Karolino soll „in mehr als 150 technischen Punkten“ besser sein als der Microlino

Karolino soll „in mehr als 150 technischen Punkten“ besser sein als der Microlino
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Artega

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Artega-Chef und Auftragsfertiger Klaus Dieter Frers hat dem Fachmagazin Edison einige neue Details zum Karolino verraten, dem Elektro-Kabinenroller, den er von seinem Auftraggeber Microlino abgekupfert hat. Er bestätigte Edison, ein dem Microlino ähnliches Modell fertigen wollen, das im September auf der IAA vorgestellt und kurz darauf bereits ausgeliefert werden soll und er erklärte auch die größten Unterschiede zum Original.

Einblick in die Karolino Fertigung

Demnach biete Frers im Karolino auf Wunsch auch Komfortsitze an, sorge für eine Vernetzung mit dem Smartphone und baue zudem einen Sprachassistenten und ein Soundsystem ein. Zudem seien etwa das Chassis und das Fahrwerk „im Sinne höherer Steifigkeit bei geringerem Gewicht und deutlich verbesserten Fahr- und Bremseigenschaften neu konstruiert“ worden, in Sachen Optik und Innenraum könne man von hochwertigerer Qualität ausgehen. Änderungen im Bordnetz sowie der Einsatz besserer Batterien sollen die Reichweite erhöhen und den Karolino schnellladefähig machen. Diese Bauteile stammen zum Teil praktischerweise vom Automobilzulieferer Paragon, der ebenfalls Frers gehört. Der Akku im Karolino kommt von Voltabox, wiederum ein zu Frers gehöriges Unternehmen. Insgesamt sei der Karolino gegenüber dem Microlino „in mehr als 150 technischen Punkten“ verbessert, erklärt Frers.

Nun kann man sich aber auch fragen, warum Frers diese Verbesserungen nicht im Microlino einsetzt. Schließlich hatten die Microlino-Erfinder, die Schweizer Familie Ouboter, zuletzt über Qualitätsprobleme beim Auftragsfertiger Frers geklagt und die Auslieferung einmal mehr verschieben müssen. Die Ouboters arbeiten bereits seit 2015 am Microlino und wollten ihn bei Tazzari in Italien bauen. Frers ist erst seit Ende 2018 dank der Übernahme von Tazzari mit an Brod.

Details aus der Karolino Fertigung

Frers ist wohl der Meinung, dass er mit dem Kauf von Tazzari, wo der Microlino eigentlich hätte gebaut werden sollen, neben dem Entwicklungsprojekt und einigen Vorserienfahrzeugen auch die „Vertriebs- und Produktionsrechte für diese Fahrzeugplattform“ erworben habe, wie Edison berichtet.

Wir sind selber bestürzt von dieser Art und Weise“, schreiben die Ouboters auf Twitter. Frers hingegen kündige an, dass sein Unternehmen Artega „exklusiver Produzent des Schwestermodells Microlino für Europa“ bleiben wolle. Ob die Ouboters das mitmachen wollen, bleibt abzuwarten. Zuletzt teilten sie mit, bereits an einem „Plan B“ zu arbeiten. Wir sind schon gespannt, wie diese Geschichte noch weitergeht.

Geplant war, dass der Karolino als eines der Elektroautos der IAA 2019 zu sehen sein wird. Doch daraus wird nun wohl nichts.

Quelle: Edison – Karolino kommt, Microlino bleibt

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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