ifo: Fertigungsberufe im Automobilbau gehen zurück

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Daniel Krenzer
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Die Automobilindustrie hat seit 2013, also binnen zehn Jahren, laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit neun Prozent der Fertigungsberufe eingebüßt – vor allem durch den Wandel hin zur E-Mobilität. Das schreibt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien, laut entsprechender Pressemitteilung in einem aktuellen Aufsatz im ifo-Schnelldienst.

„Wir sehen momentan eine Deindustrialisierung der Autobranche, die durch den Wandel zur E-Mobilität zustande kommt. Ein Teil des Verlusts wird bereits und könnte in Zukunft noch mehr durch Batteriefertigung, Dienstleistungen im Bereich Software oder digitale Geschäftsmodelle aufgefangen werden“, erläutert er. Entscheidender für das künftige Fertigungslevel deutscher Hersteller seien jedoch die Verschiebungen im Wettbewerb – vor allem mit China und den USA.

Rund 447.000 Beschäftigte stellten demnach im Jahr 2019 Produkte mit Verbrennertechnik her. Diese seien unmittelbar von der Umstellung von Verbrennungs- auf Elektromotoren betroffen – unter anderem weil Elektromotoren in der Herstellung weit weniger komplex sind als Verbrenner. „Noch produzieren die Autohersteller parallel Fahrzeuge mit beiden Antriebsarten. Mit dem Abbau dieser Doppelstrukturen wird sich der Beschäftigungsabbau in der Fertigung in den kommenden Jahren weiter beschleunigen“, wird Oliver Falck zitiert. Die Anzahl der Beschäftigten im IT-Bereich sei seit 2013 hingegen um knapp 49 Prozent gestiegen.

Die Beziehung zu China und den USA in einem veränderten geopolitischen Umfeld bestimme die künftige Position der deutschen Autoindustrie im Wettbewerb und damit auch die Produktionsvolumina, sagt Falck. Mit Tesla hätten die USA derzeit den größten Elektroauto-Produzenten der Welt auf dem Markt – zumindest wenn man nur vollelektrische Autos betrachtet. Summiert man Plug-in-Hybride und E-Autos, so hatte im vergangenen Jahr BYD die Nase vorne.

Gleichzeitig fertigten deutsche Autobauer in China deutlich mehr Fahrzeuge als in Deutschland. Auch die Bedeutung chinesischer Unternehmen in der Produktion nehme zu: Immer mehr einheimische Wettbewerber drängen auf dem chinesischen Markt. „Die chinesischen Produzenten BYD oder SAIC gehören bereits zu den Top 10 der weltweit größten Elektroauto-Produzenten“, darauf macht das ifo-Institut in der Pressemitteilung aufmerksam.

Quelle: ifo-Institut – Pressemitteilung vom 17.03.2023

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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