Erste Fahrt im Facelift des Nissan Ariya

Erste Fahrt im Facelift des Nissan Ariya
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Wolfgang Plank

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Er ist nicht gerade das Topmodell von Nissan hierzulande: Gerade mal auf eine vierstellige Zahl an Zulassungen brachte es der Ariya im vergangenen Jahr in Deutschland. Womöglich auch deshalb haben die Japaner dem 4,60 Meter langen Elektro-SUV nun ein Facelift gegönnt. Und das im Sinn des Wortes: Die neu gestaltete Frontpartie samt schmaler Scheinwerfer lässt den Wagen deutlich dynamischer erscheinen. Kein so glückliches Händchen hatten sie in Yokohama hingegen bei der neu konzipierten Mittelkonsole. Was die Designer bewogen hat, dem Ariya einen verschiebbaren Klotz in Kellerwandstärke zwischen die schön konturierten Sitze zu knallen, wüsste man schon gerne. Das Trumm blockiert – egal in welcher Stellung – den Ellbogen beim schnellen Lenkeinschlag. Da hilft der zusätzliche Stauraum herzlich wenig.

Leider nicht der einzige Fall, in dem Form vor Funktion geht. So ein minimalistisches Armaturenbrett mag schick aussehen, wenn aber Schalter fummelig versteckt vor den Knien sitzen oder nur mit Verrenkungen im hinteren Bereich eben jener Mittelkonsole zu erreichen sind, fühlt man sich trotz des bequemen Gestühls nicht wirklich wohl. Ganz nebenbei: Der Taster für die Warnblinkanlage trägt das rote Dreieck nicht ohne Grund. Wer ihn nahezu unsichtbar flachlegt, opfert Sicherheit für Aussehen. Da freut man sich im Gegenzug über das serienmäßige Head-up-Display und den integrierten Google Maps Routenplaner, der automatisch die besten Ladestopps integriert und sich über den Sprachbefehl „Hey Google“ aktivieren lässt, ohne den Blick von der Straße wenden zu müssen.

Geblieben ist die elektrische Technik. Das Modell mit Frontantrieb leistet 178 kW (242 PS) und kommt mit seiner 87-kWh-Batterie und maximal Tempo 160 bis zu 531 Kilometer weit. Die Top-Version mit 225 kW (306 PS) schafft mit dem identischen Akku einen Radius von 507 Kilometern, wird aber erst bei 200 km/h abgeregelt. Und sie fährt mit Allradantrieb. Knapp 1000 Mal in der Zeit eines Wimpernschlages berechnet der Ariya e-4orce aus allerlei Fahrdaten die sinnreiche Kraftverteilung zwischen den Achsen und per Bremseingriff zwischen den Rädern. Bis hin zur einseitigen Vollpackung. Intelligenter geht’s kaum – komfortabler ebenfalls nicht. Das Einzige, was man hinter dem Steuer spürt, ist das gelungene Ergebnis. Ein ausgewogenes Fahrwerk mit leichter Tendenz zum Übersteuern hält den gut 2,2 Tonnen schweren Elektro-Nissan dabei ordentlich im Lot, die Lenkung indes dürfte durchaus weniger gedämpft vermelden, so dass Lenkrad und Vorderräder in engerer Beziehung stehen.

Die Antwort, womit man letztlich besser fährt, hat Rallye-Legende Walter Röhrl schon vor langer Zeit gegeben, als er Autos mit nur zwei angetriebenen Rädern zur „Notlösung“ degradierte. Und auch wenn man mit Vortrieb an lediglich einer einzigen Achse den Grenzen der Physik technisch mittlerweile nahe kommt wie nie zuvor: Der fachmännische Befund gilt auch noch in Zeiten, da immer mehr Sensoren die Bogenfahrt überwachen – und die Elektronik eingreift, sobald etwas aus dem Lenkrad zu laufen droht. Was läge näher, als zukunftsweisenden E-Antrieb mit Kraft und Intelligenz aller vier Räder zu kombinieren? Der Preis jedenfalls kann eher nicht den Ausschlag geben. Mit 63.840 Euro liegt der Allrad-Ariya gerade mal 5000 Euro über dem ebenfalls voll ausgestatteten Basismodell.

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Hier wie dort täuscht die Silhouette ein bisschen darüber hinweg, dass da schon ein ordentliches Stück Auto zu bewegen ist: 4,60 Meter lang, ohne Spiegel 1,85 breit, 1,65 hoch. Kollateralnutzen dieser Abmessungen: Vorne thront man erhaben wie der Tenno. Umgeben von gestepptem Leder, feinem Zierrat – und bestens gefeit gegen Wind- und Fahrgeräusche. Auch in zweiter Reihe hat’s noch auskömmlich Raum und bequemen Zugang. Freunde üppiger Fracht sind ebenfalls gut bedient: Das Gepäckabteil steckt 415 Liter weg (468 beim Frontantrieb), ohne Hintersassen lassen sich 1,28 Kubikmeter (1,35) verladen.

Dass sich der Ariya e-4orce in 5,7 Sekunden auf Tempo 100 bringen lässt, ist im Alltag von eher untergeordneter Bedeutung. Wichtiger schon, dass man behütet von diversen Assistenten dahingleitet. Nissans Jüngster hält Tempo und Spur, sieht Verkehrszeichen, späht in Querverkehr und tote Winkel und bremst im Notfall selbständig. In zügigem Kurvengeschlängel würde man sich aber wünschen, die Assistenz griffe ein klein wenig später ins Fahrvergnügen ein. Der neue Around-View-Monitor erzeugt mit acht Kameras ein vollwertiges 3D-Bild und mit dem Modus „durchsichtige“ Motorhaube verlieren hässliche Bordsteinkanten ihren Schrecken.

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An der Wallbox lädt der Ariya serienmäßig mit 11 kW, und per Schnelllader lassen sich 300 Kilometer Reichweite in gut einer halben Stunde ziehen – auch wenn der Stromfluss bei nicht allzu üppigen 130 kW endet. Im Idealfall ist aber ein Aufladen von zehn auf 80 Prozent in gut einer halben Stunde möglich. Pfiffig: Über die V2L-Funktion lassen sich externe Elektrogeräte mit bis zu 3,7 kW mit Strom versorgen – ideal als Notstromversorgung oder für Outdoor-Aktivitäten. Mit einem Verbrenner wäre derlei verdammt schwierig.

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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