Millionenteure Meisterwerke: Koenigseggs Elektro-Expansionspläne

Millionenteure Meisterwerke: Koenigseggs Elektro-Expansionspläne
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Koenigsegg

Stefan Grundhoff
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Christian von Koenigsegg hatte einen Traum. Der Schwede wollte nichts weniger, als die schnellsten Autos der Welt zu bauen. Das ist 30 Jahre her – ein perfekter Zeitpunkt, einmal kurz zurückzuschauen und im Rekordtempo zu schwelgen, denn auch Koenigsegg wird langsam elektrisch.

Ängelholm im Süden Schwedens kennt kein Mensch und die ländliche Region hat wenig zu bieten, was guten Gewissens als schnell zu bezeichnen ist. Die Häuser in der Umgebung sind oft dunkelrot getüncht, die Fensterrahmen weiß, und zunehmend schleichen sich moderne Flachbauten im nordischen Stil ins aufgelockerte Straßenbild der 30.000-Einwohner-Stadt.

Dass hier, knapp zwei Stunden südlich von Göteborg, einige der schnellsten Autos der Welt entstehen, mag nicht allein Autoexperten verwundern. Regelmäßig grollen durch seichte Feldlandschaften Hypersportler mit Bezeichnungen wie Gemera, Jesko, Regera oder der schon legendäre CCXR mit seinen 1018 PS. Alle haben eines gemeinsam: Sie gehören zu den schnellsten Autos der Welt.

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Der Schwede mag es im Verkehr oft betulich, wenn nicht langsam, und die Strafen für allzu flottes Fahren sind stattlich. Doch damit konnte Christian von Koenigsegg schon in seiner Kindheit wenig anfangen und so machte der damals gerade einmal 22-jährige Autofan im August 1994 seinen Lebenstraum wahr und gründete seine eigene Firma: Koenigsegg Automotive AB. 2000 der erste Auftritt auf dem Pariser Salon mit dem 655 PS starken Koenigsegg CC8S und danach mit dem ersten Serienmodell auf der Autoshow am Genfer See – 806 PS reichten für den Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde. Der erste Geschwindigkeitsrekord dann im Jahr 2005 mit 387 km/h.

Fast so schnell wie die Fahrzeuge selbst wurde der schwedische Kleinserienhersteller mit seinen mittlerweile knapp 800 Mitarbeiter:innen zu einem der führenden Hypercar-Produzenten mit wohl betuchten Kunden in aller Welt und zahlreichen Hollywood-Auftritten. Aktuelles Topmodell: der 1691 kW / 2300 PS / 2750 Nm starke Gemera mit Allradantrieb, Hybridpower (1500 PS starker Fünfliter-V8 und 800 PS starker Elektromotor) und dank 4,98 Metern Länge erstmals Platz für vier Personen – für mehr als 1,7 Millionen Euro. Marktstart Mitte 2025.

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Wer an schnelle, wirklich schnelle Fahrzeuge denkt, dem kommen schon lange nicht mehr Porsche, Lamborghini, Ferrari oder gar Aston Martin in den Sinn. Verglichen mit einem Koenigsegg sind diese Fahrzeuge allesamt Massenware, denn nur eine Handvoll leistungsstarker Boliden im Jahr verlässt die sehenswerte Manufaktur auf dem Valhall-Gelände eines alten Flugplatzes nahe Ängelholm. Daher stammt auch das Logo der leistungsstarken Hyperboliden. Deren Ghost-Abzeichen soll an das F10 Air Force Ghost Squadron erinnern, die hier einst stationiert war.

Die Geschäfte mit den millionenteuren Hypercars laufen bestens

Die Geschäfte mit den millionenteuren Hypercars laufen bestens, und Koenigsegg will deutlich erweitern – um eine hochmoderne Gemera-Fabrik mit neuester Fertigung, Kundenlounge und angeschlossener Entwicklung. Insgesamt führt die Erweiterung zu einer Gebäudefläche von über 30.000 Quadratmetern. Zusammen mit dem 11.000 Quadratmeter großen zweiten Werk von Koenigsegg in Ängelholm ein klarer Fingerzeig, wohin die Reise in den kommenden Jahren gehen soll. Um Volumen und Möglichkeiten zu steigern, will Koenigsegg jedoch nicht allein die Fertigung ausbauen.

In direkter Nachbarschaft zum Gemera-Werk plant Koenigsegg den Bau einer eigenen kleinen Rennstrecke für umfangreiche Tests. „Unsere Expansion ist ein Zeichen für die Relevanz unserer Vergangenheit und Zukunft, in der wir darauf ausgerichtet sind, hochmoderne Mobilitätstechnologien und unsere handgefertigten Hochleistungsautomobile zu liefern“, sagt CEO Christian von Koenigsegg, der seinen 50. Geburtstag und das 20. Produktionsjubiläum seiner Fahrzeuge in Pebble Beach mit dem Koenigsegg CC850 feierte, der in einer Stückzahl von 70 Fahrzeugen aufgelegt wurde.

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Das freut auch den lokalen Gemeinderat Robin Holmberg: „Die kontinuierliche Entwicklung von Koenigsegg in Ängelholm ist wichtig und zeigt, dass die Gemeinde ein attraktiver Ort für innovative Unternehmen ist. Für uns Ängelholmer ist es aufregend, Teil der Reise und der Expansion zu sein. Das bedeutet mehr Arbeitsplätze, neue Ängelholmer aus der ganzen Welt und langfristig den Zuzug weiterer innovativer Unternehmen in unsere Region.“ Mehr als Sportwagentourismus soll das neue Erlebniszentrum im Valhall Park bringen, in dem Besucher zukünftig in Fahrzeuge und Technik aus drei Jahrzehnten Geschichte eintauchen können. Aktuell hält der Koenigsegg Regera den Beschleunigungsrekord 0 auf Tempo 400 in 28,81 Sekunden.

Auch Koenigsegg wird mehr und mehr elektrisch

Ebenso wie andere Hersteller von Hypercars kommt auch Christian von Koenigsegg um den Einsatz von Elektromotoren nicht mehr herum. In einem ersten Schritt wird im kommenden Jahr das neue Topmodell des Gemera imposant hybridisiert. Hierzu wurde eigens ein ebenso leistungsstarker wie kompakter Elektromotor – der Quark E – entwickelt (ja, der heißt wirklich so), der den 1500 PS starken V8-Turbomotor mit 588 kW / 800 PS Elektropower in neue Leistungshöhen katapultiert. Seine Kombination von Radial- und Axialfluss soll eines der besten Verhältnisse von Drehmoment zu Leistung und Gewicht ermöglichen.

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Dragos-Mihai Postariu, Leiter der Elektromotorenkonstruktion bei Koenigsegg: „Der Quark wurde entwickelt, um den niedrigen Drehzahlbereich des Gemera zu unterstützen, wo er gebraucht wird, nämlich für brutale Beschleunigung. Der Verbrennungsmotor konzentriert sich dann auf den Hochgeschwindigkeitsbereich. Für die Leistung des Gemera bedeutet dies einen großen Leistungsschub, gefolgt von einem kontinuierlichen Schub auf 400 km/h ohne Drehmoment- oder Leistungsverluste.“

Die nächsten Rekorde scheinen mit Elektrounterstützung daher nur eine Frage der Zeit. Auf die nächsten 30 Jahre.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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