Heidelberg: Neuer Betriebshof für E-Busse mit H2-Range-Extender

Cover Image for Heidelberg: Neuer Betriebshof für E-Busse mit H2-Range-Extender
Copyright ©

rnv

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 7 min

In Heidelberg ist der neu errichtete Betriebshof speziell für die Busse mit alternativem Antrieb vorgestellt worden. Dort sollen zukünftig zunächst 27 Gelenkbusse vom vom Typ H2-eCitaro, die die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) innerhalb des Förderprojekts H2Rhein-Neckar in Heidelberg beschafft, abgestellt, mit Wasserstoff betankt und mit Strom geladen werden. Das Projektvolumen für den neuen Betriebshof liegt laut Pressemitteilung bei 24,5 Millionen Euro, inklusive der Planungskosten. Die öffentliche Wasserstofftankstelle sowie Teile der Ladeinfrastruktur werden über das Wasserstoffdemonstrationsprojekt H2 Rhein-Neckar vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft gefördert.

Der H2-eCitaro ist wie der rein batterieelektrische Citaro als Gelenkbus mit einer netto 392 kWh großen Batterie ausgestattet, hat zudem aber eine Brennstoffzelle an Bord sowie auf dem Dach Platz für bis zu 35 Kilo Wasserstoff. Dieser dient als Reichweitenverlängerung. Insgesamt sollen die Busse bis zu 400 Kilometer am Stück absolvieren können, ohne Wasserstoff-Ergänzung sind es ansonsten bis zu 320 Kilometer laut WLTP. Obwohl es sich folglich vor allem um batterieelektrische Busse handelt, ist die Wasserstoff-Euphorie in der Universitätsstadt groß.

„Der neue RNV-Betriebshof zeigt: Der Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft in der Metropolregion ist geschafft! Dank der Förderung des Projekts H2Rhein-Neckar mit 16,7 Millionen Euro durch das Umweltministerium Baden-Württemberg wird Wasserstoff für die Bürgerinnen und Bürger im klimafreundlichen öffentlichen Personennahverkehr vor Ort erfahrbar. Im Zusammenspiel mit dem bundesgeförderten Projekt H2 Rivers entsteht hier in der Region ein Wasserstoff-Ökosystem mit Leuchtturm-Charakter. Der Wasserstoff, der auf dem Heidelberger Betriebshof getankt werden kann, kommt auf kurzem Weg von der Friesenheimer Insel in Mannheim“, sagt Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.

„Ein erfolgreicher Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ist für Baden-Württemberg von zentraler Bedeutung – sowohl zum Erreichen der Klimaziele als auch zur Sicherung des Industriestandorts. Pioniervorhaben wie in der Metropolregion Rhein-Neckar bringen dabei entscheidende Fortschritte“, führt der Staatssekretär weiter aus. Die Begleitforschung im Projekt H2 Rhein-Neckar ermögliche außerdem, dass andere Regionen von den Erfahrungen profitieren. Anhand des neuen Betriebshofs werde unter anderem analysiert, wie Abläufe für Busse mit alternativen Antrieben idealerweise aussehen, um so Bus-Betriebe bei der Transformation zu unterstützen.

Erfahrungen sammeln ist die Prämisse

„Ein klimafreundlicher ÖPNV ist für eine nachhaltige Mobilität unabdingbar. Gerade der Busverkehr, bei dem die Clean Vehicle Directive klare Zielvorgaben zur Elektrifizierung gibt, bietet dazu einen Hebel. Nur wenn wir die Emissionen reduzieren, sind die Klimaziele erreichbar. Die RNV setzt vor Ort emissionsfreie Mobilität in die Realität um. Der neue Betriebshof schafft die notwendigen infrastrukturellen Rahmenbedingungen für den Einsatz alternativer Antriebe“, ergänzt Elke Zimmer, Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg. „Damit die Mobilitätswende landesweit gelingt, gilt es die Erfahrungen aus Vorreiterprojekten wir hier weiterzutragen. Dabei unterstützt neben der Begleitforschung auch das Netzwerk Null-Emissions-Busse, das die Landesagentur e-mobil BW koordiniert und ÖPNV-Betreibern und Kommunen ein Forum zum Erfahrungsaustausch bietet“, sagte Zimmer weiter.

„Die H2-eCitaros nutzen sowohl die Batterie als auch die Brennstoffzelle als Antrieb, was eine größere Reichweite und damit emissionsfreien Busverkehr auch auf längeren und hügeligen Streckenabschnitten ermöglicht, wie sie in Heidelberg häufig vorkommen“, heißt es in der Pressemitteilung des RNV. Ab voraussichtlich Juni fahren die neuen Fahrzeuge in Heidelberg auf Linie, sodass Bürgerinnen und Bürger Mobilität mit Wasserstoff selbst erleben können sollen. Zuvor sollen in den nächsten Wochen die Tankanlage, Fahrzeuge und die Abläufe auf dem neuen Betriebshof ausgiebig getestet und das Personal geschult werden.

„Wasserstoffwirtschaft bietet für Heidelberg viele neue Chancen und Möglichkeiten für eine attraktive Mobilitätswende: Mit den Wasserstoffbussen können wir das Heidelberger Busnetz moderner und umweltfreundlicher gestalten. Das wird uns besonders auch im topografisch anspruchsvollen Heidelberger Gelände zugutekommen“, sagt Raoul Schmidt-Lamontain, Bürgermeister für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität. „Außerdem entwickeln die Stadt Heidelberg und die RNV mit den Bussen auch den bereits vorhandenen Wasserstoff-Fuhrpark in der Stadt spürbar weiter, der bereits sechs Wasserstoff-Fahrzeuge zählt. Privatpersonen und Unternehmen können ebenso von diesen Möglichkeiten im Wieblinger Betriebshof profitieren. Die Infrastruktur bietet ihnen die Chance, mit ihren Fahrzeugen auf umweltfreundliche Wasserstofftechnologie umzusteigen. Damit investieren wir auch in die Zukunft der Stadt und der Region“, erläutert Schmidt-Lamontain.

„Der RNV-Wasserstoffbetriebshof in Heidelberg ist zusammen mit der Beschaffung von Wasserstoff-Bussen für Heidelberg, Ludwigshafen und Mannheim ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem klimaneutralen öffentlichen Personennahverkehr. Die Projekte H2 Rhein-Neckar und H2 Rivers sowie der neue Betriebshof mit öffentlicher Wasserstofftankstelle tragen auch zum Aufbau einer wasserstoffbasierten Wertschöpfungskette in der ganzen Region bei“, sagt der Mannheimer Oberbürgermeister und RNV-Aufsichtsratsvorsitzende Christian Specht und betont: „Das zeigt: RNV, die Städte und die Region ziehen gemeinsam an einem Strang für die Dekarbonisierung und die Energiewende.“

Auch eine öffentliche H2-Tankstelle entsteht

„Zwar ist es immer umweltfreundlicher, Bus oder Bahn anstelle des eigenen Pkws zu nutzen, wir wollen uns auf diesem Ökologie-Vorsprung aber keineswegs ausruhen. Unser Ziel ist es daher, unsere gesamte Fahrzeugflotte bis 2032 auf lokal emissionsfreie Antriebe umzustellen. Dabei sind wir technologieoffen und setzen sowohl auf herkömmliche E-Busse als auch auf E-Busse mit Brennstoffzelle. Je nach dem, was unter den lokalen Gegebenheiten mehr Sinn macht”, sagte Christian Volz, kaufmännischer Geschäftsführer der RNV.

„In Heidelberg haben wir vergleichsweise lange Busrouten, die teilweise auch einige Höhenmeter zu bewältigen haben. Hinzu kommt, dass wir in Heidelberg aus Kapazitätsgründen viele Gelenkbusse einsetzen, bei denen allein schon aufgrund ihres Gewichts der Einsatz einer Brennstoffzelle sinnvoll ist. Dementsprechend kommt hier dann auch der Löwenanteil unserer neuen H2 eCitaros zum Einsatz”, sagte Volz weiter. Aus diesem Grund freue es ihn, dass nun der neue Betriebshof nach gut anderthalb Jahren Bauzeit eröffnet werden könne – insbesondere, weil der Bau aufgrund der Kombination von zwei unterschiedlichen Infrastrukturen und der schwierigen Marktlage nicht einfach gewesen sei.

Die neue öffentliche Wasserstofftankstelle wurde von H2 Mobility entwickelt und erbaut. Sie bietet eine Kapazität von über 1000 Kilo Wasserstoff pro Tag, drei Dispenser und – neben der Betankungskapazität für die Brennstoffzellen-Range-Extender-Gelenkbusse der RNV – weitere Betankungsmöglichkeiten für Wasserstoff-Fahrzeuge aus der Region. Im Rahmen der schrittweisen Inbetriebnahme können laut Mitteilung am Wieblinger Weg 92 voraussichtlich ab Mai auch Pkw (700 bar) und Lkw (350 bar) öffentlich tanken. Genutzt werde die Wasserstofftankstelle dann auch von der Abfallsammelwirtschaft Heidelberg, die seit März 2023 ein emissionsfreies Fahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb in der Flotte hat. „Durch die direkte Nähe zur A5 und der Stadt liegt die Wasserstofftankstelle verkehrsgünstig“, heißt es zudem.

Frank Fronzke, Geschäftsführer von H2 Mobility erklärt: „In Heidelberg nimmt eines der bedeutendsten Tankstellenprojekte des Jahres heute offiziell seinen Betrieb auf. Die Wasserstofftankstelle steht für eine Reihe von H2 Mobility Neueröffnungen und ist die erste von unseren vier neuen Stationen in der Region Rhein-Neckar.” Weitere öffentliche Wasserstofftankstellen, die H2 Mobility in der Region errichten und betreiben werde, entstehen demnach bis zum Sommer in Mannheim, bis Ende 2024 in Frankenthal und bis Anfang 2025 in Ludwigshafen.

„Die Größe und Leistungsfähigkeit der neuen Stationen stehen für eine neue H2-Tankstellengeneration. Unter Verwendung leistungsstarker Technik tanken mehrere 350 und 700 bar Fahrzeugtypen am selben Standort – Busse, Lkw, leichte Nutzfahrzeuge und Pkw. Der Standort in Heidelberg und die kommenden Neueröffnungen zeigen, wie wichtig Partnerschaften mit lokalen Akteuren sind, die die Mobilitätswende entschlossen vorantreiben. Durch die Zusammenarbeit entsteht in dieser Region derzeit ein leistungsstarkes, flächendeckendes Tankstellennetz für den ÖPNV, die Transportlogistik und private Fahrzeuge. Wir freuen uns damit zum Aufbau einer hohen Versorgungssicherheit beizutragen und mit unserem erfahrenen Team hohe Verfügbarkeiten sicherzustellen”, frohlockte Fronzke weiter.

Auch Busse für Mannheim und Ludwigshafen

In der Metropolregion Rhein-Neckar entsteht mit einem der größten Demonstrationsprojekte für H2-Mobilität im Südwesten Deutschlands ein Wasserstoff-Ökosystem: die Projekte H2 Rhein-Neckar und H2 Rivers erproben die Nutzung neuer Wasserstofftechnologien und liefern neue Erkenntnisse für den Aufbau einer regionalen Wertschöpfungskette.

Isabell Knüttgen, Leiterin der Wasserstoffaktivitäten bei der Landesagentur e-mobil BW erläutert: “Demonstrationsprojekte wie H2 Rhein-Neckar und H2 Rivers sind entscheidend für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. Sie sammeln wichtige Erfahrungen für die Weiterentwicklung von Technologien und bilden ein Grundgerüst, damit ein Wasserstoff-Ökosystem funktionieren und wachsen kann – dies gelingt nur durch Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Mobilität sehen wir als einen Schrittmacher für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft, Grundvoraussetzung ist dabei ein paralleler Aufbau der Infrastruktur und Auslieferung von Fahrzeugen.”

Auch über Heidelberg hinaus werde ÖPNV mit Wasserstoff-Mobilität in der Region erfahrbar: 13 weitere H2 eCitaros beschafft die RNV für den Einsatz in Mannheim und acht für Ludwigshafen. Neben den Bussen werde die Anwendung von Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie auch in anderen Fahrzeugen, darunter Brennstoffzellen-Abfallsammelfahrzeugen erprobt.

Quelle: RNV – Pressemitteilung im April 2024

worthy pixel img
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Schreib einen Kommentar und misch dich ein! 🚗⚡👇


Broesel:

Wir sollten den übertüdelten H₂-Pkw-Nischen-Zirkus ein für alle Mal für tot erklären und stattdessen die industrielle Chemie- und Prozeß-Nutzung von H₂ (statt Kohle/Öl) energisch vorantreiben.

Und richtige Langstrecken mache ich viele Jahre vollelektrisch: Mit E-Auto zur elektrischen Fernbahn und für die ‚letzte Meile‘ ggf. noch ein E-Auto mieten!

Jakob Sperling:

Ich habe bei Mercedes eine Angabe gefunden, wo die sagen, dass die „zuverlässige Reichweite“ des Gelenkbusses mit der grössten Batterie (686 kWh) 200 Kilometer betrage.

Es ist auf jeden Fall sehr schwierig, für einen Stadtbus (nicht Fernbus) eine nachvollziehbare Reichweite anzugeben. Nicht nur die Topographie, sondern auch die Anzahl Start/Stopps und dann v.a. auch noch die Klimatisierung/Heizung spielen eine gewaltige Rolle. Ich habe auch einmal gelesen, dass bei einem Stadtbus mit vielen Stopps im Winter die Heizung die Hälfte der Energie konsumiere.

Es ist daher für den Vergleich von BEV und FCEV sinnvoller, einfach mal von der gespeicherten Energie auszugehen. Ein kg H2 ergibt je nach Brennstoffzelle irgendwo zwischen 15 und 20 kWh Energie. Ich habe oben mal vorsichtigerweise mit 15 kWh gerechnet, was für die 35 kg H2 somit mind. 525 kWh Energie gibt, währenddem die Batterie 392 kWh Energie liefern kann.
Wenn geheizt werden muss (oder für die Batterie-Vorkonditionierung) liefert der Wasserstoff dann mindestens noch einmal gut die Hälfte an Wärme.

rabo:

…sicher nicht absichtlich schlechtreden – aber relativ unkommentiert und offenbar ohne Erklärungsnachfrage beim Hersteller ins Forum stellen; denn auch beim Hersteller kann es natürlich zu Fehlern kommen.
Generell sind BEVs ideal für kleine Stadtflitzer und Eigenheimbesitzer mit Lademöglichkeit zuhause – FCEVs werden (m.E. in spätestens 10 Jahren) eine wichtige parallele Rolle für den emissionsfreien Elektroantrieb einer Vielfalt von Fahrzeugen (z.B. Schiffe, Züge, LKWs/Busse/Baumaschinen, PKWs und sogar Flugzeuge) spielen. Jegliche Förder- und Forschungsgelder sind bestens investiert. Wasserstoff gibt es unbegrenzt (selbst im Meerwasser) und grüner H2 kann überall hergestellt werden. Für Reise-PKWs existiert derzeit noch ein „Henne-Ei-Problem“. Nur 2 teure Modelle (in Deutschland) daher wenige Tankstellen – wenig Tankstellen, daher nur wenige PKWs. Wir sollten Vorreiter in der H2 Technologie bleiben, sonst wird China auch dieses Segment richten.

Daniel W.:

Hier mal die Angaben des Herstellers für die beiden Antriebsarten im Vergleich.

—–
eCITARO FUEL CELL (Batterie und Wasserstoff)

Das Konditionswunder.

… Mehr als 400 Kilometer ununterbrochene Reichweite für den Solobus und den Gelenkbus bei hoher Fahrgastkapazität. Die Kombination aus Batterien der neuesten Generation und einer Brennstoffzelle macht’s möglich.

Anzahl Hochvolt-Batteriemodule NMC-Batterie 3
Kapazität je Batteriemodul NMC-Batterie [kWh] 98,3 >> 3 x 98,3 = 294,9 kWh

eCitaro fuel cell 2 Türen oder 3 Türen
Normaler Bus – Reichweiten: Bis zu 400 km **

eCitaro G fuel cell 3 oder 4 Türen
Gelenkbus – Reichweiten: Bis zu 350 km **

– – – vs – – –

eCITARO (Batterie)
Normaler Bus mit 2 und 3 Türen
Gelenkbus mit 3 und 4 Türen

Kapazität Ausstattungsvarianten NMC-Batterie 198/264/330/396 kWh
Kapazität Ausstattungsvarianten Festkörperbatterie 378/441 kWh

Reichweiten: Bis zu 320 km** (Angabe bei normalem Bus und Gelenkbus)

** Begünstigte Bedingungen: Durchschnittliche Anforderung an Geschwindigkeit, Topografie und Beladung, einfache klimatische Bedingungen.
(Quelle: mercedes-benz-bus.com – PDF)
—–

Also laut Hersteller gibt es beim Modell eCITARO FUEL CELL nur 30 bis 80 km mehr Reichweite als bei den Bussen ohne Wasserstoff.

Da weiß bei Mercedes-Benz die eine Hand nicht was die andere schreibt, da die Angaben vorne und hinten nicht zusammenpassen wollen.

Jakob Sperling:

In verschiedenen anderen Pressemitteilungen der letzten paar Monate zu den eCitaro-Bussen finde ich zur aufgeworfenen Frage noch diese Informationen:

Die 60 kW Brennstoffzelle ist von Toyota. Toyota gewährleistet 40’000 Stunden Betriebszeit als Range-Extender.

Für die reine BEV-Variante des 18m-Gelenkbusses mit der grössten Batterie von 686 kWh meldet Mercedes eine ‚zuverlässige Reichweite‘ von 200 km.

Daraus könnte man per Dreisatz schliessen, dass die 392kWh-Batterie etwa 115 km ‚zuverlässige Reichweite‘ bieten würde,
wonach dann für den H2-REX von den 400 km noch etwa 285 bleiben würden.
Das gäbe dann gut 12 kg H2 pro 100 km, was plausibel erscheint (ein PKW braucht ca. 1 kg / 100 km).

Kommt hinzu, dass bei einer Brennstoffzelle zusätzlich noch etwa 1/3 der Energie als Wärme anfällt, was dann im Winter einen grossen Unterschied ausmacht.

Daniel Krenzer:

Das tatsächliche Verhältnis zwischen Energie aus dem Akku und aus der Brennstoffzelle in Realität wäre in der Tat spannend. Die Formulierung hinkte nach Einfügen des Hinweises auf WLTP in der Tat. Wir behalten das Thema auf dem Schirm!

Philipp:

Zu den 400km im verlingten Artikel stehen mit 2** und im **Text dazu steht dann:

„Begünstigte Bedingungen: Durchschnittliche Anforderung an Geschwindigkeit, Topografie und Beladung, einfache klimatische Bedingungen“.

Also noch nicht mal Alltag, im Winter oder Regen also noch deutlich weniger was dann noch mehr verwirrt.

Ich hader sehr mit den 400km

Macht doch mal eine Presseanfrage zur Klärung dieser Frage.

Michael Neißendorfer:

Hallo Jakob,

die Angabe mit den 400 Kilometern (der angeblich „unkommentierte Unsinn“) kommt vom Hersteller selbst. Und der müsste eigentlich recht genau wissen, was der H2-eCitaro so runterreissen kann. Wörtlich heißt es: „Für maximale Reichweiten von bis zu 400 km ohne Nachladen.“ Nachzulesen hier: https://www.mercedes-benz-bus.com/de_DE/models/ecitaro-fuel-cell/facts.html

Also lass bitte Deine wiederholten, haltlosen Unterstellungen, wir würden die Technologie absichtlich schlechtreden. Danke.

Schöne Grüße

Michael

Jakob Sperling:

Würde dann aber heissen, dass die Batterie alleine in der gegebenen Realität etwa 150 km machen würde.

Jakob Sperling:

„Insgesamt sollen die Busse bis zu 400 Kilometer am Stück absolvieren können, ohne Wasserstoff-Ergänzung sind es ansonsten bis zu 320 Kilometer laut WLTP. Somit fällt auf den deutlich teureren Wasserstoff etwa 20 Prozent der Nutzung, wenn beide Energiequellen voll ausgeschöpft werden.“

Das ist Schwachsinn und unmöglich so.
Die Batterie habe eine Kapazität von 392 kWh.
35 kg Wasserstoff liefern – je nach Typ der Brennstoffzelle – mindestens 525 kWh, vermutlich eher mehr.
Der Energiegehalt der Batterie wird also durch den H2-REX weit mehr als verdoppelt.
Der Motor macht keinen Unterschied, je nach dem, woher die kWh kommt; das ist dem egal.

Ein Fachmedium sollte einen solchen Unsinn nicht (unkommentiert) durchlassen.
Aber vielleicht ist die Meldung hier nur mit diesem absurden Resultat willkommen.

Wenn man da noch irgend etwas Richtiges daraus machen wollte, könnte es vielleicht sein, dass die Batterie theoretisch nach WLTP 320 km machen könnte (was aber bei diesem Streckenprofil niemals rauskommen würde) und mit der Verstärkung durch den H2-REX lassen sich dann unter den realen Gegebenheiten tatsächlich 400 km erreichen. Das würde auch heissen, mit der Batterie alleine liessen sich trotz WLTP von 320 km in der Realität nur etwa 175 km machen.

Ähnliche Artikel

Cover Image for China-Experte: „Fehler sind Teil des Fortschritts“

China-Experte: „Fehler sind Teil des Fortschritts“

Sebastian Henßler  —  

In der aktuellen Podcast-Folge hatte ich die Gelegenheit, mit Dr. Thomas Kiefer zu sprechen – Journalist, Asien-Experte und profunder Kenner der chinesischen Industriepolitik. Seit Ende der 1980er Jahre beobachtet er vor Ort in Shanghai die Entwicklungen, war unter anderem in Joint Ventures wie Shanghai Volkswagen unterwegs und hat über Jahrzehnte hinweg verschiedene Länder Asiens bereist […]

Cover Image for Alpitronic CEO: „Laden muss immer funktionieren“

Alpitronic CEO: „Laden muss immer funktionieren“

Sebastian Henßler  —  

Im exklusiven Interview verrät Philipp Senoner, warum 400 kW für den Massenmarkt reichen, 850 kW und darüber hinaus aber als Sonderlösung kommen werden.

Cover Image for Diese 7 günstigen E-Autos unterstützen Plug & Charge

Diese 7 günstigen E-Autos unterstützen Plug & Charge

Daniel Krenzer  —  

Stecker rein und einfach losladen: Diese unkomplizierte Art des E-Auto-Ladens gibt es für immer mehr Modelle. Doch welche sind die günstigsten?

Cover Image for Volkswagen richtet Produktion auf KI-gestützte Zukunft aus

Volkswagen richtet Produktion auf KI-gestützte Zukunft aus

Michael Neißendorfer  —  

Effizienter, intelligenter und resilienter will Deutschlands größter Autohersteller werden: Dafür setzt der VW-Konzern in der Produktion verstärkt KI ein.

Cover Image for Neuer Volvo XC70: Der Plug-in-Hybrid für die Langstrecke

Neuer Volvo XC70: Der Plug-in-Hybrid für die Langstrecke

Michael Neißendorfer  —  

Im stadtnahen CLTC-Zyklus fährt der neueste Plug-in-Hybrid von Volvo 200 Kilometer weit. Ob er nach Europa kommt, ist noch offen.

Cover Image for Nio: 200.000 Akku-Wechsel in Europa, aber kaum neue Stationen

Nio: 200.000 Akku-Wechsel in Europa, aber kaum neue Stationen

Daniel Krenzer  —  

Mit der Anzahl der getauschten Akkus geht es für Nio in Europa voran, doch von den 170 geplanten Standorten gibt es bislang nur 60.