E-Lkw legen kräftig zu, doch der Diesel trägt noch den Markt

E-Lkw legen kräftig zu, doch der Diesel trägt noch den Markt
Copyright:

Milence

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Der europäische Nutzfahrzeugmarkt ist im ersten Halbjahr 2026 laut ACEA-Zahlen wieder gewachsen. Hinter den positiven Gesamtzahlen verbirgt sich allerdings eine Elektrifizierung in drei Geschwindigkeiten: Bei Bussen ist der Elektroantrieb bereits ein relevanter Bestandteil des Neuwagenmarktes. Bei Transportern gewinnt er deutlich an Bedeutung. Schwere Elektro-Lkw entwickeln erstmals größere Dynamik, starten jedoch weiterhin von einer niedrigen Basis.

In der Europäischen Union wurden im ersten Halbjahr 742.759 leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen neu zugelassen. Das waren 1,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Markt für Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen legte um 9,8 Prozent auf 171.933 Fahrzeuge zu. Bei Bussen stiegen die Zulassungen um 22,7 Prozent auf 22.590 Einheiten.

Bei den Transportern wurden 97.781 elektrisch aufladbare Fahrzeuge neu zugelassen. Die ACEA fasst darunter reine Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride zusammen. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 stiegen die Zulassungen um 41,6 Prozent. Der Marktanteil erhöhte sich von 9,5 auf 13,2 Prozent.

Die absoluten Zahlen zeigen, wie stark diese Fahrzeuge inzwischen zur Marktentwicklung beitragen. Insgesamt wuchs der europäische Transportermarkt lediglich um knapp 14.000 Fahrzeuge. Bei den elektrisch aufladbaren Modellen kamen dagegen fast 29.000 Einheiten hinzu.

Elektromodelle verhindern Schrumpfen des Marktes

Gleichzeitig gingen die Zulassungen von Dieseltransportern um rund 10.500 und die von Benzinern um knapp 7600 Fahrzeuge zurück. Ohne das Wachstum der elektrifizierten Modelle wäre der europäische Transportermarkt somit geschrumpft.

Auch in Deutschland sank der Transportermarkt insgesamt um 4,6 Prozent, während die Zahl der elektrisch aufladbaren Modelle um 78,3 Prozent auf 18.021 Fahrzeuge stieg. Ihr rechnerischer Marktanteil erreichte knapp 14,7 Prozent. Bei den Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen stieg die Zahl der elektrisch aufladbaren Modelle um 47,7 Prozent auf 8235 Fahrzeuge. Ihr Marktanteil erhöhte sich von 3,6 auf 4,8 Prozent.

Gleichzeitig wurden jedoch rund 13.500 zusätzliche Diesel-Lkw zugelassen. Rechnerisch entfielen damit knapp 88 Prozent des gesamten Marktwachstums auf Dieselfahrzeuge. Elektrische Lkw gewinnen also deutlich Marktanteile, die aktuelle Erholung des Marktes wird bislang aber weiterhin hauptsächlich vom Diesel getragen.

Zudem unterscheiden sich die Ergebnisse stark nach Gewichtsklasse. Bei mittelschweren Lkw zwischen 3,5 und 16 Tonnen waren bereits rund 18 Prozent der Neuzulassungen elektrisch aufladbar. Bei schweren Lkw ab 16 Tonnen lag der Anteil erst bei 2,4 Prozent. Gerade bei schweren Lkw zeigt sich inzwischen jedoch eine deutliche Beschleunigung. Die Zahl der elektrisch aufladbaren Modelle ab 16 Tonnen stieg um 83,3 Prozent von 1919 auf 3518 Fahrzeuge. Damit entfielen rund 60 Prozent des gesamten absoluten Zuwachses bei elektrischen Lkw auf die schwere Gewichtsklasse.

E-Busse deutlich weiter

Die Quartalsdaten deuten zudem auf eine weitere Beschleunigung hin. Im zweiten Quartal wurden rund 4636 elektrisch aufladbare Lkw zugelassen, etwa 54 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2025. Ihr Marktanteil erhöhte sich von rund 4,4 Prozent im ersten auf gut 5,1 Prozent im zweiten Quartal. Der Hochlauf konzentriert sich stark auf wenige Staaten. Deutschland kam auf 3545 elektrisch aufladbare Lkw und stellte damit rund 43 Prozent des gesamten EU-Marktes. Zusammen mit den Niederlanden und Frankreich entfielen fast drei Viertel aller Zulassungen auf nur drei Länder.

Bei Bussen ist der Elektroantrieb bereits deutlich weiter. Die Zulassungen elektrisch aufladbarer Modelle stiegen um 56,8 Prozent auf 6247 Fahrzeuge. Ihr Marktanteil erreichte 27,7 Prozent.

Die ACEA-Daten zeigen damit einen klaren Hochlauf, aber noch keine flächendeckende Antriebswende. Elektrische Transporter tragen bereits wesentlich zum Marktwachstum bei, Elektrobusse erreichen relevante Anteile und schwere Elektro-Lkw legen spürbar zu. Der Durchbruch bleibt jedoch auf wenige Länder und geeignete Einsatzprofile konzentriert.

Quelle: ACEA – Pressemitteilung vom 29. Juli 2026

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

Junge Deutsche bevorzugen Verbrenner, doch warum?

Junge Deutsche bevorzugen Verbrenner, doch warum?

Daniel Krenzer  —  

55 Prozent der jungen Autokäufer bevorzugen Benziner oder Diesel, wenn es um ihr nächstes Auto geht. Das dürfte vor allem einen Grund haben.

Weltweiter E-Auto-Absatz steigt auf Rekordniveau

Weltweiter E-Auto-Absatz steigt auf Rekordniveau

Daniel Krenzer  —  

Weltweit wurden im ersten Halbjahr 2026 so viele Elektroautos verkauft wie nie zuvor. China führt, Europa wächst kräftig – die USA fallen zurück.

Gründungsboom erreicht Batterieindustrie nur unvollständig

Gründungsboom erreicht Batterieindustrie nur unvollständig

Michael Neißendorfer  —  

Selbst dort, wo Start-ups entstehen, bleibt der Schritt in die industrielle Skalierung häufig eine zentrale Hürde, so eine aktuelle Studie.

CO₂-Bilanz: Automobilhersteller fast auf EU-Kurs

CO₂-Bilanz: Automobilhersteller fast auf EU-Kurs

Daniel Krenzer  —  

Die CO₂-Emissionen neuer Autos sinken deutlich. Dank wachsender E-Auto-Anteile nähert sich die Automobilindustrie ihren EU-Flottenzielen.

Deutschland gewährt Verbrenner-Firmenwagen besonders hohe Steuervorteile

Deutschland gewährt Verbrenner-Firmenwagen besonders hohe Steuervorteile

Daniel Krenzer  —  

Deutschland begünstigt Verbrenner-Firmenwagen laut T&E steuerlich stärker als andere EU-Staaten. Die Organisation fordert eine Reform.

So kann die Energiewende Deutschlands Industrie stärken

So kann die Energiewende Deutschlands Industrie stärken

Arun Niemann  —  

Speicherlösungen, flexible Netze und bidirektionales Laden könnten die Energiewende vom Kostenfaktor zum Standortvorteil für die deutsche Industrie machen.