Warum Koenigsegg kein Elektro-Hypercar plant

Warum Koenigsegg kein Elektro-Hypercar plant
Copyright:

dimcars / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Christian von Koenigsegg hat keinen Zweifel daran, dass sein Unternehmen ein elektrisches Hypercar bauen könnte. Die Frage ist für ihn nur, ob es das Richtige wäre. In einem Gespräch mit Motor1 am Firmenstandort im schwedischen Ängelholm hat der Gründer und CEO seine Position zu Elektroautos im Hochleistungssegment erläutert – und sie ist differenzierter, als ein einfaches Nein vermuten lässt.

Dabei räumte von Koenigsegg zunächst ein, dass sich seine Erwartungen im Laufe der Zeit verschoben haben. „Wenn Sie mich das vor zehn Jahren gefragt hätten, hätte ich vermutlich gedacht, dass wir 2026 bereits einen elektrischen Koenigsegg hätten“. Damals teilte er die Einschätzung weiter Teile der Branche, wonach Elektroantrieb der logische Endpunkt für Hochleistungsfahrzeuge sein würde. Diese Sichtweise hat er inzwischen revidiert, aber nicht aus technischen Gründen.

Für den Schweden liefert ein Verbrennungsmotor mehr als bloße Antriebsleistung. Vibrationen, Klang, mechanische Rückmeldung und der damit verbundene Charakter sind für ihn wesentliche Bestandteile des Fahrerlebnisses in einem Hypercar. Er beschreibt es so: Ein Verbrenner kann fast wie ein lebender Organismus wirken, während ein Elektroauto, egal wie schnell und durchdacht es konstruiert ist, emotional auf einer anderen Ebene bleibt. „Es wird nie zum Tier“, so der Koenigsegg-CEO.

Kein Elektro-Hypercar: Koenigsegg erklärt warum

Koenigsegg-Modelle, betont ihr Schöpfer, sind nicht dafür konzipiert, Alltagsmobilität zu ersetzen. Klimaanlage, Infotainment und Komfort sind vorhanden, aber solche Merkmale finden sich auch in deutlich günstigeren Fahrzeugen. „Der eigentliche Wert eines Hypercars liegt woanders: im Design, in der Ingenieurskunst, in den Gefühlen, die es vermittelt, und in der fast emotionalen Verbindung zwischen Fahrer und Maschine“, so von Koenigsegg. Vor diesem Hintergrund betrachtet er den Verbrennungsmotor nicht als Übergangstechnologie, sondern als integralen Bestandteil dessen, was sein Unternehmen anbieten will.

Hinzu kommt eine ökologische Argumentation, die von der üblichen öffentlichen Debatte abweicht. Bei Fahrzeugen mit sehr großer Batterie müssten viele Kilometer gefahren werden, bevor die Umweltbelastung durch die Akku-Produktion ausgeglichen sei. Hypercars stehen aber oft jahrelang in Sammlergaragen, und dieser Ausgleich komme dann womöglich nie zustande.

Gleichzeitig hat Koenigsegg die Elektrifizierung nicht ignoriert. Das Unternehmen arbeitete auch an einer rein elektrischen Plattform, entschied sich am Ende aber für den Hybridantrieb als passendsten Kompromiss. Eine vergleichsweise kleine Batterie ermöglicht elektrisches Fahren in der Stadt, das Passieren von Umweltzonen und bei Bedarf lautlosen Betrieb. Durch Rekuperation beim Bremsen lässt sich zudem Energie zurückgewinnen, was gegenüber einem großen Batteriepaket weniger Materialeinsatz bedeutet. Dieser Ansatz zeigt sich beim Gemera, bei dem Verbrenner und Elektromotor zusammenarbeiten, ohne die Alltagstauglichkeit gänzlich zu opfern.

Synthetische Kraftstoffe als nächster Schritt

Aktuell fahren Koenigsegg-Modelle mit E85, einer Mischung überwiegend aus Ethanol mit einem Anteil Benzin. Den Benzinanteil sieht von Koenigsegg als langfristig ersetzbar durch synthetische Kraftstoffe. Er skizzierte ein ambitionierteres Szenario: Kraftstoffe, hergestellt aus direkt aus der Atmosphäre abgeschiedenem CO2 und erneuerbarer Energie, wobei ein Teil des eingefangenen Kohlendioxids dauerhaft im Untergrund gespeichert würde und der Rest in die Produktion fließt. Ein solcher Prozess könnte seiner Aussage nach sogar zu einer negativen Klimabilanz führen.

Ein rein elektrisches Hypercar aus Ängelholm schließt von Koenigsegg dennoch nicht für alle Zukunft aus. Ob und wann ein solches Fahrzeug kommen könnte, hängt nach seiner Einschätzung wesentlich davon ab, wie sich Batterietechnologie und regulatorische Rahmenbedingungen entwickeln. Leichtere, kompaktere Akkus mit geringerem Rohstoffbedarf könnten einige der heutigen Einwände entkräften. Bis dahin bleibt die Linie des Unternehmens klar.

Quelle: Motor1.com – Warum Christian von Koenigsegg (noch) nicht an Elektroautos glaubt

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

Analyse: Jeder fünfte Neuwagen in der EU ist ein E-Auto

Analyse: Jeder fünfte Neuwagen in der EU ist ein E-Auto

Sebastian Henßler  —  

Jeder fünfte Neuwagen in der EU ist ein E-Auto. In den ersten fünf Monaten stieg der Marktanteil auf 20 Prozent, Verbrenner fallen auf unter 31 Prozent.

Alpitronic-CEO: „Laden muss nahtlos werden“

Sebastian Henßler  —  

Die Ladeinfrastruktur wächst schneller als die Nachfrage: Alpitronic-CEO Philipp Senoner erklärt, was den E-Mobilitäts-Hochlauf wirklich bremst.

Wirtschaftsweiser: Strom billiger, Benzin teurer machen

Wirtschaftsweiser: Strom billiger, Benzin teurer machen

Sebastian Henßler  —  

Der Wirtschaftsweise Felbermayr spricht sich gegen den Tankrabatt aus und fordert stattdessen den CO₂-Preis als zentrales Steuerungsinstrument der Klimapolitik.

Schnieder fordert „deutliche Verbesserungen“ zu CO₂-Vorgaben

Schnieder fordert „deutliche Verbesserungen“ zu CO₂-Vorgaben

Laura Horst  —  

Der Bundesverkehrsminister fordert eine weitere Aufweichung der CO₂-Regeln der EU und spricht sich zudem für einen schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur aus.

Cariad-Campus soll VW-Software in Serienreife bringen

Cariad-Campus soll VW-Software in Serienreife bringen

Sebastian Henßler  —  

Die VW-Softwaretochter Cariad hat in Berlin einen zentralen KI-Campus eröffnet. Rund 1000 Fachkräfte entwickeln dort Technologien für das Auto von morgen.

Stabiles 3-MW-Laden für E-Lkw rückt näher

Stabiles 3-MW-Laden für E-Lkw rückt näher

Daniel Krenzer  —  

Fraunhofer ISE und MAN erreichen 3000 Ampere im MCS-Projekt NEFTON. Der Weg zu 3 MW Ladeleistung für E-Lkw ist damit geebnet.