Honda EM1 e: E-Mobilität auf zwei Rädern

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Honda

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
  —  Lesedauer 4 min

Honda ist eine der wenigen Marken, die neben Autos auch Zweiräder anbieten. Der Cityroller EM1 e: zeigt, dass auch diese langsam aber sicher elektrisch werden. Wir haben den Honda EM1 e genauer betrachtet und prüfen, ob E-Mobilität auf zwei Rädern funktioniert.

Für kaum ein Verkehrsmittel passt der Elektroantrieb besser als für einen Roller. Sein Aktionsradius in der Innenstadt ist überschaubar, die Geschwindigkeiten liegen durchschnittlich deutlich unter 50 km/h und das geräuschlose Fahren ist gerade in der City eine Wohltat. Nachdem immer mehr Zweiradhersteller elektrische Roller anbieten, zieht nun auch der japanische Zweiradexperte Honda nach und will mit dem EM1 e: eine Alternative zu Vespa, Segway und Nova Motors anbieten.

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Das Design ist gefällig und modern, ohne dabei allzu extravagant zu sein. Angetrieben wird der neue Honda EM1 e: von einem Radnabenmotor, der von einem austauschbaren Akkupaket gespeist wird. Die Wechselbatterie macht den EM1 e: besonders interessant für Nutzer, die über keinen Stromanschluss in der Garage verfügen oder das elektrische Zweirad ohnehin draußen parken müssen. Der mit ein paar Handgriffen problemlos entnehmbare Akku unter der Sitzbank hat jedoch auch seine Nachteile, denn die maximale Reichweite des elektrischen Cityrollers ist mit 41 Kilometern sehr überschaubar. Im Eco-Modus sind gerade einmal 48 Kilometer drin. Zum Vergleich: das Topmodell Vespa Elettrica ohne entnehmbaren Akku hat je nach Fahrmodus eine Reichweite von 75 bis fast 100 Kilometer und auch viele andere schaffen locker die 80-Kilometer-Marke bis zum nächsten Ladestopp.

Honda ist dabei besonders stolz auf sein Batteriekonzept. Das Akkupaket ist für mehr als 2.500 Ladungen vorgesehen. Das 50-Volt-Powerpaket mit einem Gewicht von etwas mehr als zehn Kilogramm lässt sich in dem luftgekühlten 270-Watt-Ladegerät von 25 auf 75 Prozent in 160 Minuten aufladen. Wirklich schnell ist das ebenfalls nicht; erstarkt das Akkupaket der Vespa Elettrica von 0 auf 100 Prozent doch in weniger als 240 Minuten. Dafür benötigt die 1,86 Meter lange EM1 e: jedoch stattliche 360 Minuten / sechs Stunden. Vorteil: man kann bei der Honda den Akku jedoch entnehmen, was im Fall der Fälle auch einen problemlosen und kostengünstigen Tausch ermöglicht.

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Die Höchstgeschwindigkeit des E-Rollers liegt bei zugelassenen 45 km/h, während die übersichtliche Digitalanzeige je nach Laune auch ein paar Stundenkilometer mehr anzeigt. Doch beim Dreh am Gasgriff spürt der Fahrer schnell, dass der elektrisch angetriebene Honda EM1 e: zwar beinahe geräuschlos los surrt, im Wettbewerbsumfeld nicht den stärksten Elektromotor an der Hinterachse hat. Die Nennleistung des Radnabentriebwerks liegt bei 0,58 kW, die Maximalleistung bei 1,7 kW / 2,3 PS und 90 Nm maximales Drehmoment. Das reicht, um mit einem 75 Kilogramm schweren Fahrer eine zehnprozentige Steigung zu erklimmen.

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Vorne rollt der Cityroller auf Reifen der Dimension 90/90-12, während die Radnabe ihre Leistung über einen Reifen im Format 100/90-10 auf die Straße überträgt. Die Vorderradfelge ist aus Aluminiumguss gefertigt, die hintere Felge eine Aluminium-Stahl-Verbundkonstruktion. Das Bremssystem kombiniert eine 190 mm große Scheibenbremse vorn mit einer Einkolben-Bremssattel mit einer 110-mm-Trommelbremse hinten. Wird die Hinterradbremse aktiviert, verteilt das CBS-System (Combined Braking System) die Bremskraft mit auf den vorderen Bremssattel, um für Sicherheit und Komfort zu sorgen.

Die Abstimmung des Fahrwerks ist betont komfortabel und der EM1 e: ist mit einem Leergewicht von 95 Kilogramm leichter als viele seiner Wettbewerber. Zudem stimmt die Ergonomie, denn auch für groß gewachsene Fahrer passen Sitzbank, Lenker, Anzeigen und Trittbretter. Wenn einmal zwei Personen auf dem elektrischen Japaner unterwegs sein sollten, gibt es sogar kleine Soziusfußrasten. Das kleine Reisegepäck für die City findet unter der klappbaren Bank (3,3 Liter), auf dem Gepäckträger oder den praktischen Ablagen unter dem Lenker Platz. Hier lässt sich das Smartphone über einen USB-Anschluss beispielsweise aufladen oder eine mittelgroße Trinkflasche mit 0,5 Litern Volumen sicher unterbringen.

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Einen Kaufpreis gibt es für den Honda EM1 e: übrigens nicht, denn dieser wird aktuell nur als Leasing- / Mietmodell oder im Rahmen eines monatlichen Abonnements angeboten. Mal schauen, ob den Kunden das gefällt oder Honda doch noch auf ein Verkaufsmodell umsteigen muss.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist Firmeninhaber und Geschäftsführer von press-inform und press-inform consult. Er ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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Rainer Zerrath:

Die Vespa Elettrica „ist ein durchaus nicht schlechtes Angebot“? Ich kenne kaum schlechtere. 6.999 Euro für einen E-Roller, für den man eine Garage mit Steckdose benötigt, sind echt heftig. Vom gleichen Hersteller gibt es den Piaggio 1 schon für 2.899 Euro. Und der hat einen entnehmbaren Akku, den man in der Wohnung aufladen kann. Für meinen Kumpan-Electric Iconic 54 habe ich im April 2.990 Euro bezahlt, der stand sich allerdings schon über ein Jahr im Mercedes-Autohaus die Reifen platt.

Wolfbrecht Gösebert:

Das Konzept handwechselbarer Akkus ist hier schon mal der richtige Weg, es müßten der Reichweite wegen aber (auch) zwei einzulegen sein!

„[Honda hat] … offenbar noch gar keine richtige Lust, konkurrenzfähige Elektroangebote an den Markt zu bringen. Dieses Machwerk ist mit Absicht schlecht geraten, …“

Ja, es ist ein wenig wie mit dem Honda e, der zwar knuffig aussieht, aber mehr gewollt als gekonnt daherkommt! Stückzahlen seh‘ ich bei beiden nicht!

heinr:

Unbegreiflich wie Honda solch einen Unfung anbieten kann. 41 km Reichweite heißt aber auch von 25-75 % 20 km Reichweite. Mit max. 1,7 KW ist man an der Ampel ein Hindernis und kommt zu zweit wohl kaum eine Steigung rauf.

Marc:

Hier ist Honda absolut zu kritisieren. Mit Rücksicht auf ihre Stammkundschaft haben sie offenbar noch gar keine richtige Lust, konkurrenzfähige Elektroangebote an den Markt zu bringen. Dieses Machwerk ist mit Absicht schlecht geraten, damit elektrisch weiterhin für lahm und ohne Reichweite steht. Aber das wird sich für Honda rächen. Es gibt ausgezeichnete Angebote im Markt, und in diesem Segment tatsächlich sehr viele konkurrenzfähige Fahrzeuge aus China wie die Niu-Roller. Da wird der Markt nicht auf Honda warten. Zumal ja Vespa als Traditionshersteller erwähnt ist und deren elektrische Vespa ist ein durchaus nicht schlechtes Angebot.

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