Hyundai/Kia investiert 100 Millionen Euro in Elektrofahrzeug-Entwickler Arrival

Hyundai/Kia investiert 100 Millionen Euro in Elektrofahrzeug-Entwickler Arrival
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Arrival

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Der Autohersteller Hyundai/Kia investiert 100 Millionen Euro in den britischen Elektrofahrzeug-Entwickler Arrival. Die Investition markiert den Beginn einer strategischen Partnerschaft, um die weltweite Akzeptanz von kommerziellen Elektrofahrzeugen zu beschleunigen, so die beiden Unternehmen in einer Mitteilung. Hyundai und Kia wollen in Zukunft die Technologien von Arrival einsetzen, um das kürzlich angekündigte Ziel der Entwicklung von Mobilitätsdiensten und der Elektrifizierung ihrer Fahrzeugflotten zu beschleunigen.

Bei Arrival werden Fahrzeugdesign und -montage neu definiert, um Elektroautos der 2. Generation zu entwickeln. Bei Elektrofahrzeugen der 1. Generation handelt es sich um Fahrzeuge mit fossilen Brennstoffen, die einfach nur mit elektrischen Antrieben nachgerüstet wurden, was sie teuer, ineffizient und kostenintensiv in Betrieb und Wartung macht. Im Gegensatz dazu wurden die Generation 2-Produkte von Arrival von Grund auf neu entwickelt und übertreffen herkömmliche Fahrzeuge in Bezug auf Kosten, Design und Effizienz.

„Arrival hat eine bahnbrechende Produktkategorie geschaffen – Generation 2 Electric Vehicles. Hyundai und Kia stellen erstklassige Fahrzeuge mit kompromissloser Qualität her. Diese strategische Partnerschaft wird es unseren Unternehmen ermöglichen, Elektrofahrzeuge der Generation 2 weltweit zu skalieren.“ — Denis Sverdlov, Gründer und CEO bei Arrival

In Zusammenarbeit mit Arrival, einem 2015 gegründeten Start-up-Unternehmen für Elektrofahrzeuge, wollen Hyundai und Kia künftig auf den flexiblen Skateboard-Plattformen und -Technologien von Arrival elektrische Kleinbusse und andere Fahrzeuge für Logistik und Carsharing entwickeln. Hyundai und Kia wollen auch die neuartigen Mikrofabriken und Softwareinnovationen von Arrival nutzen, während Arrival von der globalen Präsenz und den Skaleneffekten des Autoherstellers profitieren kann. Dies wird dazu beitragen, die von Hyundai verfolgte „Two Track“ -Strategie zu beschleunigen, um emissionsfreie Batterie- und Brennstoffzellentechnologien auch auf den Nutzfahrzeugmarkt zu bringen.

„Der Markt für umweltfreundliche Fahrzeuge in Europa wird aufgrund verschärfter Umweltvorschriften voraussichtlich rasch wachsen. Durch die gemeinsame Entwicklung von gewerblichen Elektrofahrzeugen mit Arrival können wir uns einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und unsere Führungsposition im globalen Markt für umweltfreundliche Fahrzeuge schrittweise festigen.“ — Albert Biermann, Präsident und Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Hyundai Motor Group

Der unmittelbare Fokus von Arrival liegt auf dem Nutzfahrzeugmarkt, auf dem der Verbrauch und damit die Emissionen am stärksten gestiegen sind, da mehr als 90 Prozent der Nutzfahrzeuge mit Diesel betrieben werden. Elektrofahrzeuge fügen sich nahtlos in die gewerbliche Flotte ein, da sie vorhersehbare Routen abspulen und von geringen Stromtarifen beim Laden über Nacht profitieren. Aufgrund des ausgeklügelten Konstruktions- und Montageprozesses sind die Fahrzeuge von Arrival sogar günstiger als die derzeitigen Fahrzeuge mit fossilen Brennstoffen. Dies gibt Flottenmanagern einen überzeugenden wirtschaftlichen und ökologischen Grund, auf den Elektroantrieb umzusteigen, und beschleunigt die weltweite Einführung der Elektromobilität. Mit mehr als 300 Millionen Nutzfahrzeugen auf der Welt wird die Antriebswende erhebliche Auswirkungen auf die globalen Emissionen haben.

Hyundai und Kia bieten Arrival im Zuge des Übergangs von Forschung und Entwicklung zur Serienfertigung ihre kombinierte Expertise in der Massenfertigung und bei Fahrzeugeinführungen an, und untermauern damit das Bestreben von Arrival, weltweit schnell zu skalieren.

„Wir freuen uns, mit unserer Partnerschaft mit der Hyundai Motor Group den Stealth-Modus zu verlassen, und unsere sich ergänzende Expertise wird es uns ermöglichen, gemeinsam schnell Fahrzeuge zu entwerfen, zu bauen und auszurollen. Die Beschleunigung der Einführung von Elektrofahrzeugen ist für alle von Vorteil – für Menschen, Unternehmen und den Planeten. Wir freuen uns, diese Mission mit unseren Partnern Hyundai und Kia zu erfüllen.“ — Avinash Rugoobur, Chief Strategy Officer von Arrival

Arrival wurde 2015 gegründet und verfügt über Produktionsstätten und Forschungs- und Entwicklungszentren in den USA, Deutschland, Tel Aviv, Russland und Großbritannien. Die Stärke des Unternehmens liegt in seiner „Skateboard“ -Fahrzeugplattform mit modularer Komponentenstruktur, einer kostengünstigen Basis aus Batteriepack, Elektromotor und Antriebskomponenten.

Die Plattform ist für mehrere Fahrzeugtypen vollständig skalierbar und kann zur Beschleunigung der Fahrzeugentwicklung verwendet werden, um den unterschiedlichen Kundenanforderungen gerecht zu werden. Derzeit führt Arrival Pilotprojekte mit mehreren Logistikunternehmen in Europa durch, bei denen mit dieser Technologie hergestellte Transporter zum Einsatz kommen.

Quelle: Arrival und Hyundai/Kia — Pressemitteilungen vom 15.01.2020

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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