So soll KI das Warten an Ladesäulen verkürzen

So soll KI das Warten an Ladesäulen verkürzen
Copyright:

Scheidt & Bachmann

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Wer ein Elektroauto fährt, kennt die Situation: Die nächste Ladesäule ist belegt, die Wartezeit unklar. Während an klassischen Tankstellen der Aufenthalt selten länger als wenige Minuten dauert, fehlt an Ladepunkten oft jede Planbarkeit, zumindest wenn es nach Scheidt & Bachmann Energy Retail Solutions geht, ein Spezialist für Tankstellen- und Energielösungen, der genau das ändern will. Mit Siqma FlowMax.AI bringt das Unternehmen eine KI-gestützte Lösung auf den Markt, die Verfügbarkeit, Auslastung und Preise von Ladestationen in Echtzeit prognostizieren soll.

Die Anwendung setzt auf Predictive Analytics und maschinelles Lernen. Ziel ist es, das Laden planbar zu machen. „Die E-Mobilität wird den gesamten Markt in wenigen Jahren stark verändern. Mit Siqma FlowMax.AI wollen wir die E-Mobilität so planbar gestalten wie herkömmliches Tanken“, erklärt Jörg M. Heilingbrunner, CEO von Scheidt & Bachmann Energy Retail Solutions. Das Unternehmen verfolgt damit einen Ansatz, der über den reinen Ausbau von Ladeinfrastruktur hinausgeht und stattdessen auf datengetriebene Optimierung bestehender Standorte setzt.

Die technische Umsetzung baut auf einer cloudbasierten Plattform auf, die verschiedene Eingabeparameter kombiniert. Neben offenen Schnittstellen fließen Daten zu Standort, Wochentag, Uhrzeit, Wetterbedingungen und umliegenden Angeboten in das System ein. Entwickelt wurde der zugrunde liegende Algorithmus gemeinsam mit dem Technologieberatungsunternehmen Slalom Germany. Über direkte Datenpipelines aktualisiert sich das Modell kontinuierlich und soll so mit jeder Ladesession dazulernen.

Ein zentrales Versprechen der Lösung: Bereits innerhalb der ersten fünf Minuten einer laufenden Ladesession will das System zuverlässig prognostizieren, wann der jeweilige Ladepunkt wieder frei wird. Gerade dieser Punkt stellt eine besondere Herausforderung dar. Anders als beim Tanken, das in wenigen Minuten erledigt ist, variiert das Verhalten an Ladesäulen erheblich. Ob jemand nur bis 80 Prozent lädt oder den Akku vollständig füllt, ob nebenbei eingekauft oder im Café gewartet wird, all das beeinflusst die Verweildauer. „Siqma FlowMax.AI ist eine äußerst komplexe Lösung, die bereits heute Kunden und E-Autofahrer:innen begeistert, indem sie fast Unmögliches möglich macht“, sagt Florian Kampes, Head of AI & Ecosystem bei Scheidt & Bachmann Energy Retail Solutions.

Das System will mehr als nur freie Ladepunkte anzeigen

Für Betreiber:innen von Tankstellen und Ladeparks eröffnet das System nach Angaben des Unternehmens zusätzliche Geschäftsfelder. In Echtzeit zeige die Plattform Preise, Verfügbarkeiten und die genaue Position einzelner Ladepunkte vor Ort an. Ergänzend lassen sich Informationen zu lokalen Angeboten und Werbemöglichkeiten einbinden, was die Kundenbindung stärken soll.

Auch ohne das KI-Modell bietet die Basisvariante Siqma FlowMax grundlegende Funktionen. Über den Siqma Sign können Betreiber den aktuellen Status der Ladesäulen, eine Übersicht des Ladeparklayouts sowie die geltenden Ladepreise darstellen. Die intelligente Prognose der Verweildauer bleibt jedoch der KI-gestützten Version vorbehalten.

„Projekte wie dieses zeigen, wie KI-Innovation konkrete Infrastrukturprobleme lösen und ganze Branchen transformieren kann“, betont Dr. Stephan Theis, Managing Director Business Development bei Slalom Germany. Sein Unternehmen habe Scheidt & Bachmann dabei unterstützt, mithilfe von Daten und künstlicher Intelligenz ein Geschäftsmodell zu etablieren, das Mehrwert für Endkund:innen schaffe. Die Lösung ist nach Unternehmensangaben bereits im Einsatz.

Quelle: slalom.com – Transparenz statt Tarifdschungel: Scheidt & Bachmann revolutioniert Ladeerlebnis mit KI-Lösung / Scheidt & Bachmann – SIQMA FlowMax.AI

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

The Mobility House will E-Autofahrer gratis laden lassen

The Mobility House will E-Autofahrer gratis laden lassen

Tobias Stahl  —  

Der Ladelösungsanbieter Mobility House will bestimmte Privatkunden ab diesem Jahr gratis laden lassen – dank V2G-Technologie. Was hinter dem Vorhaben steckt.

Enercity und VW starten Pilotprojekt zum bidirektionalen Laden

Enercity und VW starten Pilotprojekt zum bidirektionalen Laden

Michael Neißendorfer  —  

Ziel des Projektes ist es, Gewerbekunden die technische Machbarkeit, die wirtschaftlichen Potenziale und den gesellschaftlichen Nutzen von V2G aufzuzeigen.

Google Maps plant Ladestopps für E-Autos in Android Auto

Google Maps plant Ladestopps für E-Autos in Android Auto

Sebastian Henßler  —  

Google Maps bekommt eine Ladeplanung für Android Auto: Mit Akkustand bei Ankunft und automatischen Ladestopps – vorerst in den USA und für über 350 Automodelle.

Elvah zum zweiten Mal in drei Jahren insolvent

Elvah zum zweiten Mal in drei Jahren insolvent

Daniel Krenzer  —  

Elvah meldet erneut Insolvenz an und sucht Investoren. Für viele Unternehmen in der Branche ist die Lage aktuell schwierig.

Iran-Krise: Dieselkosten steigen monatlich um 1210 Euro pro Lkw

Iran-Krise: Dieselkosten steigen monatlich um 1210 Euro pro Lkw

Michael Neißendorfer  —  

Die Treibstoffkosten für Diesel-Lkw steigen deutlich mehr als für E-Lkw – ein weiteres Argument für die Abkehr von fossilen Treibstoffen.

Tibber-Daten: Smart Charging federt Strompreisanstieg ab

Tibber-Daten: Smart Charging federt Strompreisanstieg ab

Sebastian Henßler  —  

Eine Tibber-Auswertung zeigt, dass E-Auto-Haushalte mit Smart-Meter und dynamischem Tarif im März trotz steigender Strompreise deutlich weniger zahlten.

Smart-Meter-Quote steigt – doch viele hinken hinterher

Smart-Meter-Quote steigt – doch viele hinken hinterher

Sebastian Henßler  —  

Die Bundesnetzagentur leitet Verfahren gegen 77 Messstellenbetreiber ein, die kein einziges Smart-Meter verbaut haben.