerås.

„Dies ist ein entscheidender Moment für Lyten“, erklärt Dan Cook, CEO und Mitbegründer von Lyten. „Unsere Mission ist es, führender Anbieter sauberer, lokal beschaffter und produzierter Batterien und Energiespeichersysteme in Nordamerika und Europa zu sein. Die Übernahme der Northvolt-Standorte bringt uns die nötige Infrastruktur und das schwedische Fachwissen, um unsere Mission um Jahre zu beschleunigen – genau in dem Moment, in dem die Nachfrage nach Lithium-Schwefel-Batterien exponentiell wächst, um den Bedarf für Energieunabhängigkeit, nationale Sicherheit und KI-Rechenzentren zu decken.“

Mehrere Mitglieder des aktuellen Northvolt-Führungsteams sollen bereits zugesagt haben, zu Lyten zu wechseln. Lyten wolle einen erheblichen Teil der zuvor entlassenen Belegschaft an den Standorten wieder einstellen. Das Unternehmen sehe großen Wert in der lokalen Expertise und verpflichte sich, langfristige Beschäftigungsperspektiven aufzubauen, während die Standorte wieder hochgefahren und ausgebaut werden.

„Ein Gewinn für Schweden und Europas Energieunabhängigkeit“

Ebba Busch, Schwedens stellvertretende Ministerpräsidentin, erklärte: „Lytens Übernahme der Northvolt-Vermögenswerte ist ein Gewinn für Schweden, die ehemaligen Northvolt-Mitarbeitenden und die Positionierung Schwedens als Schlüssel für Europas Energieunabhängigkeit. Wir haben eng mit dem Insolvenzverwalter und Lyten zusammengearbeitet, um diesen Deal zu unterstützen, und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Lyten, um das enorme Potenzial dieser Anlagen auszuschöpfen.“

Die Übernahme soll vollständig über Eigenkapitalinvestitionen privater Investoren in Lyten finanziert werden. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Genehmigungen durch die zuständigen schwedischen, deutschen und europäischen Behörden. Lyten rechnet mit einem Abschluss der Übernahme im vierten Quartal dieses Jahres.

Bereits zuvor hatte Lyten drei weitere Vermögenswerte von Northvolt übernommen: Im November 2024 übernahm Lyten Northvolts Batteriefabrik Cuberg in Kalifornien. Anfang Juli kündigte Lyten die Übernahme von Northvolt Dwa an, Europas größter Fertigungsanlage für Batteriespeichersysteme (BESS) in Danzig, Polen. Der Abschluss dieser Übernahme wird noch im August erwartet. Ende Juli übernahm Lyten zudem Northvolts BESS-Produkt- und IP-Portfolio.

Lyten plant, die Produktion und Entwicklung in Skellefteå (Ett) und Västerås (Labs) unmittelbar nach Abschluss der Transaktion wieder aufzunehmen. Die Gespräche mit den bisherigen Großkunden von Northvolt verlaufen konstruktiv. Auch Northvolt Dwa soll unmittelbar nach Abschluss der Übernahme wieder in Betrieb genommen werden, um der stark wachsenden Nachfrage nach Lytens BESS-Produkten in mehr als 20 Ländern gerecht zu werden.

Zudem verfolgt Lyten weiterhin die Übernahme von Northvolt Six in Québec, Kanada, wo derzeit eine Batteriefabrik mit 15 GWh Kapazität in Phase 1 errichtet wird. Lyten führt hierzu aktive Gespräche mit Northvolt Nordamerika, der kanadischen und der québecischen Regierung sowie weiteren lokalen Akteuren. „Die Nachfrage nach Batterien aus europäischer und nordamerikanischer Fertigung wächst kontinuierlich“, ergänzt Lars Herlitz, Vorsitzender des Verwaltungsrats und Mitgründer von Lyten. „Die Kombination aus Northvolts Weltklasse-Fertigungskapazitäten, günstiger sauberer Energie, Lytens führender Lithium-Schwefel-Batterietechnologie und der US-amerikanischen Lieferkette für Batteriematerialien schafft die ideale Grundlage, um Europas und Nordamerikas Ambitionen im Batteriebereich zu verwirklichen.“

Aktuell produziert Lyten Lithium-Schwefel-Batterien im Silicon Valley und beliefert insbesondere den rasant wachsenden Markt für Drohnen und Verteidigung. In den kommenden Monaten sollen Lytens Batterien auch auf der Internationalen Raumstation ISS zum Einsatz kommen. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen laut eigener Aussage über eine milliardenschwere Projektpipeline im Bereich BESS auf Basis von Lithium-Schwefel-Technologie.

Der Insolvenzverwalter, Lyten und Northvolt wollen am heutigen Freitag eine Pressekonferenz in Skellefteå abhalten, um weitere Informationen zur Transaktion mitzuteilen.

Quelle: Lyten – Pressemitteilung vom 07.08.2025 / NDR – Northvolt: US-Batteriehersteller Lyten plant Übernahme

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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